Grenzstrang – Truncus sympathicus

 

Der Sympathikus als Teil des vegetativen Nervensystems besteht aus dem Truncus sympthicus, einer ‚Ganglienkette’ beidseits der Wirbelsäule, und den dazugehörigen sympathischen Nerven, Geflechten (Plexus) und peripheren (prävertrebralen = ‚vor der Wirbelsäule gelegenenen’) Ganglien.

 

[Ganglion (Mz. Ganglien, Ganglia) = Nervenknoten mit bindegewebiger Umhüllung (Capsula ganglii): Anhäufung von Ganglienzellen im Verlauf peripherer Nerven.

-> Siehe auch: Nervensystem; Glossar – Bindegewebe, Nervenzellen, Gliazellen]

 

 

ÜBERSICHT:

Ganglien des ‚Truncus sympathicus’

.

 

Lage

Nerven (N.; Mz. Nn.)

[‚Sympathische Nerven’]

 

Ganglion

cervicale superius

 

Oberstes Ganglion; unter der Schädelbasis

N. jugularis

  • Verbindung zu N. glossopharyngeus und N. vagus (IX. und X. Hirnnerv).

N. caroticus internus

(mit N. pinealis)

  • Bildet den Plexus caroticus internus; verläuft mit der Arteria carotis interna im Canalis caroticus (Karotiskanal).

Die Arteria carotis interna versorgt: Schleimhaut der Paukenhöhle (Teil des Mittelohrs mit den Gehörknöchelchen), Ganglion trigeminale (sensibles Ganglion des Nervus trigeminus; V. Hirnnerv ), Hypophyse, Auge, Inhalt der Augenhöhle, Teile des Gehirns, Stirn und vordere Teile der Nasenhöhle.

 

Nn. carotici externi

  • Bildet den Plexus caroticus externus um die Arteria carotis externa.

Die Arteria carotis externa versorgt: Schädelwände und Gesicht, Zunge, Teile der Schilddrüse, des Kehlkopfs, des Pharynx (Rachen).

 

N. cardiacus cervicalis sup.

  • Verläuft hinter der Arteria carotis communis zum Plexus cardiacus (‚Herznervengeflecht’).
  • Versorgt das Herz.

Ganglion

cervicale medium

Höhe 6. Halswirbel

N. cardiacus cervicalis medius

  • Verläuft zum Plexus cardiacus (‚Herznervengeflecht’).

Ganglion cervicothoracicum

(Ganglion stellatum)

Verschmelzung des inkonstanten Ganglion cervicale inferior mit dem 1. (2.) Ganglion thoracicum

N. cardiacus cervicalis inf.

  • Verläuft zum Plexus cardiacus (‚Herznervengeflecht’).
  • Versorgt Herz und Plexus subclavius (Nervengeflecht um die Arteria subclavia).

Die Arteria subclavia versorgt Teile des Kopfs, des Gehirns, des Halses, des Rückenmarks, der Brust, Arm.

 

N. vertebralis

  • Verläuft mit der Arteria vertebralis als Plexus vertebralis aufwärts.

Die Arteria vertebralis versorgt: Halsmuskeln, Wirbelkanal, Rückenmark, Dura mater (harte Hirn- und Rückenmarkhaut), Unterfläche des Kleinhirns.

 

Ganglia thoracica

Neben der Brustwirbelsäule

Nn. splanchnicus major, minor, imus (inkonstant); sie versorgen:

  • Aorta, Ösophagus (Speiseröhre), Pleura (Brustfell), Baucheingeweide.
  • Organe des Oberbauchs und des Retroperitonealraums (‚Raum hinter dem Bauchfell’).

Ganglia

lumbalia (meist 4)

Neben der Lendenwirbel-

säule

Nn. splanchnici lumbales

  • Versorgen Eingeweide des kleinen Beckens (Pelvis minor).

Ganglia

sacralia (meist 4)

Auf dem Kreuzbein

Nn. splanchnici sacrales

  • Versorgen Organe des kleinen Beckens (Pelvis minor).

Ganglion impar

(letztes, unpaares Ganglion)

 

Vor dem Steißbein

Unterstes, unpaares Ganglion.

 

Zum Nachdenken ...

„Vom Ganglion cervicale superius geht die gesamte sympathische Versorgung des Kopfes aus.“

[Quelle und zum Weiterlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Truncus_sympathicus etc.]

 

Der Nervus pinealis - im obersten Ganglion - hat seinen Ursprung im Nervus caroticus internus und verläuft zur Epiphyse (Zirbeldrüse).

 

Zum Weiterlesen bei Wikipedia:

de.wikipedia.org/wiki/Grenzstrang

de.wikipedia.org/wiki/Nervus_caroticus_internus

en.wikipedia.org/wiki/Cervical_nerves etc.

 

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn – Hirnsinus; Hirnnerven; Glossar – Drüsen (Epiphyse und Noradrenalin, Nervus pinealis), Plexus (Plexus caroticus internus etc.)

 

Rami communicantes albi

 

Die Neurone des Sympathikus liegen in den Seitenhörnern des Rückenmarks (sog. ‚thorakolumbales System’) und sind über die Rami communicantes albi mit dem ‚Grenzstrang’ verbunden:

.

Rami communicantes albi

Verbinden das Rückenmark mit dem Grenzstrang.

  • Markreiche*, präganglionäre Fasern.
  • Sie reichen vom letzten Halssegment  (C8) bis zum 2. oder 3. Lendenwirbel (L2/3).

* Substantia alba = Marksubstanz: Die aus markhaltigen Nervenfasern aufgebaute ‚weiße Substanz’ des Gehirns und Rückenmarks.

 

Präganglionäres Neuron

Neuron vor dem Ganglion:

Es zieht vom Seitenhorn des Rückenmarks oder aus Hirnstammkernen zu einem vegetativen Ganglion.

 

Seitenhorn des Rückenmarks

Das Seitenhorn enthält u. a. sympathische Neurone.

 

Zur Erinnerung ...

Die äußere ‚graue Substanz’ des Rückenmarks wird eingeteilt in Vorder-, Hinter- und Seitenhorn:

  • Das Vorderhorn enthält motorische Nervenzellen, die zur quergestreiften (Skelett-)Muskulatur ziehen.
  • Das Hinterhorn enthält sensible Neurone.

 

 [Neuron = Nervenzelle mit all ihren Fortsätzen.]

 

 Aus den Grenzstrangganglien entspringen die Grenzstrangäste:

  • Rami communicantes grisei
  • Rami vasculares und viscerales

 

... in den Grenzstrangganglien wird ein Teil der Fasern umgeschaltet ...

 

  

Rami communicantes grisei

 

Postganglionäre Fasern erreichen über die Rami communicantes grisei und die Spinalnerven das Erfolgsorgan.

.

Rami communicantes grisei

Verbinden den Grenzstrang mit den Spinalnerven.

  • Überwiegend markarme*, postganglionäre Fasern.
  • Sie verlaufen über die Spinalnerven zur Peripherie.

* Sog. ‚graue Substanz’ = Substantia grisea.

 

Postganglionäres Neuron

Neuron hinter dem Ganglion:

Es zieht über marklose Fasern zum Erfolgsorgan; die Weiterleitung der Erregung an den Synapsen erfolgt durch Neurotransmitter.

 

Zur Erinnerung ...

Neurotransmitter in den ganglionären Synapsen:

  • Immer Acetylcholin.

Neurotransmitter in den postganglionären Synapsen:

  • Acetylcholin -> wird vom Parasympathikus freigesetzt
  • Noradrenalin -> wird vom Sympathikus freigesetzt

[Quelle: Naturheilpraxis heute]

 

-> Siehe auch: Dopamin & Co. – Acetylcholin, Noradrenalin

 

Rami vasculares und viscerales

 

Bilden Geflechte (Plexus) zu Gefäßen und Eingeweiden.

 

Vasculares = auf die Gefäße bezogen.

Viscerales =  auf die Eingeweide bezogen.

 

-> Siehe auch: Leitungsbahnen; Glossar – Plexus

 

 

 

Prävertebrale und intramurale Ganglien

 

... ein Teil der Fasern wird in den ‘prävertebralen Ganglien’ oder in den ‚intramuralen Ganglien’ auf das postganglionäre Neuron umgeschaltet ...

 

PRÄVERTEBRALE GANGLIEN:

.

Ganglion coeliacum

Ganglienzellen beidseits der Aorta, neben dem Truncus coeliacus (= gemeinsamer Arterienstamm für die Oberbauchorgane in Höhe des 12. Brustwirbels).

 

Die Ganglienzellen hängen mit dem Plexus coeliacus (sog. ‚Sonnengeflecht’) zusammen. Das ‚Sonnengeflecht’ versorgt sympathisch und parasympathisch die Oberbauchorgane.

-> Siehe: Glossar - Plexus

 

Ganglion mesentericum

inferius

Ganglienzellen um die Arteria mesenterica inferior.

 

Die Arteria mesenterica inferior versorgt:

Colon descendens (absteigender Teil des Dickdarms), Sigmoid (S-förmig gekrümmter Teil des Dickdarms) und den oberen Teil des Rektums (Mastdarm, Enddarm).

 

Ganglion mesentericum

superius

Nervenzellgruppe beidseits des Abgangs der Arteria mesenterica superior. Dieses Ganglion ist oft mit benachbarten Ganglien verschmolzen.

 

Die Arteria mesenterica superior versorgt:

Untere Teile von Duodenum (Zwölffingerdarm) und Pankreas (Bauchspeicheldrüse), Jejunum (Leerdarm), Ileum (Krummdarm mit ‚Peyer-Plaques’*), Colon bis zur linken Flexur (‚Dickdarmbiegung’).

 

[Hier Anastomose (Verbindung) mit der Arteria mesenterica inferior.]

 

* Peyer-Plaques = Häufung von Lymphfollikeln (Lymphknötchen); sind Bestandteil des Immunsystems.

 

Zur Erinnerung ...

Der Plexus mesentericus superior ist ein vegetatives Nervengeflecht um die ARTERIA MESENTERICA SUPERIOR und ihre Äste und sympathische und parasympathische Fasern aus dem Plexus coeliacus (‚Sonnengeflecht’).

 

-> Siehe auch: Glossar – Plexus; Zum Nachdenken – Lymphatisches System

 

 

 

INTRAMURALE GANGLIEN:

 

Intramurale Ganglien liegen innerhalb der Wand von Hohlorganen (z. B. Magen, Darm, Harnblase, Harnleiter, Gebärmutter, Blutgefäße).

 

 

Grenzstrangläsionen

 

Bei einer Läsion (Schädigung, Verletzung) des Grenzstrangs kommt es zu Krankheitserscheinungen, die als Grenzstrang-Quadrantensyndrom bezeichnet werden.

Man unterscheidet:

 

Oberes Grenzstrang-Quadrantensyndrom

Schädigung des Ganglion cervicale superius und medium und des Ganglion cervicothoracicum (Ganglion stellatum)

 

Symptome:

- Horner-Syndrom*

- Versiegen der Tränensekretion

- Hyperämie (‚vermehrte Durchblutung’)

- Störungen der Schweißsekretion einer Gesichtshälfte und des Armes derselben Seite

 

* Klassische ‚Symptomen-Trias’ beim Horner-Syndrom:

Miosis (Pupillenverengung)

Ptosis (Herabhängen des Oberlids)

Enophthalmus (Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle)

 

Unteres Grenzstrang-Quadrantensyndrom

Schädigung des lumbalen Grenzstrangs

 

Symptome:

- Gestörte Schweißsekretion (Anhidrose; fehlende ‚Perspiratio sensibilis’) des Beins

 

-> Siehe auch: Glossar – Hautschichten (Schweißdrüsen)

 

Und siehe auch:

Wunderwerk Gehirn – Epiphyse, Substantia alba, grisea

Wunderwerk Mensch – Reflexe

Leitungsbahnen

Nervensystem

Zum Nachdenken – Beugereflex, Cholin, Rautengrube (Hirnstamm bzw. Fasciculus longitudinalis dorsalis)

 

 

Quellen und zum Weiterlesen:

‚Naturheilpraxis heute’

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’

 

 

 

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