Glossar:

 

Hormone des Hypophysenvorderlappens (HVL)

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FSH

Follikelstimulierendes

Hormon

Die pulsatile (= pulsierende) Freisetzung wird gesteuert durch GnRH (= Gonadotropin-releasing-Hormon).

 

GnRH wird im Hypothalamus gebildet, mit Pyroglutaminsäure am N-terminalen Ende ...

 

Funktion:

Bei der Frau

  • Regulation des Menstruationszyklus (zusammen mit Estradiol [stärkstes natürliches Östrogen] und Progesteron).
  • Glykolyse und Proteinbiosynthese im Ovar (Eierstock).

Beim Mann

  • Fördert die Spermienbildung (Spermatogenese).
  • Bewirkt Vergrößerung der Samenkanälchen und Biosynthese von Androgenbindungsprotein in Sertoli-Zellen*.

* Sertoli-Zellen = Stützzellen des Samenepithels; dazwischen liegen die verschiedenen Stadien der Keimzellen. Die Sertoli-Zellen sondern eine Flüssigkeit ab, in denen die Samenzellen transportiert werden.

Gehemmt wird die Sekretion von FSH durch:

  • Inhibine (bestimmte Glykoproteine, die aus je einer über Disulfidbrücken verbundenen Untereinheit bestehen; s. u.).
  • Progesteron bei der Frau und Testosteron beim Mann (Testosteron ist stärkstes der natürlichen männlichen Sexualhormone).
  • Erhöhte Prolaktinspiegel (s. u.).

-> Siehe auch: Hypothalamus und Hypophyse; Hormone & Co.; Essen & Co. – Fette, Fettstoffwechsel, Ergänzungen (Disulfidbrücken etc.); Glossar – ATP (Glykolyse etc.), GABA; de.wikipedia.org/wiki/Pyroglutaminsäure

 

LH

Luteinisierendes Hormon

Die Ausschüttung wird durch GnRH, Estradiol (stärkstes natürliches Östrogen) und Progesteron kontrolliert.

 

Funktion:

Bei der Frau

  • Löst Follikelreifung und Ovulation aus (über Hormon-Rezeptoren an den Interstitialzellen [Zellen im Zwischengewebe] der Keimdrüsen).
  • Bewirkt Entwicklung und Funktion des Corpus luteum*.

* Sog. ‚Gelbkörper’, der im Ovar nach dem ‚Eisprung’ entsteht; es ist der Bildungsort von Östrogenen und von Progesteron.

 

Zum Nachdenken ...

  • Das ‚Corpus luteum graviditatis’ sondert in der Schwangerschaft bis zur 8. – 10. SSW (Schwangerschaftswoche) Östrogene und Progesteron ab; danach wird die Produktion von der Plazenta - bzw. der ‚fetoplazentaren Einheit’ – übernommen.

Beim Mann

  • Regt das Wachstum der Leydig-Zwischenzellen des Hodens und die Bildung der männlichen Sexualhormone (= Androgensynthese) an.

Wichtig ...

LH besteht aus einer unspezifischen α-Untereinheit, die identisch ist zu der von

  • HCG   Humanes Choriongonadotropin; aktiviert u. a. die fetale Nebennierenrinde (NNR); Maximum im 2. – 3. Schwangerschaftsmonat
  • FSH – s. o.
  • TSH – stimuliert die Schilddrüse; s. u.

... und einer spezifischen β-Untereinheit:

  • Diese wirkt ‚immunogen’.
  • Ist nur zusammen mit der α-Untereinheit für die biologische Wirkung verantwortlich.

Die Ausschüttung von LH (und FSH) wird durch erhöhte Prolaktinspiegel gehemmt.

 

TSH

Thyroidea stimulierendes Hormon

Die Ausschüttung wird reguliert durch ‚negative Rückkopplung’ mit ‚T4’(= Thyroxin ) und durch TRH (= Thyreotropin-Releasing-Hormon).

 

T4’ (= Thyroxin) und ‚T3’ (= Triiodthyronin) sind Schilddrüsenhormone und u. a. wichtig für die Gehirnreifung; sie aktivieren das Nervensystem und fördern das Längenwachstum.

 

Wichtig ...

  •  ‚T3’ wird zu ca. 80 % außerhalb der Schilddrüse gebildet – v. a. in der Leber und in der Niere - durch Deiodierung von ‚T4’ (durch die Thyroxindehalogenase).
  • T3’ wirkt schneller und stärker als ‚T4’.

Zur Erinnerung ...

Die semi-essentielle Aminosäure TYROSIN ist Vorstufe der Biosynthese von DOPA, Dopamin, Adrenalin, der Melanine – und von Thyroxin ('T4').

  • TRH aus dem Hypothalamus stimuliert im HVL die Ausschüttung von TSH.
  • TSH stimuliert die Schilddrüse: Iodeinbau, Hormonsynthese, Hormonausschüttung, Follikelwachstum*.

* Die Follikelzellen der Schildddrüse produzieren ‚T4’ und ‚T3’.

 

-> Siehe auch: Essen & Co. – Aminosäuren, Albumin, Phenylalanin etc.

 

ACTH

Adrenocorticotropes

Hormon

ACTH und Stress ...

Physische und/oder psychische Belastungen setzen v. a. in der Großhirnrinde und im ‚Limbischen System’ zwei Reaktionsketten in Gang:

  • Der Hypothalamus schüttet vermehrt CRH aus, welches in der Hypophyse zur Freisetzung von ACTH führt, und in der Nebennierenrinde (NNR) die Ausschüttung von Glukokortikoiden* stimuliert.

* Glukokortikoide = sog. ‚Stresshormone’. Sie zeigen einen ausgeprägten ‘zirkadianen Rhythmus’ (Minimum um Mitternacht, Maximum zwischen 06.00 und 08.00 Uhr morgens mit 70 % der Tagesproduktion).

  • Der Sympathikus aktiviert das Nebennierenmark (NNM) und führt zur Ausschüttung eines ‚Gemisches’ aus ca. 80 % Adrenalin und 20 % Noradrenalin.

Und:

  • U. a. wird über die Leber vermehrt Glukose ins Blut freigesetzt.

Zu den Stresshormonen, die bei Stress vermehrt freigesetzt werden, gehören u. a.:

Glukokortikoide (s. o.)

Katecholamine (z. B. Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin)

Glucagon (Gegenspieler von Insulin)

 

Wichtig ...

Nicht nur Stress, auch Kälte, führt zu einer vermehrten Ausschüttung von ACTH.

ACTH unterliegt einem ‚zirkadianen Rhythmus’ mit höchsten Werten am Morgen.

ACTH führt indirekt auch zu einer vermehrten Ausschüttung von Insulin.

ACTH besteht aus 38 Aminosäuren, wobei nur die ersten 24 Aminosäuren für die physiologische Wirkung erforderlich sind.

Die Aminosäuresequenz von Alpha-MSH ist identisch mit einer Teilsequenz von ACTH.

 

* MSH = Melanozyten-stimulierendes Hormon; wird im Hypophysenzwischenlappen gebildet und reguliert die Melaninsynthese in den Melanozyten etc.; MSH wird durch MRH (= Melanozyten-stimulierendes Hormon-Releasing-Hormon) aus dem Hypothalamus gesteuert.

 

-> Siehe auch: Dopamin & Co. – Ein Anfang, Die Stressreaktion, Insulin und Glucagon; Essen & Co. – Ergänzungen (Alpha-MSH, Proopiomelanocortin etc.); Hormone & Co.; Nervensystem; Glossar – ATP, Limbisches System; Zum Nachdenken – Hypoglykämie, Schockformen

 

STH

Wachstumshormon

Kontrolliert das Körperwachstum.

Besteht aus 190 Aminosäureresten und 2 Disulfidbrücken

(s. u.).

 

Bildung und Sekretion wird reguliert durch:

  • SRH aus dem Hypothalamus stimuliert die Freisetzung.
  • Somatostatin* aus dem Hypothalamus und D-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) hemmt die Ausschüttung.

* Somatostatin wirkt auch hemmend auf: TSH, ACTH, Insulin, Glucagon, Gastrin (regt im Magen die Sekretion von Salzsäure und Pepsinogen an) und Cholezystokinin (stimuliert die Freisetzung von Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse, fördert die Gallenblasenkontraktion).

 

Die Freisetzung ist gesteigert:

- Bei Hypoglykämie

- Bei erhöhtem Aminosäure- und Glucagonspiegel

- Im Schlaf

 

Die Freisetzung wird vermindert durch:

- Glukose

- Cortisol

 

-> Siehe auch: Zum Nachdenken – Hypoglykämie etc.

 

Prolaktin

Die Ausschüttung wird gefördert u. a. durch:

- TRH (Thyrotropin-Releasing-Hormon; s. o.)

- Stress

- Operative Eingriffe

- Hunger

 

Es wirkt über die Adenylatcyclase der Zielzellen.

 

Prolaktin wird verstärkt gebildet ab der 8. SSW (Schwangerschaftswoche) und in der Stillzeit.

Es setzt – zusammen mit Cortisol – die Milchproduktion in Gang.

 

Wichtig ...

  • Erhöhte Prolaktinspiegel hemmen die Ausschüttung von FSH und LH.
  • Prolaktinhemmer führen zu einer ‚Hypophysenausschaltung’.

Zum Nachdenken ...

Zu den Prolaktin hemmenden Releasing-Hormonen (PIH) gehören Dopamin und ein GnRH*-assoziiertes Peptid.

* S. o.: FSH

-> Siehe auch: Essen & Co. – Ergänzungen (Prolaktin etc.); Fragen, Fragen, Fragen – Gynäkomastie; Glossar – cAMP/cGMP; Zum Nachdenken - Prolaktin

 

 

 

 

Zur Erinnerung ...

Der HVL ist über ein spezielles Gefäßsystem – sog. Pfortadergefäße der Hypophyse – mit dem Zwischenhirn

(= Diencephalon) verbunden. Im Zwischenhirn ‚entspringt’ der II. Hirnnerv – Nervus opticus (Sehnerv).

 

-> Siehe auch: Hirnnerven

 

Disulfidbrücken (syn. Cystinbrücken) sind Disulfidbindungen zwischen schwefelhaltigen Aminosäuren, z. B. zwischen zwei Cysteinresten (durch Oxidation von 2 SH-Gruppen). Sie stabilisieren die räumliche Struktur von Proteinen. Geknüpft und gelöst werden diese Verbindungen „unter Mitwirkung von Glutathion durch die Proteindisulfidreduktase.“ [Pschyrembel]

Schwefelhaltige Aminosäuren sind Methionin und Cystein.

 

-> Siehe auch: Essen & Co. – Ergänzungen; Mineralstoffe; Glossar – ATP etc.;

Zum Nachdenken – Cholin, Methionin, Glycin, Threonin

 

 

Quellen und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’, ‚Naturheilpraxis heute’

 

 

Und siehe auch:

Hypothalamus, Hypophyse, Nebenniere

... und mehr - Disseminiert

Zum Nachdenken – Septooptische Dysplasie (HVL-Insuffizienz)

 

 

 

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