Bulbus olfactorius –

Verbindung zur Zunge

 

Geruchs- und Geschmackssinn sind eng miteinander verbunden:

Der Geruchssinn ist auch immer an allen Geschmacksempfindungen beteiligt!

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ÜBERSICHT

Zunge, Zungenbälge, Papillen

Geschmacksnerven

- Nervus lingualis, Nervus facialis (bzw. Nervus intermedius)

- Nervus glossopharyngeus

 

Kiemenbögen

  • Sie enthalten embryonales Bindegewebe (Mesenchym), eine Knorpelspange, Muskelanlage, einen Nerv und eine Arterie ...
  • Aus dem Knorpel der Kiemenbögen bilden sich ...

Nerven der Kiemenbögen

- Nervus trigeminus

- Nervus facialis

- Nervus glossopharyngeus

- Nervus vagus

 

Kiemenspalten

 

EXKURS:

Thymus

 

ANHANG:

Knorpel bzw. Knorpelbestandteile ...

 

‚Seite 2’:

 

Vegetatives Nervensystem

- Sympathikus, Parasympathikus, intramurales System

 

[Nervus vagus = Hauptnerv des parasympathischen Systems]

 

Neurotransmitter

- Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin

- Acetylcholin

- Serotonin

- VIP

 

Nucleus tuberomammillaris

- Serotonin

- GABA

- Histamin

 

'Seite 3':

Dopaminsysteme

Dopamin-Rezeptoren und Adenylatcyclase

PRH und PIH

Hypothalamus- und Hypohysenhormone

Zirkumventrikuläre Organe

Liquor

 

 

 

Zunge (Lingua, Glossa)

 

Die Zunge ist ein von Schleimhaut überzogener Muskelkörper.

Man teilt sie ein in:

- Zungenspitze (Apex linguae)

- Zungenkörper (Corpus linguae)

- Zungengrund (Radix linguae)

 

Zungenbälge

 

Die Zungenbälge am Zungengrund bilden die sog. Zungenmandel. Sie gehört zum ‚lymphatischen Rachenring’* und dient der Infektabwehr.

 

* Syn. Waldeyer-Rachenring: Dazu gehört das lymphatische Gewebe im Bereich der Gaumenmandel (Tonsilla palatina), Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis), Zungenmandel (Tonsilla lingualis) und im Bereich der Öffnung der Ohrtrompete im Rachen (Tonsilla tubaria), der Seitenstränge und der Kehldeckel.

 

-> Siehe auch: Essen & Co. – Lymphe; Zum Nachdenken – Lymphatisches System

 

Papillen

 

In der Schleimhaut am Zungenrücken und an den Zungenrändern liegen die Zungenpapillen mit den Geschmacksknospen.

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Formen ...

 

Lage/Funktion ...

Papillae filiformes

Fadenförmige Papillen

V. a. im vorderen Bereich der Zunge.

Rezeptoren für die Tastempfindung.

 

Papillae foliatae

Blattförmige Papillen

 

Am hinteren seitlichen Rand der Zunge.

 

 

Papillae fungiformes

Pilzförmige Papillen

Im mittleren und vorderen Bereich der Zunge.

Wenige Geschmacksknospen.

Pilzförmige Papillen sind ‚Temperaturfühler’.

 

Papillae vallatae

Sog. Wallpapillen

Im hinteren Teil der Zunge.

Sie enthalten 50 % aller Geschmacksknospen.

 

 

 

Geschmacksknospen sind Chemosensoren. Sie kommen vereinzelt auch vor am Gaumen, Kehldeckel und in der Rachenschleimhaut.

 

Geschmacksnerven

 

Geschmacksfasern verlaufen:

  • Von den vorderen zwei Dritteln der Zunge über Nervus lingualis → Chorda tympani (Paukensaite) → Nervus facialis (bzw. Nervus intermedius).
  • Vom hinteren Drittel der Zunge (Papillae vallatae) und den Papillae foliatae über den Nervus glossopharyngeus.

 

VERGLEICH -

Nervus facialis und Nervus glossopharyngeus

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NERVUS FACIALIS

VII. Hirnnerv

NERVUS GLOSSOPHARYNGEUS

IX. Hirnnerv

 

Nerv des 2. Kiemenbogens.

Besteht aus einem motorischen Teil und dem nichtmotorischen NERVUS INTERMEDIUS.

 

 

Nerv des 3. Kiemenbogens.

Sensorischer, motorischer und parasympathischer Nerv.

 

Er ‚versorgt’ parasympathisch:

Tränen-, Nasen- und

Speicheldrüsen* (außer Ohrspeicheldrüse)

 

* Einteilung der Speicheldrüsen ...

Große Speicheldrüsen:

- Ohrspeicheldrüse

- Unterzungendrüse

- Unterkieferspeicheldrüse

Kleine Speicheldrüsen:

U. a. an der Innenseite der Lippen und Wangen, am Zungenrand und Zungengrund.

Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

 

-> Siehe dazu: Glossar – Drüsen

 

Er ‚versorgt’ parasympathisch:

  • Ohrspeicheldrüse
  • Drüsen des Zungengrunds – mit Ebner-Spüldrüsen
  • Karotissinus (Sinus caroticus*)

* Sinus caroticus = Erweiterung an der Teilungsstelle der Arteria carotis communis (gemeinsame Halsschlagader); kann sich fortsetzen auf der Arteria carotis interna

 

-> Siehe dazu: Wunderwerk Gehirn – Hirnsinus

 

Er ‚versorgt’ sensibel/sensorisch:

  • Vordere zwei Drittel der Zunge
  • Äußeren Gehörgang und Ohrmuschel

 

Er ‚versorgt’ sensorisch (Geschmack):

  • Hinteres Drittel der Zunge

Und sensorisch (Oberflächensensorik):

- Paukenhöhle

- Ohrtrompete (Tuba auditiva)

- Warzenfortsatzzellen (Cellulae mastoideae)

- Rachen, oberer Teil

- Gaumenbögen

- Mandeln (Tonsillen)

 

Aus dem Knorpel des 2. Kiemenbogens (Hyoidbogen) bilden sich u. a.:

  • Steigbügel
  • Obere Hälfte des Zungenbeinkörpers
  • Kleines Zungenbeinhorn

[-> Hammer und Amboss bilden sich aus dem 1. Kiemenbogen (Mandibularbogen); s. u.]

 

Aus dem Knorpel des 3. Kiemenbogens bilden sich:

  • Untere Hälfte des Zungenbeinkörpers
  • Großes Zungenbeinhorn

 

 

Nervus lingualis

 

Der NERVUS LINGUALIS ist ein sensorischer Nerv; er ‚versorgt’:

Schlundenge, Gaumenmandel*, Mundboden und die vorderen zwei Drittel der Zunge.

 

Er hat seinen Ursprung im Nervus mandibularis, dem unteren Ast (V3) des Nervus trigeminus (s. u.). Er verläuft unter der Unterzungendrüse und dem Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse (Ductus submandibularis) zur Zunge.

 

* Die Gaumenmandel = Tonsilla palatina (paarig angelegt) ist Teil des ‚lymphatischen Rachenrings’; s. o.

 

-> Siehe dazu: Bulbus olfactorius ... und Paukensaite

 

Kiemenbögen ...

 

Kiemenbögen sind in der Embryonalzeit vorübergehend bestehende Wände zwischen den Kiemenspalten. Sie enthalten: Embryonales Bindegewebe (Mesenchym), eine Knorpelspange, Muskelanlage, einen Nerv und eine Arterie.

 

Aus dem Knorpel des 1. Kiemenbogens (Mandibularbogen) entwickeln sich:

  • Mandibula (Unterkiefer)
  • Hammer und Amboss (-> gehören zu den Gehörknöchelchen)

Nerv des 1. Kiemenbogens ist der Nervus trigeminus (V. Hirnnerv).

 

Aus dem Knorpel des 2. Kiemenbogens (Hyoidbogen) bilden sich:

  • Steigbügel (-> gehört zu den Gehörknöchelchen)
  • Processus styloideus (Griffelfortsatz des Schläfenbeins)
  • Ligamentum stylohyoideum*
  • Obere Hälfte des Zungenbeinkörpers
  • Kleines Zungenbeinhorn

Nerv des 2. Kiemenbogens ist der Nervus facialis/Nervus intermedius (VII. Hirnnerv).

 

* Ligament = ‚Band’ aus kollagenem (selten auch elastischem) Bindegewebe zur Befestigung von gegeneinander beweglichen Teilen des Skeletts.

Das Ligamentum stylohyoideum verbindet den Processus styloideus (Griffelfortsatz des Schläfenbeins) und das Cornu minus des Zungenbeins (Kleines Zungenbeinhorn).

 

[Schläfenbein = Os temporale: Bestandteil der Schädelbasis und des seitlichen Schädeldachs. Die Felsenbeinpyramide – als Teil des Schläfenbeins - bildet die knöcherne Hülle für Teile des Mittelohrs (Paukenhöhle etc.) und für das Innenohr; weitere Teile sind die Pars tympanica mit dem äußeren Gehörgang und die Pars squamosa mit der Gelenkfläche für das Kiefergelenk.

Zungenbein = Os hyoideum]

 

Aus dem Knorpel des 3. Kiemenbogens bilden sich:

  • Untere Hälfte des Zungenbeinkörpers
  • Großes Zungenbeinhorn

Nerv des 3. Kiemenbogens ist der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv).

 

Aus dem Knorpel des 4. – 6. Kiemenbogens entstehen die Kehlkopfknorpel.

Nerv des 4. – 6. Kiemenbogens ist der Nervus vagus (X. Hirnnerv).

 

 

Nervus trigeminus und Nervus vagus

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NERVUS TRIGEMINUS

V. Hirnnerv

 

 

NERVUS VAGUS

X. Hirnnerv

Sog. ‚Eingeweidenerv’

Hauptnerv des parasympathischen Systems

Nerv des 1. Kiemenbogens.

Sensorischer und motorischer Nerv.

 

Nerv des 4. – 6. Kiemenbogens.

Sensorischer, motorischer und parasympathischer Nerv.

 

Ursprung:

Seitenfläche des mittleren Kleinhirnstiels

 

Auf der Vorderfläche der Felsenbeinpyramide bildet die sensorische Wurzel (Radix sensoria) das sensorische Ganglion trigeminale.

 

Hier teilt sich die sensorische Wurzel in drei Hauptäste:

Nervus ophthalmicus (V1) – oberster Ast

Nervus maxillaris (V2) – mittlerer Ast

Nervus mandibularis (V3) – unterer Ast

 

Die motorische Wurzel (Radix motoria) zieht am Ganglion vorbei und schließt sich dem Nervus mandibularis an.

 

Verlauf V1:

Vom Ganglion trigeminale in der lateralen Wand des Sinus cavernosus durch die Fissura orbitalis superior in die Augenhöhle (Orbita)

 

Verlauf V2:

Vom Ganglion trigeminale in der lateralen Wand des Sinus cavernosus durch das Foramen rotundum (Öffnung im großen Keilbeinflügel) in die Fossa pterygopalatina (Flügelgaumengrube)

 

Verlauf V3:

Vom Ganglion terminale durch das Foramen ovale ossis sphenoidalis (an der Schädelbasis) in die Fossa infratemporalis

 

 

Ursprung:

Sensible Wurzel

V. a. im Ganglion rostrale (superius) im Foramen jugulare; ein kleiner Teil im Ganglion caudale (inferius) unterhalb des Foramen jugulare

 

Das Foramen jugulare liegt an der Schädelbasis zwischen Hinterhaupt- und Felsenbein. Es (Foramen = Loch) ist der Durchtritt der:

- Vena jugularis interna

- Hirnnerven IX., X. und XI.

Die Vena jugularis interna sammelt das venöse Blut aus Teilen der Schädelhöhle, des Gehirns und des Gesichts, aus Pharynx, Zunge, Kehlkopf, Schilddrüse.

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn – Hirnsinus

 

Zentrale Fasern (... Fasern aus dem ZNS ...) enden in der Medulla oblongata am:

- Nucleus dorsalis nervi vagi (parasymp.)

- Nucleus solitarius (sensibel und sensorisch)

 

Der Nucleus solitarius ist eine Kerngruppe im Tractus solitarius in der Medulla oblongata. Er enthält die Endkerne der sensorischen und sensiblen Fasern (Geschmacksfasern) der Hirnnerven VII. (Nervus facialis), IX. und X.

-> Siehe auch: Leitungsbahnen - Tractus

 

Motorische Wurzel

Hinterer Abschnitt des Nucleus ambiguus

 

Nucleus ambiguus = Ursprungskern für den IX., X. und den kranialen Teil des XI. Hirnnerv in der Medulla oblongata.

[XI. Hirnnerv = Nervus accessorius, ein motorischer Nerv. Er versorgt den Trapez- und den Kopfwendermuskel (Musculus trapezius und sternocleidomastoideus).]

 

Parasympathische Wurzel

Im Nucleus dorsalis nervi vagi im Bereich der Rautengrube.

-> Siehe auch: Zum Nachdenken - Rautengrube

 

Versorgungsgebiet – sensorisch:

V1

  • Dura mater (harte Hirnhaut) der vorderen Schädelgrube einschl. Tentorium cerebelli (Kleinhirnzelt)
  • Haut an Stirn, Oberlid, Nasenrücken
  • Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales)
  • Keilbein- und Stirnhöhle
  • Nasenhöhle
  • Augenbindehaut, äußere und mittlere Augenhaut

V2

  • Dura mater der mittleren Schädelgrube
  • Unteres Augenlid, Wange, Oberlippe, Nasenflügel, Schläfenhaut
  • Nasen- und Kieferhöhle
  • Gaumen
  • Zähne und Zahnfleisch des Oberkiefers

Versorgungsgebiet – sensorisch, motorisch:

V3 - sensorisch

  • Dura mater der mittleren Schädelgrube
  • Warzenfortsatzzellen (Cellulae mastoideae)
  • Mundbogen- und Wangenschleimhaut
  • Vordere zwei Drittel der Zunge
  • Zähne und Zahnfleisch des Unterkiefers
  • Kiefergelenk, Unterkiefer
  • Haut an Kinn, Unterlippe, Wange, Schläfe und äußerem Gehörgang

V3 – motorisch

  • Kaumuskeln
  • Gaumensegelspanner
  • Trommelfellspanner
  • Hauptmuskel des Mundbodens (Musculus mylohoideus)
  • ‚Zungenbeinmuskel’ (Musculus digastricus Venter anterior)

[Der Nervus mylohoideus versorgt (innerviert) motorisch Musculus mylohoideus und Musculus digastricus Venter ant.; sensorisch die Haut unter dem Kinn.]

 

Versorgungsgebiet – sensorisch:

  • Dura mater der hinteren Schädelgrube
  • Innenseite der Ohrmuschel, Teile des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells
  • Zungenwurzel
  • Unterer Rachen (Pharynx)
  • Kehlkopf
  • Luftröhre (Trachea)
  • Brust- und Baucheingeweide (bis zur linken Dickdarmbiegung [Kolonflexur])

Versorgungsgebiet – motorisch:

  • Gaumenmuskeln
  • Unterer Rachenschnürer
  • Kehlkopfmuskeln

Versorgungsgebiet – parasympathisch:

  • Dura mater
  • Zungenwurzel-, Gaumen- und Rachendrüsen
  • Hals-, Brust- und Bauchorgane bis zur linken Dickdarmbiegung (Kolonflexur)

 

Zur Erinnerung ...

  • Ein sensorischer/sensibler Nerv nimmt Reize wahr, die durch Sensoren vermittelt und über zuführende (afferente) Nerven und Rückenmarkbahnen zur Großhirnrinde vermittelt werden.
  • Ein motorischer Nerv steuert Bewegungsvorgänge, die vom ZNS kontrolliert werden.
  • Ein parasympathischer Nerv gehört zum parasympathischen System; die synaptische Umschaltung (prä- auf postganglionäre Neuronen ...) erfolgt außerhalb des ZNS in peripheren Ganglien oder in Ganglien der intramuralen Geflechte. (S. u.)

 

 

-> Siehe auch: Essen & Co. – Liquor (Tentoriumriss etc.); Wunderwerk Gehirn – Hirnsinus, Kleinhirnstiele etc.; Hirnnerven; Leitungsbahnen; Nervensystem; Glossar – Fossa cranii (Schädelgruben etc.)

 

 

Noch einmal: Kiemenbögen ...

 

Kiemenbögen sind in der Embryonalzeit vorübergehend bestehende Wände zwischen den Kiemenspalten. Sie enthalten: Embryonales Bindegewebe (Mesenchym), eine Knorpelspange, Muskelanlage, einen Nerv und eine Arterie.

 

Aus der 1. Kiemenspalte entwickeln sich:

Primäre Paukenhöhle, innere Epithelschicht (‚Deckschicht’) des Trommelfells und Ohrtrompete (Tuba auditiva)

Aus der 2. Kiemenspalte:

Tonsillenbucht mit der Gaumentonsille (Tonsilla palatina; Gaumenmandel – s. o.)

Aus der 3. und 4. Kiemenspalte:

Thymus und Epithelkörperchen (Glandulae parathyroideae; Nebenschilddrüsen)

Aus der 5. Kiemenspalte:

Die späteren C-Zellen der Schilddrüse (Glandula thyroidea)

 

-> Siehe auch: Glossar – Drüsen etc.; Gedankensplitter – Bulbus olfactorius (Paukenhöhle, Ohrtrompete etc.)

 

... und Nerven der Kiemenbögen ...

.

.

1. Kiemenbogen

Nervus trigeminus

 

2. Kiemenbogen

Nervus facialis

3. Kiemenbogen

N. glossopharyngeus

4.-6. Kiemenbogen

Nervus vagus

Mandibula (Unterkiefer)

Hammer und Amboss

Steigbügel

Processus styloideus

Ligamentum stylohyoideum

Obere Hälfte des Zungenbeinkörpers

Kleines Zungenbeinhorn

 

Untere Hälfte des Zungenbeinkörpers

Großes Zungenbeinhorn

Kehlkopfknorpel

Sensorischer und motorischer Nerv.

Motorischer, parasympathischer  und sensorischer Nerv.

Sensorischer, motorischer und parasympathischer Nerv.

Sensorischer, motorischer und parasympathischer Nerv.

 

 

 

EXKURS: Thymus ...

 

Der Thymus (Bries) liegt über dem Herzbeutel (Perikard), hinter dem Brustbein (Sternum). Er entsteht am Ende des 1. Embryonalmonats aus dem Epithel der 2. und 3. Kiemenspalte.

 

Nur während der Kindheit und Jungendzeit ist der Thymus voll ausgebildet. Bei Erwachsenen besteht er nur noch aus narbigen Resten innerhalb eines Fettkörpers, da er sich ab der Pubertät (Eintritt der Geschlechtsreife) zurückbildet.

 

Bestandteile des kindlichen Thymus:

- Glatte Läppchen in einer Bindegewebskapsel

- Markanteile mit eosinophlen Granulozyten, Mastzellen und wenigen Lymphozyten

- Rindenanteile mit vielen Lymphozyten (sog. Thymozyten)

- Gewebegerüst aus Retikulumzellen

Im Erwachsenenalter wird v. a. die Rinde durch Fettgewebe ersetzt.

 

Funktion des Thymus:

- Prägung der T-Lymphozyten

- Produktion der Thymusfaktoren Thymopoietin I und II sowie von Thymosin

.

.

Lymphozyten

Sind kleine weiße Blutkörperchen. Sie werden gebildet im Knochenmark, in Lymphknoten, Thymus und Milz und gelangen ins Blut. Sie können ins Gewebe auswandern  - und gelangen dann über die Lymphbahnen wieder zurück.

 

[Weiße Blutkörperchen = Leukozyten]

 

Ihr Kern ist groß, chromatindicht, rund, mit wenig basophilem, meist granuliertem Zytoplasma.

 

[Chromatin = Substanz im Karyoplasma (= Plasma des Zellkerns mit Chromatin, Nucleoli und umgebender Flüssigkeit [Karyolymphe]); besteht v. a. aus DNA, RNA und Kernproteinen (Histone und Nichthistone); aus dem Chromatin gehen die in der Zellteilungsphase sichtbaren Chromosomen hervor.

Basophil = mit basischen Farbstoffen anfärbbar; s. u.

Granuliert = körnig; s. u.]

 

Vorkommen:

Ca. 4 % im peripheren Blut, ca. 70 % in den Organen des lymphatischen Systems*, 10 % im Knochenmark, der Rest in anderen Organen.

 

Einteilung:

- B-Lymphozyten (B-Zellen)

- T-Lymphozyten (T-Zellen)

- Natürliche Killerzellen

 

Retikulumzellen

Sind sternförmig verzweigte Zellen im retikulären Bindegewebe von Milz, Lymphknoten, Tonsillen, Lamina propria des Darms und rotem Knochenmark.

 

Drei Formen:

- Fibroblastische = unbewegliche, faserbildende Zellen

- Histiozytäre = phagozytierende Makrophagen

- Dendritische = antigenpräsentierende Zellen

 

Dendritische Retikulumzellen können T- und B-Lymphozyten aktivieren.

 

Die sog. ‚Hasall-Körperchen’ im Thymusmark bestehen aus Retikulumzellen mit Degenerationserscheinungen (Verkalkung usw.). Ihre Anzahl nimmt zu bis zur Pubertät und dann ab ...

 

T-Lymphozyten

(T-Zellen)

70 – 80 % der 4 % der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im peripheren Blut sind T-Lymphozyten:

T-Lymphozyten reifen im Thymus.

Sie sind Träger der zellvermittelten Immunität.

 

Zum Nachdenken ...

B-Lymphozyten (B-Zellen) reifen im Knochenmark (Bone marrow).

Sie sind Träger der humoralen* Immunität und Vorläufer der Plasmazellen.

  • Plasmazellen haben ein ungranuliertes Zytoplasma (s. u.), das reich ist an endoplasmatischem Retikulum (ER) und Ribosomen, einen gut entwickelten Golgi-Apparat und einen kleinen Kern mit Radspeichenstruktur des Chromatins. Sie sind die Haupt-Produzenten der Immunglobuline*.

* Humoral = die Körperflüssigkeiten betreffend.

 

* Immunglobuline = Glykoproteine mit gemeinsamer Grundstruktur. Sie werden nach Kontakt des Organismus mit einem Antigen von B-Lymphozyten bzw. Plasmazellen gebildet. Einteilung in 5 Immunglobulinklassen: IgG, IgM, IgA, IgD, IgE.

 

Thymusfaktoren

Sind Polypeptide (= Verbindungen aus Aminosäuren).

Sie stimulieren die Ausdifferenzierung von Thymozyten zu T-Lymphozyten. Diese Differenzierung erfolgt auf ihrem Weg von der Thymusrinde zum Thymusmark (s. o.).

 

 

 

Siehe auch:

Glossar – Bindegewebe (Retikulumzellen etc.), Keimblätter, Leukozyten, Makrophagen, Zellorganellen; Zum Nachdenken – Lymphatisches System

Zum Thema Immunglobuline:

Glossar – Makrophagen; Zum Nachdenken – Blutgruppen (... und Kohlenhydrate)

 

Und zum Weiterlesen, Nachdenken, ‚Querdenken’  ...

 

„Man klassifiziert die Zellstrukturen und Gewebe anhand des Färbeverhaltens durch die Farbstoffe in basophile, azidophile und neutrophile Strukturen. ...

  • Basophile Strukturen sind etwa der Zellkern, die Ribosomen und das rauhe endoplasmatische Retikulum ... Ein basischer Farbstoff ist chemisch gesehen ein Stoff, der Anionen abspalten oder Kationen aufnehmen kann. ...
  • Azidophile Strukturen sind etwa das Zytoplasma, kollagene Fasern [ ]diese sind basisch und färben sich daher mit sauren Farbstoffen ...“

[Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Histologie]

  • „Der pH-Wert des Cytoplasmas [Zytoplasmas] beträgt meist etwa Sieben.“

[Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Cytoplasma]

  • Granula sind unter dem Mikroskop deutlich sichtbare, körnchenförmige Einlagerungen in biologischen Zellen, die meist Speicher- oder Sekretstoffe enthalten ...“

[Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Granula]

-> Und siehe auch: en.wikipedia.org/wiki/Granule_(cell_biology) etc.

 

Und siehe dazu auch:

Glossar – Blutgerinnung (Thrombozyten etc.), Puffersysteme, Zellorganellen

 

 

ANHANG - Knorpel ...

 

Knorpel ist druckfestes Stützgewebe und besteht aus wasserreichen Chondrozyten und Interzellularsubstanz. Es gibt verschiedene Formen: Die Ohrtrompete z. B. besteht aus elastischem Knorpel.

 

Je nach Knorpelart besteht Knorpel aus kollagenen oder elastischen Fasern und aus Proteoglykanen.

.

.

Chondrozyten

In Höhlen der Interzellularsubstanz des Knorpels eingelagerte Knorpelzellen. Sie sind reich an:

 

- Granulärem endoplasmatischem Retikulum (ER)

- Glykogen (Kurzzeit-Speicherform der Glukose)

- Fetttropfen

 

Interzellularsubstanz

Knochenmatrix; extrazelluläre Matrix:

Struktur, die den Zwischenraum zwischen Zellen ausfüllt.

 

Bestandteile:

- Strukturproteine (v. a. Kollagen, Elastin, Laminin)

- Zelladhäsionsmoleküle

- Grundsubstanz (aus Polysacchariden und Proteoglykanen)

 

Proteoglykane

Sind sehr große Moleküle aus Kohlenhydraten.

Sie sind wichtigster Bestandteil der ‚extrazellulären Matrix’ (Adhäsion von Zellen).

 

Sie sind stark negativ geladen, binden dadurch sehr viel Wasser und wirken ‚raumfüllend’ - als Grundsubstanz in Knorpel, Sehnen und Gelenken.

 

Zu den Proteoglykanen zählen u. a.:

 

Chondroitinsulfate – Vorkommen:

  • Bindegewebe (z. B. Nabelschnur, Haut, Sehnen, Arterienwände)

Keratansulfat – Vorkommen:

  • Knorpel, Cornea (Hornhaut des Auges), Anulus fibrosus*, Nucleus pulposus*

[* Definitionen lt. Pschyrembel ...

Anulus fibrosus:

1. Faserknorpelring um den Nucleus pulposus der Bandscheibe.

2. Bindegewebiger Faserring um die Herzostien, an denen die Segelklappen des Herzens entspringen.

 

Nucleus pulposus:

Innerster, strukturloser Gallertkern einer Bandscheibe; er besteht aus Resten der ‚Chorda dorsalis’ (= sog. ‚Rückensaite’).

-> Siehe dazu: de.wikipedia.org/wiki/Chorda_dorsalis]

 

Hyaluronsäure – Vorkommen:

  • Synovialflüssigkeit (‚Gelenkschmiere’), Glaskörper des Auges, Nabelschnur, Haut, Knochen, extrazelluläre Matrix
  • Zur Erinnerung: Insulinmangel und Kortikoide [Cortisol, Cortison!] hemmen die Biosynthese!

Heparansulfat

Dermatansulfat – syn. Chondroitinsulfat; s. o.

 

[Sulfate = Salze der Schwefelsäure.

Sulfatide = Schwefelsäureester der Cerebroside; Vorkommen v. a. in der Substantia alba des Gehirns.]

 

 

 

Siehe dazu:

Essen & Co. – Fette, ‚Wasser-Vitamine’ (Cerebroside), Biosynthese von Sphingosin

Wunderwerk Gehirn – Cornea, Substantia alba

Glossar – Bindegewebe, Strukturen (Zelladhäsionsmoleküle etc.), Zellorganellen (ER)

Zum Nachdenken – Terminale Zucker (Proteoglykane)

Gedankensplitter – Bulbus olfactorius

 

 

Und zum Nachdenken ...

Als Geschmacksaura bezeichnet man eine – meist unangenehme – Geschmackswahrnehmung, die einen epileptischen Anfall (komplex-partieller Anfall) einleiten kann.

-> Siehe dazu auch: Fragen, Fragen, Fragen – Epilepsie, Hirnlokales Syndrom

 

 

Quellen und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch ‘Pschyrembel’ (1994, 2007)

Naturheilpraxis heute

 

- Bitte weiterlesen bei: Bulbus olfactorius ... und ZUNGE – ‚Seite 2’ -

 

 

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