- Bitte zuerst lesen: Gedankensplitter - Neuroleptika, Psychosen -

 

Zum Nachdenken, 'Querdenken' ...

 

Katatonie:

Psychischer Erkrankungszustand mit v. a. psychomotorischen Störungen ...

 

MÖGLICHE URSACHEN:

Katatone Schizophrenie, Infektionskrankheiten, Hirntumoren, Depressionen

 

FORMEN und SYMPTOME:

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Katatoner Sperrungszustand

  • Hemmung der Motorik
  • Zustand der Reglosigkeit bei wachem Bewusstein (Stupor*)
  • Negativität
  • Rigidität (Versteifung) der Muskulatur (gleichzeitige Aktivierung von Agonisten und Antagonisten)

* Stupor kann auch bei Epilepsie oder bei Vergiftungen (Intoxikationen) auftreten.

 

Katatoner Erregungszustand

Psychomotorische Erregung

 

Febrile bzw. perniziöse Katatonie

Extreme Steigerung der Katatonie mit:

Anstieg der Herzfrequenz (Tachykardie)

Stark erhöhter Körpertemperatur (lebensbedrohlich!)

 

Anmerkung:

Wärmezentren (Temperaturzentrum) liegen v. a. im vorderen Hypothalamus.

-> Siehe dazu: Hypothalamus etc.

 

Weitere Symptome ...

Stereotypien

 

Bewegungsstereotypien:

  • Sog. Beschäftigungsunruhe: Ständig wiederholte Bewegungen (Iterativbewegungen)
  • Hin- und Herwälzen des Kopfes oder des Körpers (Jaktation)

Sprachstereotypien:

  • Mehrfache unwillkürliche Wiederholungen von Silben, Wörtern oder Satzteilen (Palilalie)
  • Mechanische Wiederholung von Wörtern, Satzbruchstücken, Sätzen und unverständlichen sprachlichen Lautgebilden ohne Bindung an eine Stimmung oder kommunikative Bedeutung (Verbigeration)
  • Krankhaftes Wiederholen von Wort- oder Satzenden (Logoklonie)

Haltungsstereotypien:

  • Wachsartige Biegsamkeit der Extremitäten; z. B. werden vom Untersucher vorgegebene (oder selbst eingenommene) Körperstellungen unverändert beibehalten (sog. 'Flexibilitas cerea')

Manierismen

  • Verschrobene, verschnörkelte, posenhafte Art (Bewegungen, Handlungen, Gestik, Mimik oder Sprache)

Katalepsie

  • Verharren in einer bestimmten Körperhaltung mit der Unfähigkeit, sich spontan zu bewegen; der Muskeltonus ist dabei oft erhöht

Mutismus

  • Stummheit bzw. Nicht-Sprechen bei intaktem Sprachvermögen und intakten Sprechorganen

Mögliche Ursachen für Mutismus:

Depressives Syndrom

Akute Schreckstarre

Negativismus, Stupor (s. o.)

 

-> Siehe auch: Fragen, Fragen, Fragen – Schreckstarre

 

 

 

Die Symptome können tage- bis monatelang anhalten; auch ein schneller Wechsel vom Sperrungs- zum Erregungszustand ist möglich.

 

DD = ‚Differentialdiagnose’ ...

An was man – beim Auftreten einer Katatonie - auch denken sollte:

 

Malignes neuroleptisches Syndrom

Symptomenkomplex (u. U. lebensbedrohlich!) als schwere, unerwünschte Nebenwirkung von Neuroleptika.

SYMPTOME:

  • Rigor (Steifigkeit der Muskulatur; gleichzeitige Aktivierung von Agonisten und Antagonisten) und evtl. Myolyse (Muskelzelluntergang) der quergestreiften Skelett- und Herzmuskulatur (sog. ‚Rhabdomyolyse’) und akutes Nierenversagen
  • Stupor (Zustand der Reglosigkeit bei wachem Bewusstein)
  • Fieber
  • Kreislauf- und Bewusstseinsstörungen
  • Leukozytose (Vermehrung der Leukozyten* im Blut)

* Leukozyten = weiße Blutkörperchen (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten)

-> Siehe: Glossar -  Leukozyten

 

Akinetische* Krise bei Parkinson-Syndrom

Rasche Verschlechterung der Symptome bei Parkinson-Syndrom:

  • Bewegungsstarre
  • Schluckstörung (Dysphagie)
  • Vegetative Begleitsymptome

* Akinese = Bewegungslosigkeit, Bewegungsstarre

 

Zur Erinnerung - ANMERKUNGEN ...

 

Beim Parkinson-Syndrom kommt es zur Degeneration von dopaminergen Nervenzellen in der Substantia nigra. Durch die erhöhte Aktivität in der ‚stratopallidalen Schleife’ werden thalamofrontale Bahnen und thalamische Kerne vermehrt gehemmt.

 

['Stratopallidale Schleife' bezieht sich auf:

  • Corpus striatum = sog. ‚Streifenhügel’; Teil des extrapyramidalen Systems
  • Pallidum = Kerngebiet des extrapyramidalen Systems; wird durch das Corpus striatum kontrolliert

'Thalamofrontale Bahnen' bezieht sich auf:

  • Thalamus = sog. ‚Sehhügel’; größte graue Kernmasse des Zwischenhirns; ist auch Umschaltstation für Teile der Seh- und Hörbahn
  • Frontal = Frontalhirn (Stirnhirn), Frontallappen (Stirnlappen)]

-> Siehe auch: Hypothalamus ... und Thalamus; Wunderwerk Gehirn; Wunderwerk Mensch; Leitungsbahnen etc.; Fragen, Fragen, Fragen - Hirnlokales Syndrom

 

Und zum Nachdenken, 'Querdenken' ...

Ein häufiges ‚vegetatives Begleitsymptom’ beim Parkinson-Syndrom ist die Seborrhö, eine gesteigerte Talgproduktion der Talgdrüsen, bes. am behaarten Kopf, im Gesicht und im Bereich der vorderen und hinteren Schweißrinne (Brustbeingegend und Furche zwischen den Schulterblättern).

 

URSACHEN für eine Seborrhö ...

Idiopathisch (-> d. h., die Ursache ist unbekannt) oder erworben, z. B. bei:

  • Parkinson-Syndrom
  • Akromegalie (Vergrößerung der ‚Akren’*  nach dem Wachstumsalter durch Überproduktion von STH = Wachstumshormon)
  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • Phenylketonurie (vermehrte Bildlung von Phenylbrenztraubensäure)
  • Arzneitmittel (Anabolika, ACTH, Kortikosteroide)*

* Akren = Finger, Zehen, Hände, Füße, Nase, Kinn, Augenbrauen- und Jochbögen

 

* Anabolika = sog. ‚Dopingmittel’ (zum Muskelaufbau): Sie bewirken eine positive Stickstoffbilanz und beschleunigen Wachstumsprozesse.

EINTEILUNG der Anabolika:

  • Anabole Steroide, die sich von Androgenen (= männliche Sexualhormone) ableiten.
  • Aromatasehemmer (wirken als ‚Antiöstrogene’; unterbinden die Östrogenbiosynthese).
  • Betasympathomimetika (wirken auf Beta-Rezeptoren; führen zu einer Zunahme des Calciumeinstroms; Beta-1-Rezeptoren am Herzen, Beta-2-Rezeptoren an der ‚glatten Muskulatur’).

* ACTH = Corticotropin; wird im Hypophysenvorderlappen (HVL) synthetisiert, wirkt auf die Nebennierenrinde (NNR). Die Ausschüttung wird durch CRH (Corticotropin-releasing-Hormon aus dem Hypothalamus) gesteuert; ACTH unterliegt einem ‚zirkadianen Rhythmus’.

CRH stimuliert auch die Freisetzung von β-Endorphin.

 

Zur Erinnerung ...

Endorphine sind körpereigene, morphinähnliche Peptide mit starker schmerzstillender Wirkung.

Beta-Endorphin entsteht aus dem Vorläuferprotein Proopiomelanocortin:

Durch Endopeptidasen (= Hydrolasen, die Proteine und Peptide proteolytisch spalten) wird Proopiomelanocortin gespalten:

  • Im Hypophysenvorderlappen zu ACTH.
  • Im Hypophysenzwischenlappen zu Pro-MSH.

[MSH = Melanozyten-stimulierendes Hormon; steuert die Biosynthese der Melanine aus DOPA in den Melanozyten; Vorkommen von Melanozyten: In der Epidermis (Oberhaut), in Teilen des Auges und in der weichen Hirn- und Rückenmarkhaut (Leptomeninx).]

 

* Kortikosteroide = Steroidhormone, die in der Nebennierenrinde (NNR) aus Cholesterol (Cholesterin) gebildet werden: Mineralokortikoide, Glukokortikode (sog. Stresshormone), Sexualhormone (Östrogene, Progesteron, Testosteron, Gonadotropine [Glykoproteine; werden gebildet im Hypophysenvorderlappen und in der Plazenta: FSH, LH, HMG, HGG, Prolaktin] und Releasing-Hormone [aus dem Hypothalamus]).

 

-> Siehe dazu auch: Hypothalamus, Area preoptica, Hypophyse, Nebenniere; Dopamin & Co. – Die Stress-Reaktion (ACTH); Essen & Co. – Phenylalanin, Ergänzungen; Hormone & Co.; Glossar – Drüsen, Hautschichten, HVL-Hormone, Makrophagen (Akromegalie, STH); Gedankensplitter - Blutchimärismus

 

Demenz

Zunehmende degenerative Veränderungen des Gehirns mit dem Verlust kognitiver Fähigkeiten.

V. a. betroffen sind:

Gedächtnis, Denken, Urteilsfähigkeit, Intelligenz und Orientierung.

 

VORKOMMEN:

Im Kindesalter z. B. bei ...

  • Heller-Syndrom (syn. desintegrative Störung des Kindesalters; Dementia infantilis: Symptome zeigen sich nach dem 2. Lebensjahr nach zunächst normaler Entwicklung)
  • Gaucher-Krankheit (syn. Cerebrosidlipidose; Symptome sind u. a. eine geistige Retardierung und Krampfanfälle)
  • Unbehandelter Phenylketonurie
  • Metachromatischer Leukodystrophie
  • Gangliosidose GM1
  • Neuroaxonaler Dystrophie (syn. Hallervorden-Spatz-Erkrankung): Eisen- und Kupferablagerung, v. a. im Pallidum und in der Substantia nigra
  • Epilepsie
  • Progressiver Rötelnpanenzephalitis
  • Psychosozialer Deprivation (unzureichende körperliche und affektive Zuwendung; zur sog. ‚Deprivationstrias’ gehören: Angst, Aggressivität und Kontaktschwäche)

Im Erwachsenenalter z. B. bei ...

  • Alzheimer-Krankheit
  • Pick-Krankheit (progressive Hirnatrophie [‚Hirnschrumpfung’]; beginnt meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr)
  • Chorea Huntington (zunehmender Neuronenverlust in den Basalganglien – v. a. im Corpus striatum – und im Cortex)
  • Marchiafava-Bignami-Krankheit (syn. progressive alkoholische Demenz; Corpus-callosum-Demyelinisierung)
  • Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom (Multisystemdegeneration des ZNS mit Nervenzellverlust und Gliose, u. a. in den Basalganglien, in der Substantia nigra und Substantia grisea centralis und im Colliculus superior [-> Sehbahn]; das sog. ‚Kardinalsymptom’ ist hier eine ‚vertikale Blicklähmung* nach unten’)
  • Parkinson-Syndrom
  • Friedreich-Ataxie
  • Multipler Sklerose (primär entzündliche Erkrankung des ZNS mit herdförmiger Entmarkung und Schädigung von Axonen)
  • Creutzfeld-Jakob-Krankheit (veraltet: Pseudosklerose; spongiforme Enzephalopathie: Status spongiosus der Substantia grisea, Untergang von Neuronen [Nervenzellen mit all ihren Fortsätzen]; Astrogliose [Gliose von Astrozyten; s. Gliazellen] v. a. des zerebralen Cortex)
  • HIV-Erkrankung (HIV-assoziierte Demenz, AIDS-Demenz; Enzephalopathie mit fortschreitenden kognitiven oder motorischen Störungen)
  • Chronischer Intoxikation (Vergiftung)

* Blicklähmung = Beeinträchtigung oder Verlangsamung konjugierter ('verbundener') Augenbewegungen. URSACHE: Eine Schädigung 'supranukleärer Strukturen' - durch Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder Tumoren.

 

Einteilung ‚konjugierte Blicklähmung’:

- Horizontale Blicklähmung bei gleichseitiger Schädigung der Brücke (Pons).

- Vertikale Blicklähmung bei einer Schädigung oder Verletzung (Läsion) des Mittelhirns.

 

Einteilung ‚diskonjungierte Blicklähmung’:

  • Konvergenzlähmung: Störung der Augenbewegungen beim Nahsehen (Ungleichgewicht zwischen Akkomodation und Konvergenz) und rasche Ermüdung.

  • Divergenzlähmung: Beim Blick in die Ferne stehen die Augen nicht parallel, sondern konvergent – es entstehen Doppelbilder. Vorkommen z. B. bei Hirnstammsyndromen.

[Definition Konvergenz:

- Konvergenz der Augachsen (motorische Einwärtsbewegung beider Augen beim Betrachten eines Objektes in der Nähe; nahpunktbezogene Akkomodation; Verengung der Pupillen).

- Konvergenz von Nervenzellen (Verschaltungsprinzip, z. B. in der Retina).]

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn - Retina etc.; Hirnnerven; Nuclei (Nucleus suprachiasmaticus); Gedankensplitter - 'Layer to layer'

 

Eine wichtige DD (Differentialdiagnose) bei Demenz ist die Depression:

Sog. ‚Pseudodemenz’.

 

Siehe dazu auch:

Hypothalamus und Thalamus (Chorea etc.)

Essen & Co. – Biosynthese von Sphingosin; Zum Nachdenken – Apraxie (Gaucher-Krankheit)

Essen & Co. – Phenylalanin etc. (Phenylketonurie)

Essen & Co. – Biosynthese von Sphingosin (Metachromatische Leukodystrophie)

Essen & Co. – Biosynthese von Sphingosin (Gangliosidosen)

Essen & Co. – Ergänzungen (Eisen, Kupfer)

Essen & Co. – ‚Wasser-Vitamine’ (Myelin etc.)

Wunderwerk Gehirn –

Mittelhirn (Colliculi superiores), Kommissurenbahnen (Corpus callosum), Pallidum, Retina, Substantia grisea, nigra

Fragen, Fragen, Fragen – Epilepsie, Hirnlokales Syndrom

Glossar –

Balkenmangel (Balken = Corpus callosum), Basalganglien, Enzephalopathie, GHB (Alkohol etc.), Nervenzellen (Axone, Myelinscheide etc.), Gliazellen

Zum Nachdenken – Rautengrube (Friedreich-Ataxie)

Gedankensplitter – ‘Layer to layer’

 

Stottern

Sprechstörung mit Störung des Redeflusses.

URSACHEN:

  • Stottern in der Kindheit – mit unbekannter Ursache: Es zeigt sich meist vor dem 4. Lebensjahr, z. B. in Belastungssituationen oder bei verzögerter Sprachentwicklung.
  • Erworbenes Stottern als neurogenes (-> von den Nerven ausgehendes) oder psychogenes (-> psychisch bedingtes) Stottern.

Aphasie

Zentrale Sprachstörung nach – weitgehend – abgeschlossener Sprachentwicklung, z. B. bei

einer Schädigung der Sprachregion (meist der linken Hemisphäre), einem Schädelhirntrauma oder bei Enzephalopathie (= nichtentzündliche diffuse Erkrankung oder Schädigung des Gehirns).

 

-> Siehe auch: Zum Nachdenken – Aphasie; Glossar - Enzephalopathie

 

Katalepsie

Anhaltendes Verharren in einer bestimmten Körperhaltung, meist mit erhöhtem Muskeltonus;

Vorkommen z. B. als postenzephalitisches Syndrom, bei Katatonie oder nach einem Schädelhirntrauma.

 

-> Siehe dazu auch: Essen & Co. – Liquor etc.; Lernprobleme - ... zum Weiterlesen (Traumatische Gehirnverletzungen); Glossar - Enzephalopathie

 

DD bei Jaktation (Hin- und Herwälzen des Kopfes oder des Körpers):

Gilles-de-la-Tourette (Tourette-Syndrom)

Plötzliche ticartige Zuckungen (motorische Automatismen), z. B.:

  • Augenzwinkern, Mundverzerren, Zungenschnalzen
  • Ruckartige Kopfdrehungen
  • Schulterbewegungen
  • Ausstoßen von Schreien
  • Echopraxie (Nachahmen von Bewegungen anderer Personen)
  • Koprolalie (zwanghafter Gebrauch vulgärer Ausdrücke)

-> Siehe dazu auch: Hypothalamus und Thalamus (Chorea etc.); Lernprobleme - ... zum Weiterlesen (Tourette-Syndrom); Glossar – Chorea, Tics, Tourette-Syndrom

 

Und siehe auch:

Zum Nachdenken – Myotonie, Sprache und Autismus

 

[Quelle: Pschyrembel]

 

 

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