Pyramidenzellen – Definition, Vorkommen ... 

.

.

Übersicht

Definition ‚Pyramidenzelle’

Pyramidenbahn

Dendritic spines, GABA und Glutamat

 

Vorkommen von Pyramidenzellen:

  • Präfrontaler Cortex
  • Hippocampus
  • Entorhinaler Cortex
  • Olfaktorischer Cortex

 

 

Pyramidenzellen sind große pyramidenförmige, mit vielen Fortsätzen versehene Nervenzellen in der Pyramidenzellschicht der Großhirnrinde. Ihre Axone bilden die Pyramidenbahn.

 

Zur Erinnerung ...

.

.

Nervenzellfortsätze

Eine Nervenzelle besitzt:

Einen oder mehrere Dendriten

= Zytoplasmafortsatz mit zuführender Erregungsleitung.

 

Ein Axon

= zylindrischer Fortsatz; leitet Nervenimpulse zu anderen Zellen weiter; bildet zusammen mit der Schwann-Scheide* die Nervenfaser.

 

* Schwann-Scheide = Myelinscheide der 'peripheren Nervenfaser'.

 

Die meisten Nervenzellen haben mehrere Dendriten (= zuführende Fortsätze), aber nur ein Axon (= wegführender Fortsatz).

 

-> Siehe dazu: Glossar - Nervenzellen und Nervenzellfortsätze

 

Großhirnrinde

‚Graue Substanz’ (Substantia grisea) an den Großhirnhemisphären des Gehirns.

 

- Bitte weiterlesen bei: Großhirnrinde –

 

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn – Rindenarchitektonik

 

Pyramidenbahn

Zur Pyramidenbahn gehören alle ‚absteigenden’ Leitungsbahnen, die in der Großhirnrinde entspringen und zu den motorischen Kernen der Hirnnerven oder zu den Vorderhornzellen des Rückenmarks ziehen. Sie ist eine der wichtigsten Leitungsbahnen:

  • Sie leitet die willkürlichen (‚beabsichtigten’) Bewegungsimpulse für die Körpermuskulatur.
  • Sie wirkt hemmend auf die Regulation des Muskeltonus (‚Spannungszustand’) und auf das Zustandekommen der Muskeleigenreflexe.

Verlauf:

  • Ursprung v. a. im Gyrus praecentralis (= vordere Zentralwindung; motorisches Rindenfeld)
  • Fasern ziehen durch die ‚innere Kapsel’ (Capsula interna), die Hirnschenkel und die Brücke zur Medulla oblongata; dort kreuzen ca. 80 – 90 % aller Fasern auf die andere Seite.
  • Diese bilden die Pyramidenseitenstrangbahn.
  • Die ungekreutzt bleibenden Fasern bilden die Pyramidenvorderstrangbahn und kreuzen erst im jeweiligen Segment zur Gegenseite.
  • Beide Bahnen endigen an den Vorderhornzellen an den Alphamotoneuronen – direkt oder über Interneurone.

Unterstützt wird die Pyramidenbahn dabei auch durch ‚extrapyramidale Bahnen’. Ihre Ausgangspunkte (Nucleus ruber, Nucleus reticularis tegmenti, Deiters-Kern) haben Verbindungen zur motorischen Großhirnrinde. [Pschyrembel 1994]

 

-> Siehe auch: Leitungsbahnen; Zum Nachdenken – Projektionsbahnen, Rautengrube etc.

 

 

 

Dendritic spines

 

‚Dendritic spines’ sind Verzweigungen zwischen Nervenzellen. Sie erhalten die meisten der exzitatorischen (= ‚erregenden’) Impulse, die Pyramidenzellen erreichen („enter a pyramidal cell“).

  • Pyramidal neurons use glutamate as their excitatory neurotransmitter, and GABA as their inhibitory neurotransmitter.”

[Quelle und zum Weiterlesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Pyramidal_cell]

 

 

Zur Erinnerung ...

 

Auch Purkinje-Zellen in der mittleren Schicht der Kleinhirnrinde (Stratum ganglionare) bestehen aus vielen ‚dendritic spines’.

  • Ihre Dendriten (= Zytoplasmafortsatz mit zuführender/afferenter Erregungsleitung enden im ‚Stratum moleculare’.
  • Ihre Axone (= zylindrischer Fortsatz, der Nervenimpulse zu anderen Zellen weiterleitet) verlassen als einzige herausführende/efferente Fasern die Kleinhirnrinde.
  • Sie wirken inhibitorisch (= hemmend) auf Nervenkerne des Cerebellums (Kleinhirn).
  • Sie erhalten Impulse von Kletterfasern und Korbzellen.

.

.

Nervenkerne des Kleinhirns

Vier paarige zentrale ‚graue Kerne’ im Kleinhirnmark:

- Nucleus dentatus (lateral)

- Nucleus emboliformis (lateral)

- Nucleus globosus (medial des Nucleus dentatus)

- Nucleus fastigii (medial)

 

In den Kleinhirnkernen werden v. a. efferente (‚wegführende’ ...) Bahnen umgeschaltet.

 

Das Kleinhirn ist über drei paarige Kleinhirnstiele durch ‚auf- und absteigende’ Bahnen (afferent und efferent ...) verbunden mit:

  • Großhirn
  • Zwischenhirn (= Diencephalon mit u. a. Hypophyse, Hypothalamus und Epiphyse)
  • Hirnstamm (mit Medulla oblongata, Brücke [Pons] und Mittelhirn [Mesencephalon]
  • Vestibularissystem
  • Rückenmark

Zur Erinnerung ...

Die 'oberen und unteren Kleinhirnstiele' enthalten jeweils auf- und absteigende Bahnen; die MITTLEREN Kleinhirnstiele aber NUR 'afferente' (aufsteigende, zuführende) Fasern; sie verbinden das Kleinhirn mit der Brücke (= Pons).

 

[Der I. Hirnnverv (Nervus olfactorius, Riechnerv) zieht ins Großhirn.

Der II. Hirnnerv (Nervus opticus, Sehnerv) zieht ins Zwischenhirn.]

 

Die Kleinhirnrinde besteht aus drei Schichten und umhüllt die ‚weiße Substanz’ im Innern (Corpus medullare cerebelli = ‚Marklager’ mit den Markblättern [Laminae albae bzw. ‚Arbor vitae’]).

 

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn; Leitungsbahnen; Hirnnerven

 

Kletterfasern

Sind zuführende/afferente Fasern aus Nervenzellen der unteren Olive in der Medulla oblongata - aus der jeweils ‚entgegengesetzten’ (kontralateralen) unteren Olive.

 

Zur Erinnerung ...

Die Olive ist die olivenförmige Vorwölbung im oberen Bereich der Medulla oblongata (= verlängertes Mark), die u. a. durch den Nucleus olivaris entsteht; dieser hat Verbindungen zum Kleinhirn und zum Rückenmark.

 

Kletterfasern „klettern“ an den Dendriten (-> zuführend) der Purkinje-Zellen der Kleinhirnrinde aufwärts und bilden exzitatorische (erregende) synaptische Verbindungen.

 

... Glutamat – exzitatorisch ...

 

Korbzellen

Sind multipolare (= mit vielen Fortsätzen versehene) Nervenzellen in der Kleinhirnrinde.

Ihre Axone (-> wegführend) verlaufen parallel zur Oberfläche, die Kollateralen umfassen die Purkinje-Zellen der Kleinhirnrinde ‚korbartig’.

 

Exkurs ...

Korbzellen nennt man auch die an den Endstücken der Speicheldrüsen (= Mund[speichel]drüsen und Bauchspeicheldrüse) verzweigten  Myoepithelzellen.

Myoepithelzellen sind vom Epithel abstammende glatte Muskelzellen an den Endstücken von Schweiß-, Tränen- und Speicheldrüsen; durch ihre Kontraktion (Zusammenziehen) wird die Abgabe des jeweiligen Sekrets gefördert).

 

Zur Erinnerung ...

  • Epithelgewebe bedeckt innere oder äußere Körperoberflächen. Aufgabe: Schutz, Stoffaustausch, Reizaufnahme.
  • Glatte Muskulatur arbeitet weitgehend unabhängig von unserem Willen und Bewusstsein. Vorkommen: In der Wand innerer Hohlorgane (z. B. Magen, Darm, Harnblase) und der Blutgefäße.

-> Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Myoepithelzelle;

Glossar – Drüsen, Myoepithelien und Oxytocin

 

Schichten der Kleinhirnrinde

Stratum moleculare (Molekularschicht) mit:

Sternzellen (GABAerg, inhibitorisch)

Korbzellen (GABAerg, inhibitorisch)

 

Stratum purkinjense (Purkinjezellschicht) mit:

Purkinjezellen (GABAerg, inhibitorisch)

 

Stratum granulosum (Körnerschicht) mit:

Körnerzellen (Glutamaterg, erregend)

Golgizellen (GABAerg, inhibitorisch)

 

[Quelle und zum Weiterlesen: de.wikipedia.org/wiki/Kleinhirn]

 

 

 

-> Siehe auch: Vestibularapparat oder Kleinhirn; Glossar – GABA, GHB etc.

 

Und zum Weiterlesen:

de.wikipedia.org/wiki/Kleinhirn

en.wikipedia.org/wiki/Cerebellum

 

Und zum Nachdenken, ‘Querdenken’:

Reelin ...

 

„In the developing cerebellum, reelin is expressed first in the external granule cell layer (EGL), before the granule cell migration to the internal granule cell layer (IGL) takes place.”

[Quelle und zum Weiterlesen:http://en.wikipedia.org/wiki/Reelin]

 

- S. a.: Körnerschicht (Definitionen) und Hippocampus -

 

 

VORKOMMEN VON PYRAMIDENZELLEN:

.

.

Präfrontaler Cortex

 

Teil des Frontallappens (Stirnlappen); dieser ist wichtig für die sog. ‚exekutiven Funktionen’.

 

[Der Frontallappen enthält das Broca-Sprachzentrum (motorisch) und Assoziationsareale.]

 

Hippocampus

 

Gehört zum Archicortex der Großhirnrinde und ist Teil des ‚Limbischen Systems’.

Er liegt im Parietallappen (Scheitellappen) an der medialen Wand des Unterhorns des Seitenventrikels (= 1. und 2. Hirnventrikel).

 

[Der Parietallappen enthält das Lesezentrum und ist wichtig für die Wahrnehmung von Tast-, Druck-, Schmerz- und Temperaturreizen.]

 

Der Hippocampus verläuft ...

  • ... aus dem Archicortex bis zum Balken (= Corpus callosum; die vordere Balkenzwinge verbindet die Frontallappen, die hintere die Hinterhauptlappen [Okzipitallappen]; die Hinterhauptlappen enthalten das Sehzentrum und das visuelle Assoziationsgebiet);
  • ... von dort weiter als Alveus hippocampi (= weiße Substanz [Substantia alba; Marksubstanz aus markhaltigen Nervenfasern] mit v. a. herausführenden [efferenten] Fasern) und Fimbria hippocampi ins Hirngewölbe (= Fornix).

Die Vereinigung beider Schenkel des Fornix (Corpus fornicis) ist mit der Unterseite des Corpus callosum verschmolzen und bedeckt den 3. Hirnventrikel.

 

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn – Hirnventrikel, Substantia alba; Limbisches System

 

Drei Schichten des Hippocampus enthalten Pyramidenzellen:

CA1, CA2, CA3

 

In jeder dieser Schichten haben die Pyramidenzellen unterschiedliche Eigenschaften.

 

- Bitte weiterlesen bei: Hippocampus -

 

Entorhinaler Cortex

 

Liegt im medialen Teil des Temporallappens (Schläfenlappen).

 

[Der Temporallappen enthält das Hörzentrum und das Wernicke-Zentrum für die Spracherkennung.

Der Mandelkern (= Amygdala, Corpus amygdaloideum) liegt an der Innenseite des Temporallappens, an der Spitze des Unterhorns des Seitenventrikels (= 1. und 2. Hirnventrikel in den Großhirnhemisphären). Der Mandelkern gehört zum ‚Limbischen System’.]

 

-> Siehe auch: Wunderwerk Gehirn – Hirnventrikel; Glossar - Limbisches System

 

Olfaktorischer Cortex

 

Die Neuriten (Axone) der Riechzellen verlaufen als Nervus olfactorius (I. Hirnnerv) zu den Mitralzellen im Riechkolben (= Bulbus olfactorius) und über die Axone des TRACTUS OLFACTORIUS zum ‚olfaktorischen Cortex’.

 

Zum ‚olfaktorischen Cortex’ gehören:

  • Area subcallosa (an der medialen Stirnhirnoberfläche vor dem Knie des Corpus callosum)
  • Amygdala (medialer Teil)

-> Siehe auch: Glossar – Limbisches System

 

 

 

Weitere ‚Projektionen’ verlaufen zur seitlichen Basis (basolateraler Teil) der Amygdala, zum Gyrus parahippocampalis und zu weiteren Teilen des ‚Limbischen Systems’.

 

Zur Erinnerung ...

.

.

Area subcallosa

Liegt an der medialen Stirnhirnoberfläche.

Gehört zum Archicortex:

  • Der Archicortex besteht aus nur 3 Schichten ...

- Bitte dazu weiterlesen bei: Großhirnrinde –

 

Amygdala

(Corpus amygdaloideum,

Mandelkern)

Liegt an der Innenseite des Temporallappens an der Spitze des Unterhorns des Seitenventrikels (1. und 2. Hirnventrikel in den Großhirnhemisphären).

 

Gyrus parahippocampalis

Liegt an der Basalfläche des Temporallappens.

 

„Es gibt Hinweise, dass dieser Bereich des Gehirns an der Erkennung sowohl sozialer Zusammenhänge als auch den Inhalten verbaler Kommunikation beteiligt ist.“

[Quelle und zum Weiterlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gyrus_parahippocampalis]

 

 

 

- Bitte weiterlesen bei: Bulbus olfactorius –

 

 

Und zum Weiterlesen bei Wikipedia:

en.wikipedia.org/wiki/Pyramidal_cell

de.wikipedia.org/wiki/Exekutive_Funktionen

en.wikipedia.org/wiki/Entorhinal_cortex

de.wikipedia.org/wiki/Amygdala

 

Und siehe auch:

Wunderwerk Gehirn

Hirnnerven

Wunderwerk Mensch – Riechbahn

Glossar – Fossa cranii, Limbisches System (Bahnen des olfaktorischen Systems etc.)

 

 

Quelle und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’

 

 

Zum Seitenanfang
Monika Hildenbrand, Raitweg 9, 72770 Reutlingen
Webseitenerstellung und Hosting by VKNet, Reutlingen