Hirnsinus - Sinus durae matris

 

EINFÜHRUNG ...

 

HIRNSINUS sind starrwandige, klappenlose venöse Blutleiter zwischen den beiden Blättern der ‚harten Hirnhaut’ (= Dura mater cranialis; ‚Schutzkapsel des Gehirns’).

 

Sie ‚sammeln’ das venöse Blut aus:

  • Gehirn und den Hirnhäuten.
  • Zum Teil auch aus Knochen des Schädeldachs, der Augenhöhle und des Innenohrs.

Der Hauptabfluss aus diesen Sinus erfolgt über die VENA JUGULARIS INTERNA (= innere Drosselvene):

Sie sammelt das venöse Blut aus Schädelhöhle, Gehirn, Gesicht, Rachen, Zunge, Kehlkopf und Schilddrüse.

.

Arterielle Versorgung des Gehirns

(Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr)

Venöser Abfluss

 

- An der Hirnbasis. -

 

Linke und rechte Kopfschlagader:

ARTERIA CAROTIS INTERNA

  • Äste zur HYPOPHYSE und zu den Augen

Endäste:

 

Vordere und mittlere Großhirnarterie:

ARTERIA CEREBRI ANTERIOR und MEDIA

  • versorgen die vorderen und mittleren Hirngebiete

ARTERIAE VERTEBRALES

  • versorgen die hinteren Hirnareale und die Hirnbasis
  • Äste zum Rückenmark; treten durch das ‚Foramen magnum’* ein in den Schädelraum; sie vereinigen sich an der Hirnbasis zur Schädelbasisarterie:

ARTERIA BASILARIS

  • gibt mehrere Äste ab zum Kleinhirn (Cerebellum)
  • teilt sich dann auf in die hinteren Großschlagadern:

ARTERIAE CEREBRI POSTERIORES

Versorgungsgebiet:

  • Hinterhauptlappen
  • Schläfenlappen (basale und mediale Fläche)

 

- V. a. im Bereich der Hirnoberfläche. –

 

Verlauf:

  • Aus den Kapillaren des Gehirns durch die ‚weiche Hirnhaut’* in die SINUS
  • Aus den SINUS unter der Schädeldecke bzw. an den Rändern der Großhirnsicheln (Falx cerebri) zur rechten und linken

VENA JUGULARIS INTERNA

[Ursprung im Sinus sigmoideus, Sinus petrosus inf.]

  • sie verläuft neben der Halsschlagader zum Brustraum
  • vereinigt sich mit der VENA SUBCLAVIA zur

VENA BRACHIOCEPHALICA

  • rechte und linke Vena brachiocephalica verbinden sich zur ‚oberen Hohlvene’ –

VENA CAVA SUPERIOR

 

- Sie mündet in den rechten Vorhof des Herzens ...

 

... von dort fließt das Blut weiter (über die rechte Herzkammer) in die Lunge, wird mit Sauerstoff angereichert und über die Lungenvenen zum linken Vorhof des Herzens transportiert

... zur linken Kammer

... in die Aorta (Körperschlagader) ...

 

 

 

 

* Foramen magnum: S. u.

 

* Weiche Hirnhaut = Leptomeninx; besteht aus:

- Arachnoidea (‚Spinnwebenhaut’; bindegewebige Membran)

- Pia mater (Teil der weichen Hirnhaut mit Gefäßen)

 

 

Ein ganz besonderer ‚Kreislauf’ im Gehirn ...

 

Es gibt im Gehirn ein ‚Sicherheitssystem’, damit eine Unterbrechung der Durchblutung in einem der o. g. Gefäße nicht zum Absterben von Hirngewebe führt:

 

Den CIRCULUS ARTERIOSUS WILLISII (Circulus arteriosus cerebri)

 

Er verbindet über Verbindungsäste die paarigen Arterien zu einem ‚Gefäßring’.

In diesem Bereich liegen z. B. auch die Hirnnerven:

NERVUS OCULOMOTORIUS (III. Hirnnerv)

NERVUS ABDUCENS (VI. Hirnnerv)

.

Die hintere Verbindungsarterie

(A. communicans posterior) verbindet:

 

Die vordere Verbindungsarterie

(A. communicans anterior) verbindet:

 

- Arteria cerebri MEDIA - Hauptast der Arteria carotis interna mit

 

- Arteria cerebri POSTERIOR - stärkstes Gefäß aus dem Vertrebralisgebiet

 

ARTERIA CEREBRI MEDIA

Versorgungsgebiet:

  • Insel
  • Stirn-, Scheitel- und Schläfenlappen (laterale Fläche)
  • Schläfenpol

ARTERIA CEREBRI POSTERIOR

Versorgungsgebiet:

  • Hinterhauptlappen
  • Schläfenlappen (basale und mediale Fläche)

Einer ihrer Äste ist der:

- R. choroideus

 

Beide Aa. cerebri ANTERIOR

 

Versorgungsgebiet:

- Corpus callosum (Balken)

- Stirn- und Scheitellappen (mediale Teile)

- Thalamus

- Corpus striatum (Striatum)

 

 

 

 

Zur Erinnerung ...

 

ARTERIA CAROTIS INTERNA

 

- Verläuft durch den SINUS CAVERNOSUS. –

 

Ursprung:

Arteria carotis communis (gemeinsame Halsschlagader; diese versorgt Teile des Halses und den Kopf)

 

Abschnitte und Äste der ARTERIA CAROTIS INTERNA:

.

Abschnitt

Lokalisation

Äste und ihr Versorgungsgebiet:

 

PARS CERVICALIS

Spatium lateropharyngeum:

Bindegeweberaum hinter dem und seitlich des Rachens

- Ohne Äste. -

PARS PETROSA

 

Canalis caroticus des Os temporale (Schläfenbein)

Aa. caroticotympanicae:

Paukenhöhle (mit den Gehörknöchelchen*)

 

A. canalis pterygoidei:

Tuba auditiva* (Ohrtrompete; Funktion: Luft- und Druckausgleich zwischen Paukenhöhle und Außenluft)

Paukenhöhle (mit den Gehörknöchelchen*)

Rachen

 

PARS CAVERNOSA

 

Sinus cavernosus (s. u.)

R. basalis tentorii

R. marginalis tentorii

R. meningeus

R. sinus cavernosi

A. hypophysialis inferior

Rr. ganglionares trigeminales

Rr. nervorum

 

PARS CEREBRALIS

 

... neben dem Processus clinoideus (Knochenzacken des Keilbeins beidseits der Hypophysengrube bzw. an deren Vorder- und Rückwand) bis zur Aufteilung in ARTERIA CEREBRI ANTERIOR und MEDIA (s. o.)

 

* Keilbein = Os sphenoidale

 

A. ophtalmica

A. hypophysialis superior

A. communicans posterior

A. choroidea anterior

A. uncalis

Rr. clivales

R. meningeus

 

 

 

* Die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) im Mittelohr wandelt die Luftschwingung, die auf dem Trommelfell auftritt, um in Knochenschwingung; sie dämpft starke Trommelfellschwingungen, damit das Innenohr (... mit dem Gehör- und Gleichgewichtsorgan ...) nicht durch extreme Vibration oder Lärm geschädigt wird.

Für die ‚Feineinstellung der Gehörknöchelchenkette’ zuständig ist der MUSCULUS STAPEDIUS; er wird versorgt vom NERVUS FACIALIS (VII. Hirnnerv) bzw. dem NERVUS STAPEDIUS in der Hinterwand der Paukenhöhle.

-> Siehe auch: Wunderwerk Mensch - Hörbahn; Stapedius-Reflex

 

* Tuba auditiva (Ohrtrompete). Ihre Funktion:

Luft- und Druckausgleich zwischen Paukenhöhle und Außenluft

 

Die ARTERIA CAROTIS INTERNA versorgt also:

  • Paukenhöhle (Teil des Mittelohrs mit den Gehörknöchelchen)
  • Hirnhaut
  • Ganglion trigeminale (‚Nervenknoten’ des sensorischen Anteils des NERVUS TRIGEMINUS (s. u.)
  • Hypophyse
  • Augenhöhle einschl. Bulbus (Augapfel)
  • Teile des Gehirns
  • vordere Teile der Nasenhöhle
  • Stirn

 

INSEL = Teil der Großhirnrinde

Wird von den umgebenden Teilen des Stirn-, Schläfen- und Scheitellappens verdeckt.

 

Hinterhauptlappen = Occipitallappen

Enthält das Sehzentrum und das visuelle Assoziationsgebiet.

 

Schläfenlappen = Temporallappen

Enthält das Hörzentrum und das Wernicke-Zentrum für die Spracherkennung.

 

Stirnlappen = Frontallappen

Enthält Assoziationsareale und das Broca-Sprachzentrum (motorisch).

 

Scheitellappen = Parietallappen

Enthält das Lesezentrum und ist wichtig für die Wahrnehmung von Tast-, Druck- Schmerz- und Temperaturreizen.

 

CORPUS CALLOSUM = Balken

Verbindet beide Großhirnhemisphären, enthält Kommissurenbahnen (= Nervenbahnen in der ‚weißen Substanz’ – Substantia alba; sie verbinden identische Stellen beider Gehirnhälften).

 

KOMMISSURENBAHNEN sind auch enthalten in:

.

COMMISSURA ANTERIOR

 

COMMISSURA POSTERIOR

Weiße Substanz zwischen rechter und linker Großhirnhemisphäre in der Vorderwand des 3. Ventrikels.

Brücke weißer Substanz zwischen der Epiphyse und der oberen Mündung des ‚Aqueductus mesencephali’ (= Verbindung zwischen 3. und 4. Hirnventrikel)

 

 

 

THALAMUS

Größte ‘graue’ Kernmasse des Zwischenhirns (Diencephalon).

Steht über ‚Fasersysteme’ in Verbindung mit:

 

- Großhirnrinde

- Extrapyramidalem System

- Kleinhirn

- Rückenmark

 

Er ist Umschaltstation u. a. für Teile der Seh- und Hörbahn.

Er koordiniert Berührungs-, Schmerz-, Temperaturempfindungen; Geschmacks-, Eingeweide- und Gleichgewichtsempfindungen.

Er ist beteiligt bei Abwehr- und Fluchtreflexen und Schmerzäußerungen.

 

STRIATUM (Corpus striatum)

Teil des ‚extrapyramidalen Systems’; es reguliert:

- Muskeltonus

- Unwillkürliche und Koordinationsbewegungen

- Körperhaltung

- Ausdrucks- und Abwehrbewegungen

- Gleichgewicht

 

[Zum 'extrapyramidalen System' zählt man alle motorischen Kerngebiete und ihre zugehörigen 'Leitungsbahnen', die NICHT zur Pyramidenbahn gehören:

Die PYRAMIDENBAHN ist eine der wichtigsten 'Leitungsbahnen'.

- Sie leitet willkürliche Bewegungsimpulse.

- Sie wirkt hemmend auf die Regulation des Muskeltonus und auf das Zustandekommen der Muskeleigenreflexe.

 

Sie wird u. a. durch ‚extrapyramidale Faserzüge’ unterstützt.

-> Siehe auch: Leitungsbahnen]

 

 

Die Hirnsinus

.

 

Beginnt ...

 

... weiterer Verlauf ...

SINUS TRANSVERSUS

 

Am CONFLUENS SINUUM

unterhalb der Großhirnsichel

(Falx cerebri); verläuft entlang der ‚okzipitalen Befestigung’ des Kleinhirnzelts

(Tentorium cerebelli*)

bis zur Kante der Felsenbeinpyramide des Schläfenbeins*

(Pars petrosa des Os temporale; enthält das Innenohr mit Teilen des Gehör- und Gleichgewichtsorgans).

 

Fortsetzung in den SINUS SIGMOIDEUS zum ‚Foramen jugulare’:

 

Durchtritt der

 

... VENA JUGULARIS INTERNA

(= innere Drosselvene; sammelt das venöse Blut aus Schädelhöhle, Gehirn, Gesicht, Rachen, Zunge, Kehlkopf und Schilddrüse)

 

... und der Hirnnerven:

IX. (N. glossopharyngeus)

X. (N. vagus)

XI. (N. accessorius)

 

CONFLUENS

SINUUM

An der ‚Protuberantia occipitalis interna’ (Knochenerhebung an der Innenseite der Schuppe des Hinterhauptbeins = Os occipitale*); hier vereinigen sich:

 

SINUS SAGITTALIS SUPERIORIS

SINUS RECTUS

SINUS OCCIPITALIS

SINUS TRANSVERSUS

 

Die 4 Teile des Hinterhauptbeins umschließen das ‚Foramen magnum’ (= großes Hinterhauptloch; Durchtritt der Medulla oblongata*).

 

 

SINUS TRANSVERSUS

SINUS

MARGINALIS

Am Rand des ‘Foramen magnum’ (= großes Hinterhauptloch; Durchtritt der Medulla oblongata*).

Zu Blutleitern innerhalb des Gehirns und zu Venengeflechten des Wirbelkanals (Spinalkanal).

 

SINUS

OCCIPITALIS

Ansatz des Kleinhirnzelts (Tentorium cerebelli*)

 

CONFLUENS SINUUM

oder

SINUS TRANSVERSUS

 

PLEXUS

BASILARIS

Venengeflecht auf dem ‚Klivus’*

(Teil der inneren Schädelbasis ...)

SINUS CAVERNOSUS

SINUS PETROSUS INF.

SINUS OCCIPITALIS

 

SINUS

PETRO-SQUAMOSUS*

 

 

 

SINUS

SIGMOIDEUS

SINUS TRANSVERSUS

‚Foramen jugulare’:

Durchtritt  der VENA JUGULARIS INTERNA (= innere Drosselvene; sammelt das venöse Blut aus Schädelhöhle, Gehirn, Gesicht, Rachen, Zunge, Kehlkopf und Schilddrüse)

 

SINUS

SAGITTALIS SUPERIOR

 

Am Ansatz der ‚Falx cerebri’ (Großhirnsichel) am Schädeldach

 

CONFLUENS SINUUM

SINUS

SAGITTALIS INFERIOR

 

Im freien Rand der ‚Falx cerebri’ (Großhirnsichel)

SINUS RECTUS

SINUS

RECTUS

Zwischen ‚Falx cerebri’ (Großhirnsichel) und ‚Tentorium cerebellli’* (Kleinhirnzelt) – in der Verschmelzungslinie

 

CONFLUENS SINUUM

SINUS

PETROSUS

INFERIOR

Hintere ‚Felsenbeinunterkante’*;

Zufluss der VENAE LABYRINTHI:

Sie verlaufen am ‚Meatus acusticus internus’ (= innerer Gehörgang).

Dieser enthält:

Nervus vestibulocochlearis (VIII.)

Nervus facialis (VII.)

Arteriae und Venae labyrinthi

 

VENA JUGULARIS INTERNA (= innere Drosselvene;

sammelt das venöse Blut aus Schädelhöhle, Gehirn, Gesicht, Rachen, Zunge, Kehlkopf und Schilddrüse)

SINUS

PETROSUS

SUPERIOR

Obere ‚Felsenbeinkante’*

SINUS SIGMOIDEUS

SINUS

CAVERNOSUS

Beidseits des ‚Türkensattels’ (Sella turcica); steht in Verbindung mit:

- Augenhöhlenvenen

- Vena angularis mit Vena facialis

 

Vena angularis: Verläuft im medialen Augenwinkel; sammelt das Blut aus Stirn, Oberlid, Nasenrücken und SINUS CAVERNOSUS.

 

Vena facialis: Gesichtsvene; sammelt u. a. das Blut aus der Augenhöhle und der Ohrspeicheldrüse.

 

‚Sella turcica’ = Vertiefung der Schädelhöhlenbasis; hier liegt die HYPOPHYSE*.

 

SINUS INTERCAVERNOSUS ANTERIOR UND POSTERIOR verbinden die SINUS CAVERNOSI vor und hinter der Hypophyse*

 

SINUS PETROSUS

SUPERIOR, INFERIOR

PLEXUS BASILARIS

 

SINUS

SPHENO-

PARIETALIS

 

Am ‚kleinen Keilbeinflügel’*

SINUS CAVERNOSUS

 

 

 

 

* Kleinhirnzelt (Tentorium cerebelli):

 

Zwischen oberer Kante der ‚Felsenbeinpyramide’ und SINUS TRANSVERSUS über dem Kleinhirn (Cerebellum) ausgespanntes Durablatt (‚Duraduplikatur’).

 

* Felsenbein bzw. Felsenbeinpyramide = Pars petrosa des Schläfenbeins. Das Schläfenbein (= Os temporale) ist Bestandteil der Schädelbasis und des seitlichen Schädeldachs.

Es besteht aus:

 

1. Pars petrosa (Felsenbeinpyramide): Bildet die knöcherne Hülle für Teile des Mittelohrs (Paukenhöhle - mit den Gehörknöchelchen - etc.) und für das Innenohr (mit Teilen des Gehör- und Gleichgewichtsorgans).

2. Pars tympanica: Enthält den äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus).

3. Pars squamosa: Enthält die Gelenkfläche für das Kiefergelenk (Fossa mandibularis = Gelenkgrube des Schläfenbeins für den Unterkieferkopf; Tuberculum articulare = Gelenkhöcker des Schläfenbeins für das Kiefergelenk).

 

* Das Hinterhauptbein (= Os occipitale) ist Bestandteil der hinteren Schädelgrube und des Schädeldachs am Hinterhaupt.

Teile: Pars basilaris, 2 Partes laterales, Squama occipitalis

 

Diese Teile umschließen das ‚Foramen magnum’ (= Durchtrittsstelle für die Medulla oblongata).

Durch das ‚Foramen magnum’ treten außerdem:

 

XI. Hirnnerv – Nervus accessorius:

Versorgt – motorisch – Halsmuskeln, z. B. den Kopfwender-Muskel (M. sternocleidomastoideus) und den Kapuzenmuskel (M. trapezius).

 

Arteria vertebralis dexter et sinister:

Versorgen Halsmuskeln, Wirbelkanal, Rückenmark, Dura mater, Unterfläche des Kleinhirns.

 

Arteria spinalis anterior et posterior und Vena spinalis:

Versorgen Rückenmark und –häute.

 

Membrana tectoria:

Fortsetzung des hinteren Längsbands der Wirbelsäule.

[Anmerkung: Als ‚Membrana tectoria’ bezeichnet man auch die gallertartige Membran, die das Corti-Organ überragt. Die feinen Härchen der Haarzellen (Sinneszellen des Gehörs) stehen mit dieser Membran in Verbindung; die Basis der Haarzellen werden umfasst von Fasern des VIII. Hirnnervs - Nervus vestibulocochlearis.]

 

* Medulla oblongata = verlängertes Mark; Nachhirn; Bulbus. Gehört zum ‚Hirnstamm’; enthält auf- und absteigende Projektionssysteme der Groß- und Kleinhirnrinde

(-> Substantia alba; weiße Substanz), Kerne der Hirnnerven und lebenswichtige Zentren, z. B. zur Steuerung vegetativer Funktionen oder für die Koordination von Bewegungsabläufen (-> Substantia grisea; graue Substanz).

Die Medulla oblongata reicht bis zum Rand der Brücke (Pons) bzw. bis zur Mitte der RAUTENGRUBE (Fossa rhomboidea = Boden des 4. Hirnventrikels).

 

-> Siehe auch: Substantia alba, grisea; Zum Nachdenken – Rautengrube etc.

 

* Klivus = ‚Clivus Blumenbachii’. ‚Klivuskantensyndrom’: Hier kann bei einer akuten Hirndrucksteigerung der NERVUS OCULOMOTORIUS (III. Hirnnerv) ‚abgeklemmt’ werden; dies führt zur Erweiterung der Pupille (Mydriasis).

 

* Hypophyse (Hirnanhangdrüse) in der ‚Sella turcica’ der knöchernen Schädelbasis. Sie ist über den Hypophysenstiel (Infundibulum) mit dem Boden des 3. Ventrikels verbunden.

 

Einteilung der Hypophyse:

 

HYPOPHYSENVORDERLAPPEN (HVL):

Er ist über die ‚Pfortadergefäße’ der Hypophyse mit dem Zwischenhirn (Diencephalon) verbunden; Bildungsort von FSH, LH, TSH, ACTH, STH und Prolaktin.

 

HYPOPHYSENZWISCHENLAPPEN (... rudimentär ...):

Bildungsort des Melanozytenstimulirendes Hormon (MSH).

 

HYPOPHYSENHINTERLAPPEN (HHL):

Besteht aus marklosen Nervenfasern, einem Kapillarnetz und speziellen ‚Stützzellen’ (Gliafasern); ist über Nervenfasern verbunden mit den NUCLEI SUPRAOPTICI und den NUCLEI PARAVENTRICULARES des Hypothalamus.

Der HHL ist Speicherort für Oxytocin und ADH (Vasopressin): Sie werden im HHL an Polypeptide gebunden und gespeichert und durch Exozytose freigesetzt.

 

[Die Exozytose ist eine bestimmte Art des Stofftransports aus der Zelle in die Umgebung, z. B. bei der Freisetzung von Neurotransmittern: Die mit Sekret gefüllten Vesikel wandern zur Zellmembran, und der Inhalt wird durch ‚Verschmelzen’ der Membranen nach außen freigesetzt.]

 

Zur Erinnerung ...

 

Zum Zwischenhirn gehören: Hypophyse, Epi-, Sub-, Hypothalamus, Metathalamus und Thalamus.

Der II. Hirnnerv – der Nervus opticus = Sehnerv – zieht ins Zwischenhirn.

 

-> Siehe auch: Dopamin & Co.; Hormone & Co.; Hypothalamus, Hypophyse, Thalamus; Wunderwerk Gehirn- Substantia grisea etc.; Hirnnerven; Leitungsbahnen; Nuclei etc.

 

* Keilbein = Os sphenoidale; Bestandteil der Schädelbasis und des seitlichen Schädeldachs.

Teile:

 

- Corpus mit SINUS SPHENOIDALIS

- Ala minor et major (kleiner und großer Keilbeinflügel)

- Processus pterygoideus (Vorsprung an der hinteren Kante der Lamina lateralis)

 

 

Klinische Bedeutung:

 

‚Sinusthrombose’ ...

 

‚Blutgerinnselbildung’ in einem venösen Hirnsinus – Symptome können u. a. sein:

Kopfschmerz

Bewusstseinsstörung

Epilepsie

Meningeales Syndrom*

Fieber

Hirndrucksteigerung*

 

* MENINGEALES SYNDROM (Meningismus); Bezeichnung für Symptome, die durch eine Erkrankung der Meningen (= Hirn- und Rückenmarkhäute) auftreten, z. B.:

Kopfschmerz

Lichtscheu

Nackensteifigkeit

Schmerzüberempfindlichkeit

Übelkeit, Erbrechen

Vermehrte Schweißsekretion

Herzrhythmusstörungen

Psychische Veränderungen

 

‚Zeichen’ beim MENINGEALEN SYNDROM sind z. B.:

 

BRUDZINSKI-NACKENZEICHEN

Bei einem plötzlichen passiven Anheben des Kopfes – in Flachlage – erfolgt als Reaktion eine Beugung der Hüft- und Kniegelenke.

 

KERNIG-ZEICHEN

Im Sitzen kann das Kniegelenk nicht aktiv gestreckt werden.

In Rückenlage und bei gebeugter Hüfte führt eine passive Streckung des Kniegelenks zu starken Schmerzen im Bereich des Ischias-Nervs (NERVUS ISCHIADICUS).

 

[Der NERVUS ISCHIADICUS ist der längste und dickste Nerv des Menschen. Er verläuft im Gesäßbereich schräg abwärts zur Rückseite des Oberschenkels (-> er versorgt dort die BEUGEMUSKELN ...) und teilt sich oberhalb der Kniekehle in zwei Äste:

Schienbeinnerv (NERVUS TIBIALIS)

Wadenbeinnerv (NERVUS PERONEUS)]

 

* HIRNDRUCKSTEIGERUNG – wichtige Symptome sind (je nach Entwicklung, Ursache und Lokalisation) z. B.:

Kopfschmerzen

Hirnnvervenstörungen (v. a. NERVUS ABDUCENS und NERVUS OCULOMOTORIUS)

Stauungspapille (Veränderung des Augenhintergrunds ...)

Nüchternerbrechen

Verlangsamte Herzfrequenz (Bradykardie)

Atemstörung

Bewusstseinsstörung

 

‚Kavernosusthrombose’ ...

 

‚Blutgerinnselbildung’ im SINUS CAVERNOSUS – Wichtige Symptome:

Fieber

Bewusstseinsstörungen

Ein- oder beidseitiges Hervortreten des Augapfels (Protrusio bulbi)

Evtl. epileptische Anfälle

Ödem über dem Warzenfortsatz des Schläfenbeins (Processus mastoideus; hinter dem äußeren Gehörgang)

Hirnnervenlähmungen (unvollständige)

 

‚Kavernosussyndrom’ ...

 

Hier kommt es zu:

Augenmuskellähmungen

Ptosis (Herabhängen des Oberlids)

Sensibilitätsstörungen im Gesicht

 

Und evtl. zu ein- oder beidseitigem Hervortreten des Augapfels (Protrusio bulbi) durch eine ‚Drucklähmung’ der Hirnnerven III., IV., V., VI.

 

Zur Erinnerung ...

.

Nervus oculomotorius

III. Hirnnerv

Versorgt vorwiegend motorisch – mit parasympathischen Anteilen:

- Lidhebermuskel

- 4 der 6 quergestreiften* (äußeren) Augenmuskeln

 

Nervus trochlearis

IV. Hirnnerv

Versorgt motorisch:

- Oberer schräger Augenmuskel

 

Nervus trigeminus

V. Hirnnerv

Drei Hauptäste:

 

NERVUS OPHTALMICUS versorgt sensibel:

- Augenhöhle und Stirn

 

NERVUS MAXILLARIS versorgt sensibel:

- Bereich der Gesichtshaut unterhalb der Augenhöhle

- Schleimhaut der Nase

- Oberlippe

- Zähne des Oberkiefers

 

NERVUS MANDIBULARIS versorgt sensibel:

Unterkieferbereich (Unterlippe, Zahnfleisch und Zähne)

 

Versorgt motorisch:

Kau- und Mundbodenmuskeln

 

Nervus abducens

VI. Hirnnerv

Versorgt motorisch:

- Äußerer gerader Augenmuskel

 

 

 

Je nachdem, welche TRIGEMINUSÄSTE beteiligt sind, unterscheidet man ein ‘vorderes’, ‘mittleres’ und ‘hinteres Kavernosussyndrom’.

 

 

* Die Kontraktionen der ‘quergestreiften Muskulatur’ werden – größtenteils willentlich -

vom ZNS (= Zentrales Nervensystem) ausgelöst. Zur 'quergestreiften Muskulatur' gehören:

- Skelettmuskeln

- Extremitätenmuskeln

- Zungenmuskeln

- Kehlkopf- und Schlundmuskulatur

- Muskulatur des Zwerchfells (-> WICHTIGSTER ATEMMUSKEL!)

 

In jedem Muskel liegen mehrere Muskelspindeln als 'Rezeptororgane'. Sie melden den jeweiligen Spannugszutand des Muskels ans Gehirn, v. a. ans KLEINHIRN (Cerebellum).

-> Siehe auch: Leitungsbahnen - Tractus: Mittelhirn; Brücke etc.

 

Zur Erinnerung ...

 

Die  ‚glatte Muskulatur’ liegt in der Wand innerer Hohlorgane (z. B. Magen, Darm, Harnblase, Harnleiter, Gebärmutter) und Blutgefäßen. Die Kontraktionen der ‚glatten Muskulatur’ verlaufen langsam und unwilllkürlich, also 'unabhängig' von unserem Willen.

 

Zum Nachdenken ...

 

ALPHA-REZEPTOREN – Adrenerge Rezeptoren (interagieren mit Adrenalin und Noradrenalin); Vorkommen z. B. in der Muskulatur von Arterien und Venen, Auge, Harnblase und Magen-Darm-Trakt

 

Alpha-1-Rezeptoren:

Postsynaptisch v. a. in ‚glatter Muskulatur’ (Gefäße, Blase, Prostata etc.)

‚Second messenger’ ist INOSITOLTRISPHOSPHAT

 

Alpha-2-Rezeptoren:

Auch an präsynaptischen Membranen sympathischer und parasympathischer Nervenfaserenden.

‚Second messenger’ ist cAMP

 

-> Siehe auch: Dopamin & Co. – Stickstoffmonoxid; Essen & Co. – Fette; Mineralstoffe etc.

 

BETA-REZEPTOREN – Hormonrezeptoren im sympathischen Nervensystem; interagieren mit Isoprenalin (adrenalinähnlicher Arzneistoff), Adrenalin oder Noradrenalin; Vorkommen z. B. in der Muskulatur von Gefäßen, Herz, Bronchien und Magen-Darm-Trakt

 

Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren:

Erhöhen bzw. senken die intrazelluläre Ca2+-Konzentration

 

Beta-3-Rezeptoren:

Struktur und Funktion dieser Rezeptoren sind bislang nicht geklärt.

 

[- Das gleichzeitige Vorkommen von Alpha- und Beta-Rezeptoren an einem Erfolgsorgan führt meist zu ‚funktionellem Antagonismus’. -]

 

-> Siehe auch: Dopamin & Co.; Nervensystem

 

 

Quellen und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’, ‚Naturheilpraxis heute’

 

Und zum Beispiel:

Wikipedia – Sinus durae matris

 

 

Und siehe auch:

Essen & Co.: Fettstoffwechsel etc.

Hirnnerven

Nervensystem

Wunderwerk Gehirn, Wunderwerk Mensch

Wahrnehmung

Diplomarbeiten etc.: Vestibular nuclei and abducens nucleus

Fragen, Fragen, Fragen: Hirnlokales Syndrom

Zum Nachdenken: Beugereflex; Schockformen

 

 

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