"Wenn die Amygdala beschädigt ist, können Menschen 'Vertrauenswürdigkeit' nur ganz schlecht aus Gesichtern herauslesen ..."

Nach Antonio Damasio, Hirnforscher

 

Amygdala und Autismus

 

In zahlreichen Studien hat man festgestellt, dass die Amygdala* bei Kindern mit Autismus zunächst - bis zum Abschluss der Pubertät - grösser ist als sonst bei Kindern vergleichbaren Alters. Die jeweils rechte und linke Amygdala sind vergrössert - wobei die rechte oft noch etwas mehr vergrössert ist als die linke.

Dies lässt sich z. B. auch bei Kindern mit einer 'Generalisierten Angststörung' nachweisen.

 

Bei 'erwachsenen Autisten' ist ein Grössenunterschied meist nicht mehr festzustellen.

 

Die Amygdala wächst normalerweise während der Pubertät sehr stark; bei autistischen Kindern wird die endgütlige Grösse aber bereits vor der Pubertät erreicht. Und auch wenn die Grösse letztlich dann bei autistischen und nicht-autistischen Kindern annähernd gleich ist, gibt es doch Abweichungen im 'Aufbau' - z. B. in der Zahl und der Grösse der Neuronen. Hierfür können zahlreiche Einflüsse verantwortlich sein: Genetik, Wachstumsfaktoren, Hormone, Ernährung, Umwelteinflüsse.

Die Ursache für die vergrösserte Amygdala ist noch unbekannt.

 

Man weiss aber, dass ihre Funktion im Zusammenhang steht mit 'Sozialverhalten' und 'kognitiven Prozessen' - z. B. der Gesichtererkennung oder dem Erkennen von Gefühlen.

 

Dies hat zu der Vermutung geführt, dass eine Fehlfunktion verantwortlich sein könnte für die 'sozialen Beeinträchtigungen' bei autistischen Menschen.

Gegen diese Theorie sprechen aber auch diverse 'Tier-Studien'.

 

Was allerdings inzwischen durch zahlreiche Studien - an Mensch und Tier - belegt ist, ist die Bedeutung des 'Mandelkerns' beim Erkennen von Gefahr und bei der Erzeugung von Furcht und Angst:

 

Ob man sich anderen Menschen nähern und ihnen trauen kann - dies einzuschätzen ist eine sehr wichtige Funktion - und diese Funktion ist sowohl bei Menschen mit einer Verletzung der Amygdala als auch bei Menschen mit Autismus beeinträchtigt ...

 

Quelle:

The Journal of Neuroscience - 14.07.2004

 

* Eigentlich 'Amygdalae' (Mehrzahl), da es einen rechten und einen linken 'Mandelkern' gibt.

 

 

Siehe auch:

Glossar - Gedächtnis, Limbisches System etc.

 

  

 

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