Tractus

 

Als Tractus (= Bahn, Strang) bezeichnet man besonders die Nervenbahnen des Gehirns und des Rückenmarks. Es sind ‚Leitungsbahnen’ in der ‚weißen Substanz’ (= Substantia alba).

 

Dazu zählen z. B. auch die ‚Fasciculi’.

 

Zu den ‚absteigenden Bahnen’ im Rückenmark gehören:

 

- Tractus corticospinalis lateralis (= PYRAMIDENSEITENTRANGBAHN)

- Tractus corticospinalis anterior (= PYRAMIDENVORDERSTRANGBAHN)

 

Ihren Ursprung haben diese Bahnen v. a. im GYRUS PRECENTRALIS (= 'Vordere Zentralwindung';

enthält das 'motorische Rindenfeld'). Sie ziehen zu den motorischen Kernen der Hirnnerven oder zu den VORDERHORNZELLEN (= motorische Nervenzellen) des Rückenmarks.

Sie sind wichtig für unsere willkürlichen Bewegungen, unseren Muskeltonus und für Muskeleigenreflexe.

 

Weitere ‚absteigende Bahnen’ sind die EXTRAPYRAMIDALEN BAHNEN:

 

- Tractus rubrospinalis

- Tractus reticulospinalis

- Tractus vestibulospinalis

- Tractus tectospinalis

 

Zu den ‚aufsteigenden Bahnen’ im Rückenmark gehören:

 

Die HINTERSTRANGBAHNEN:

 

- Fasciculus gracilis

- Fasciculus cuneatus

 

Und die VORDERSEITENSTRANGBAHNEN:

 

- Tractus spinocerebellares

- Tractus spinothalamicus lateralis

- Tractus spinothalamicus anterior

 

Als HÖRNER bezeichnet man die äußeren Anteile der ‚grauen Substanz’ (= Substantia grisea):

  • In den VORDERHÖRNERN liegen motorische Nervenzellen; ihre Axone* bilden die VORDERWURZEL.
  • Zu den HINTERHÖRNERN ziehen sensible Nervenfasern; sie leiten die Impulse über die HINTERWURZEL zum Rückenmark.
  • Im SEITENHORN liegen heraus- und zuführende Nervenzellen des ‚vegetativen Nervensystems’ (= ‚autonomes Nervensystem’: Sympathikus und Parasympathikus; es arbeitet weitgehend unabhängig von unserem Willen und Bewusstsein).

* Axon = ‚wegführender’ Fortsatz einer Nervenzelle; die meisten Nervenzellen haben mehrere ‚zuführende’ Fortsätze (= Dendriten), aber nur ein Axon.

 

Die ‚graue Substanz’ (= Substantia grisea) des Rückenmarks wird unterteilt in:

 

- Hintersäule (Columna dorsalis)

- Vordersäule (Columna ventralis)

- Seitensäule (Columna lateralis; nur im Bereich von C8 – L1/2)

- Kommissur (= zentrales Verbindungsstück) mit dem Zentralkanal (= Canalis centralis)

 

 Übersicht über die wichtigsten Bahnen

Name

 

Beginn und Ende …

 

Tractus bulbothalamicus

und Lemniscus medialis

Vom BULBUS (= Nachhirn; verlängertes Mark = MEDULLA OBLONGATA) zum THALAMUS.

 

 

Im LEMNISCUS MEDIALIS wird der Tractus bulbothalamicus weitergeführt.

 

Es sind Fasern aus den Kernen:

 

Nucleus gracilis bzw. cuneatus(HINTERSTRANGBAHN)

Nucleus sensorius principalis n. trigemini (V. Hirnnerv; sensible Versorgung)

Nucleus tractus solitarii (VII., XI. und X. Hirnnerv; Geschmacksfasern)

 

 

Tractus cerebellorubralis

Vom NUCLEUS DENTATUS des Kleinhirns durch den Pedunculus cerebellaris superior (= oberer Kleinhirnstiel) zum NUCLEUS RUBER.

 

Der NUCLEUS DENTATUS ist der größte Kern des Kleinhirns.

 

Der NUCLEUS RUBER in der Mittelhirnhaube erhält ‚afferente’ (= zuführende) Impulse aus:

Kleinhirn

Colliculi superiores (Teil der Sehbahn)

Gyrus precentralis (= Vordere Zentralwindung mit der primären motorischen Rinde)

Pallidum

Thalamus

Nuclei vestibulares

 

Und er gibt ‚efferente’ (= wegführende) Impulse:

 

Über den TRACTUS RUBROSPINALIS

zur Wirbelsäule bzw. zum Rückenmark.

Über den TRACTUS RUBROOLIVARIS an die ‚Olive’; wichtig für die Koordination der Feinmotorik.

Über den TRACTUS RUBROTECTALIS zum ‚Tectum mesencephali’ = Mittelhirndach mit der ‚Vierhügelplatte’ mit den Colliculi superiores und inferiores (Teile der Seh- bzw. Hörbahn).

Über den TRACTUS RUBROTHALAMICUS zum Thalamus (= „Tor zum Bewusstsein“).

 

Er hat Verbindungen zum KLEINHIRN und ist damit wichtig für die Feinmotorik; seine Verbindungen zum Rückenmark aktivieren die BEUGEMUSKELN.

 

Tractus cerebellothalamicus

Auch:

Tractus dentothalamicus

Fasern aus dem NUCLEUS DENTATUS; sie verlaufen im Pedunculus cerebellaris superior (= oberer Kleinhirnstiel), enden nach ihrer Kreuzung auf die Gegenseite im NUCLEUS VENTRALIS THALAMI; ein Teil der Fasern zieht von da zum GYRUS PRECENTRALIS (= ‚Vordere Zentralwindung’; enthält das motorische Rindenfeld).

 

GYRUS PRECENTRALIS:

Windung, die auf dem FRONTALLAPPEN des Großhirns vor der Zentralfurche liegt;

wichtig für die unmittelbare Bewegungssteuerung (sog. primärmotorische Rinde);

Brodmann-Area 4.

Wird auch als ‚Area pyramidalis’ bezeichnet: Hier nimmt die Pyramidenbahn ihren Ausgang.

 

Tractus corticohypothalamicus

 

Fasern vom 'Riechhirn' und FRONTALLAPPEN zum HYPOTHALAMUS.

 

Das Riechhirn (= Rhinencephalon) ist der ‚älteste Teil’ des Großhirns.

Die ‚Riechbahn’ hat auch Verbindungen zum ‚Limbischen System’:

Area subcallosa

Amygdala

Gyrus parahippocampalis (Windung im SCHLÄFENLAPPEN = TEMPORALLAPPEN; hier liegt u. a. die Hörregion)

 

Tractus corticonuclearis

 

 

 

Teil der PYRAMIDENBAHN; führt zu motorischen Hirnnervenkernen.

Motorische Hirnnerven bzw. Hirnnerven mit motorischen Anteilen und ihre jeweiligen ‚Versorgungsgebiete’ sind:

 

III. – N. OCULOMOTORIUS:

Äußere Augenmuskeln (4 der 6)

IV. – N. TROCHLEARIS:

Oberer schräger Augenmuskel

V. – N. TRIGEMINUS;

3. Ast: N. MANDIBULARIS:

Alle Kau- und Mundbodenmuskeln

VI. – N. ABDUCENS:

Äußerer gerader Augenmuskel

VII. – N. FACIALIS:

Mimische Muskulatur des Gesichts

IX. – N. GLOSSOPHARYNGEUS:

Rachenmuskeln

X. – N. VAGUS:

Kehlkopfbereich

XI. – N. ACCESSORIUS:

Muskeln des Halses

XII. – N. HYPOGLOSSUS:

Muskulatur der Zunge

 

Tractus corticopontini

 

 

Dazu gehören die sog.

GROSSHIRNBRÜCKEN-BAHNEN:

 

Tractus fronto-,

parieto-,

temporo- und

occipitopontinus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es sind Bahnen von der Rinde des:

 

FRONTALLAPPEN (Stirnlappen)

PARIETALLAPPEN (Scheitellappen)

TEMPORALLAPPEN

(Schläfenlappen)

OCCIPITALLAPPEN (Hinterhauptslappen)

 

Die Fasern verlaufen v. a. über die CAPSULA INTERNA zu den BRÜCKENKERNEN

und über Bahnen des MITTELHIRNS zur BRÜCKE.

 

Das 2. Neuron kreuzt als BRÜCKENFASERUNG (Fibrae pontis transversae) zur Gegenseite und geht als PEDUNCULUS CEREBELLARIS MEDIUS (= 'mittlerer Kleinhirnstiel') zur Kleinhirnrinde

(TRACTUS PONTOCEREBELLARIS).

 

 

-> Die 'mittleren Kleinhirnstiele' enthalten NUR afferente (aufsteigende, zuführende) Fasern!

 

 

 

 

 

CAPSULA INTERNA = Markschicht des Großhirns mit auf- und absteigenden Projektionsbahnen.

 

 

 

Die Brückenkerne (NUCLEI PONTIS) sind Umschaltstation für die Bahnen zwischen Groß- und Kleinhirn.

 

NUCLEUS SENSIBILIS PONTINUS:

Kern für die sensiblen Fasern des V. Hirnnerven (NERVUS TRIGEMINUS; versorgt Augenhöhle, Ober- und Unterkiefer, Stirn, Zähne, Zahnfleisch)

 

NUCLEI VESTIBULARES*

(Gleichgewichtskerne):

Am Boden des 4. Hirnventrikels (Rautengrube) mit Verbindungen zu

Rückenmark

Kleinhirn

Fasciculus longitudinalis medialis*

 

 

 

Tractus corticospinalis ventralis, lateralis;

syn. Tractus pyramidalis

Pyramidenbahn :

Alle ABSTEIGENDEN Leitungsbahnen (Ursprung: GROSSHIRNRINDE), die zu den motorischen Kernen der HIRNNERVEN oder zu den VORDERHORNZELLEN des Rückenmarks verlaufen.

 

Die Fasern ziehen durch die CAPSULA INTERNA (= Markschicht des Großhirns), die CRUS CEREBRI (= Hirnschenkel) und die BRÜCKE zur MEDULLA OBLONGATA.

 

In der Medulla oblongata liegt die sog.  PYRAMIDENKREUZUNG:

80 – 90 % der Fasern kreuzen auf die andere Seite und bilden die PYRAMIDENSEITENSTRANG-BAHN; die ungekreuzten Fasern bilden die PYRAMIDENVORDERSTRANGBAHN; diese Fasern kreuzen erst im jeweiligen Rückenmarksegment zur Gegenseite.

 

Beide enden an den VORDERHORNZELLEN, direkt oder indirekt über Interneurone* an den ALPHAMOTONEURONEN*.

 

Endet bei den ...

MOTORISCHEN HIRNNERVENKERNEN

 

III. – N. OCULOMOTORIUS:

Äußere Augenmuskeln (4 der 6)

IV. – N. TROCHLEARIS:

Oberer schräger Augenmuskel

V. – N. TRIGEMINUS;

3. Ast: N. MANDIBULARIS:

Alle Kau- und Mundbodenmuskeln

VI. – N. ABDUCENS:

Äußerer gerader Augenmuskel

VII. – N. FACIALIS:

Mimische Muskulatur des Gesichts

IX. – N. GLOSSOPHARYNGEUS:

Rachenmuskeln

X. – N. VAGUS:

Kehlkopfbereich

XI. – N. ACCESSORIUS:

Muskeln des Halses

XII. – N. HYPOGLOSSUS:

Muskulatur der Zunge

 

 

… oder den VORDERHORNZELLEN des Rückenmarks; die VORDERHÖRNER enthalten motorische Nervenzellen (Motoneurone*).

 

Tractus habenulointerpe-duncularis

= Fasciculus retroflexus

 

Von den NUCLEI HABENULARES des Epithalamus zum NUCLEUS INTERPEDUNCULARIS im Tegmentum mesencephali (= Mittelhirnhaube).

 

 

Der EPITHALAMUS ist ein Teil des Zwischenhirns (= Diencephalon). Er besteht aus der HABENULA (= Zirbelstiel) und der EPIPHYSE (= Zirbeldrüse).

 

Der Zirbelstiel besteht aus zwei dünnen Markbündeln; diese verbinden die EPIPHYSE mit den STRIAE MEDULLARES THALAMI (= markhaltiges Faserbündel auf dem THALAMUS).

 

Der NUCLEUS INTERPEDUNCULARIS liegt über der ‚Fossa interpeduncularis’, einer Vertiefung zwischen den HIRNSCHENKELN.

Er leitet Impulse weiter an die FORMATIO RETICULARIS, und er erhält Fasern aus dem EPITHALAMUS und aus dem LIMBISCHEN SYSTEM.

Zum 'Limbischen System' gehören v. a.:

Hippocampus

Amygdala

Indusium griseum (= Schicht der ‚Substantia grisea’ auf dem Corpus callosum = Balken zwischen den Großhirnhemispären)

Septale Kerne

Nucleus habenularis

Nuclei anteriores thalami

(Nuclei ventrales anterior)

Die NUCLEI VENTRALES ANTERIOR erhalten Erregungen aus dem Pallidum, Kleinhirn und dem NUCLEUS INTERSTITIALIS und geben sie weiter an die Großhirnrinde.

 

Der NUCLEUS INTERSTITIALIS in der FORMATIO RETICULARIS im Mittelhirn erhält auch Fasern aus den NUCLEI VESTIBULARES, aus der ‚grauen Schicht’ der COLLICULI SUPERIORES (‚obere Vierhügel’; Sehbahn).

Aus diesem Kern entspringt ein Teil der Fasern des FASCICULUS LONGITUDINALIS MEDIALIS*.

 

 

Die MITTELHIRNHAUBE enthält

u. a.:

 

Hirnnervenkerne der Hirnnerven

 

III. – N. OCULOMOTORIUS:

Versorgt vier der sechs äußeren quergestreiften* Augenmuskeln.

 

IV. – N. TROCHLEARIS:

Versorgt den oberen schrägen Augenmuskel.

 

V. (zum Teil) – N. TRIGEMINUS:

Versorgt u. a. Augenhöhle und Stirn (Ast V1 = NERVUS OPHTHALMICUS)

 

 

NUCLEUS RUBER

Er hat Verbindungen zum Kleinhirn und ist damit wichtig für die Feinmotorik; seine Verbindungen zum Rückenmark aktivieren die BEUGEMUSKELN.

 

NUCLEI RAPHES

Hier findet man sehr viel Serotonin – mit Projektionen in das Groß- und Kleinhirn, ins Rückenmark und zum ‚Locus caeruleus’ in der RAUTENGRUBE (= Boden des 4. Hirnventrikels).

 

 

*Quergestreifte Muskulatur: Wird vom Zentralen Nervensystem gesteuert (größtenteils willentlich steuerbar).

 

Tractus mesencephalicus nervi trigemini

Trigeminusfasern zum NUCLEUS TRACTUS NERVUS TRIGEMINI im Mittelhirn (= Mesencephalon)

 

Der NERVUS TRIGEMINUS hat drei Äste:

 

1. N. OPHTALMICUS (Augenhöhlennerv):

Versorgt Augenhöhle und Stirn.

2. N. MAXILLARIS (Oberkiefernerv):

Versorgt die Gesichtshaut unterhalb der Augenhöhle, Nasenschleimhaut, Oberlippe und Zähne des Oberkiefers.

3. N. MANDIBULARIS (Unterkiefernerv):

Versorgt Unterlippe, Zahnfleisch und Zähne im Unterkiefer und motorisch alle Kau- und Mundbodenmuskeln.

 

 

Tractus olfactorius

Vom ‚Bulbus olfactorius’ (= Riechkolben) zur AMYGDALA und zu weiteren Anteilen im ‚LIMBISCHEN SYSTEM’.

Die Riechkolben liegen beidseits unter dem FRONTALLAPPEN* des Großhirns; sie nehmen die Riechnerven auf.

 

Riechbahn: Verläuft bis zur AMYGDALA (= Mandelkern) und zu weiteren Anteilen des ‚Limbischen Kortex’.

 

AMYGDALA und weitere Anteile im ‚LIMBISCHEN SYSTEM’, z. B. GYRUS PARAHIPPOCAMPALIS; beide liegen im TEMPORALLAPPEN (= Schläfenlappen).

 

Im Schläfenlappen liegt die HÖRREGION und das AKUSTISCHE SPRACHZENTRUM für Worterkennung, Worterinnerung, für Klang- und Geräuscherkennung.

 

Tractus olivocerebellaris

Von der OLIVE durch den bzw. die ‚unteren Kleinhirnstiele’ (= Pedunculi cerebelli inferiores) zum KLEINHIRN.

Die OLIVE liegt in der MEDULLA OBLONGATA. Sie enthält wichtige ‚Kerne’ für die Koordination der Feinmotorik und hat Verbindungen zu:

Rückenmark

Kleinhirn

 

Die ‚unteren Kleinhirnstiele’ erhalten ‚zuführende’ Fasern u. a. vom NUCLEUS CUNEATUS (= Teil des Hinterstrangsystems* des Rückenmarks) und von den NUCLEI VESTIBULARES*; diese haben Verbindungen zu:

- Rückenmark

- Kleinhirn

- Fasciculus longitudinalis medialis*

 

Tractus olivospinalis

Vom NUCLEUS  OLIVARIS zu den VORDERWURZELZELLEN (v. a. im Halsmark) in der 'Substantia alba' des Rückenmarks.

 

Der NUCLEUS OLIVARIS liegt unter der OLIVE in der Medulla oblongata und hat Verbindungen zu:

Rückenmark

Kleinhirn

Die OLIVE enthält wichtige ‚Kerne’ für die Koordination der Feinmotorik.

Tractus opticus

Abschnitt der Sehbahn zwischen CHIASMA OPTICUM (= Sehnervenkreuzung) und CORPUS GENICULATUM LATERALE.

 

Im Chiasma opticum vereinigen sich die beiden Sehnerven und verlaufen jeweils weiter als TRACTUS OPTICUS; nur die ‚nasalen’ Netzhautfasern werden gekreuzt, die anderen Fasern bleiben ungekreuzt.

 

CORPUS GENICULATUM LATERALE; Teil des ‚Metathalamus’ im Zwischenhirn. Schaltstelle der ZENTRALEN SEHBAHN.

Tractus posterolateralis

 

Von der Spitze des HINTERHORNS* (sensible Nervenfasern) bzw. von den HINTERWURZELZELLEN und den Zellen der ‚Substantia gelatinosa’ des Rückenmarks

zur Oberfläche des Rückenmarks.

 

 

Oberfläche des Rückenmarks:

Vermittelt Oberflächensensibilität, Temperatur- und Schmerzempfindung.

 

(-> Hier verlaufen fast ausschließlich UNMYELINISIERTE Axone; Myelin ist die ‚Isolierschicht’ der markhaltigen Nervenfasern bzw. der ‚Substantia alba’).

 

 

Tractus reticulospinalis

Von der FORMATIO RETICULARIS der Brücke und der Medulla oblongata zu den VORDERHORNZELLEN in der ‚Substantia grisea’ des Rückenmarks.

 

 

 

 

Die VORDERHÖRNER enthalten motorische Nervenzellen (Motoneurone*).

Wichtig für die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum (‚Propriozeption’).

 

 

Die Fasern verlaufen im VORDERSTRANG des Rückenmarks; in der ‚Substantia alba’.

 

Tractus rubrospinalis

Vom NUCLEUS RUBER zu den VORDERHORNZELLEN in der ‚Substantia grisea’ des Rückenmarks.

 

 

 

Die VORDERHÖRNER enthalten motorische Nervenzellen (Motoneurone*).

Wichtig für die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum (‚Propriozeption’).

 

Der NUCLEUS RUBER* liegt im Mittelhirn und ist eine wichtige Schaltstelle im ‚motorischen System’.

 

Die Fasern verlaufen im SEITENSTRANG des Rückenmarks; in der ‚Substantia alba’.

 

Der TRACTUS RUBROSPINALIS versorgt die BEUGEMUSKELN

(Flexoren).

 

Tractus solitarius

Geschmacksfasern der Hirnnerven

 

VII.- NERVUS FACIALIS

IX. – NERVUS GLOSSOPHARYNGEUS

X. – NERVUS VAGUS,

 

die zum NUCLEUS SOLITARIUS in der Medulla oblongata ziehen.

 

Der NUCLEUS SOLITARIUS enthält die Endkerne der sensiblen und sensorischen Fasern der Hirnnerven:

 

VII.- NERVUS FACIALIS:

Versorgt die vorderen zwei Drittel der Zunge

IX. – NERVUS GLOSSOPHARYNGEUS:

Versorgt das hintere Zungendrittel

X. – NERVUS VAGUS:

Versorgt den Kehlkopfbereich

 

Tractus spinalis nervi trigemini

Fasern des NERVUS TRIGEMINUS zum NUCLEUS SPINALIS NERVI TRIGEMINI in der Medulla oblongata.

 

 

NUCLEUS SPINALIS NERVI TRIGEMINI

(= ‚sensibler Endkern’) in der Medulla oblongata; er reicht bis ins Halsmark.

 

Der NERVUS TRIGEMINUS hat drei Äste:

1. Ast:

Versorgt sensibel Augenhöhle und Stirn.

2. Ast:

Versorgt die Gesichtshaut unterhalb der Augenhöhle, Schleimhaut der Nase, Oberlippe und Zähne des Oberkiefers.

3. Ast:

Versorgt Unterlippe, Zahnfleisch und Zähne des Unterkiefers.

 

Der 3. Ast versorgt außerdem motorisch alle Kau- und Mundbodenmuskeln.

Tractus spinocerebellaris anterior

= Vordere Kleinhirnseitenstrangbahn

(= Gowers-Bündel)

 

 

Verbindet das Rückenmark mit dem KLEINHIRN; wichtig für die Koordination der Körperbewegungen.

 

Verläuft von den ‚großen HINTERHORNZELLEN’ im VORDERSEITENSTRANG zum Mittelhirn und über das VELUM MEDULLARE SUPERIOR zum Kleinhirn.

 

 

HINTERHORNZELLEN (= sensible Nervenfasern) des Rückenmarks;

sie kreuzen zum größten Teil in der ‚vorderen Kommissur’ (= Commissura alba des Rückenmarks) auf die Gegenseite, steigen im VORDERSEITENSTRANG bis ins Mittelhirn auf und weiter über das VELUM MEDULLARE SUPERIOR (= oberes Marksegel des Kleinhirns) zum Kleinhirn.

 

 

Tractus spinocerebellaris posterior

= Hintere Kleinhirnseitenstrangbahn

(= Flechsig-Bündel)

 

 

Verläuft vom NUCLEUS DORSALIS SPINALIS über die ‚UNTEREN KLEINHIRNSTIELE’ zur Rinde des KLEINHIRNWURMS (= Vermis cerebelli).

 

 

 

 

Die Fasern verlaufen im VORDERSEITENSTRANG des Rückenmarks; die Axone (= wegführenden Fortsätze) reichen in den SEITENSTRANG;

leitet ‚aufsteigende’ Impulse der ‚Tiefensensibilität’ (= Propriozeption; Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum).

 

KLEINHIRNWURM:

‚Lautstärkeregler für die Sinne’

Temple Grandin

Symtome bei einer Schädigung des Kleinhirnwurms:

Sprech- und Stimmstörungen

Ataxie

Hypotonus der Muskulatur

Dysmetrie

 

Tractus spinoolivaris

Verläuft im VORDERSEITENSTRANG (im Halsmark) zur OLIVE.

 

Die OLIVE liegt in der MEDULLA OBLONGATA und ist wichtig für die Koordination der Feinmotorik.

Tractus spinotectalis

Reflexbahn; verläuft im TRACTUS SPINOTHALAMICUS ANTERIOR

(s. Vorderseitenstrangbahn) zu den COLLICULI SUPERIORES.

 

COLLICULI SUPERIORES (= ‚obere Vierhügel’, Teil der Sehbahn).

 

Tractus spinothalamicus

anterior, lateralis

(Vorderseitenstrang-bahnen)

Aus den Zellen des HINTERHORNS;

Fasern kreuzen zum größten Teil in der ‚Commissura alba’ des Rückenmarks, steigen im VORDERSEITENSTRANG auf und enden in der ‚grauen Substanz’ ...

 

Es sind Bahnen für die Empfindung von:

Druck

Berührung

Schmerz

Temperatur

… jeweils in der GRAUEN SUBSTANZ’ (Substantia grisea):

Des Rückenmarks.

In der FORMATIO RETICULARIS* des RAUTEN- und MITTELHIRNS.

Im MITTELHIRNDACH (= Tectum mesencephali mit der ‚Vierhügelplatte’).

Im THALAMUS.

 

* 'Netz’ aus grauer und weißer Substanz

Tractus supraoptico-hypophysialis

Von den NUCLEI

- SUPRAOPTICUS

- PARAVENTRICULARIS

- TUBERALIS

zum HYPOPHYSEN-HINTERLAPPEN.

 

Es sind wichtige Kerne des HYPOTHALAMUS.

 

Der NUCLEUS SUPRAOPTICUS:

Liegt oberhalb des TRACTUS OPTICUS (= Abschnitt der Sehbahn zwischen der Sehnervenkreuzung und dem CORPUS GENICULATUM LATERALE, der ‚Schaltstelle’ der zentralen Sehbahn; s. o.).

 

Der NUCLEUS PARAVENTRICULARIS:

Liegt an der Seitenwand des 3. Hirnventrikels und bildet hpts. Oxytocin, zu einem geringen Teil auch ADH.

 

Der NUCLEUS TUBERALIS:

Liegt im Zwischenhirn (Tuber cinereum = ’grauer Höcker’ des Hypothalamus), hinter dem Hypophysenstiel, am Boden des 3. Hirnventrikels.

Er synthetisiert Hormone, die die Synthese und Sekretion der Hormone aus dem HYPOPHYSENVORDERLAPPEN  (FSH, LH, TSH, ACTH, STH, Prolaktin) fördern oder hemmen.

 

 

HYPOPHYSENHINTERLAPPEN:

Die Hormone Oxytocin und Vasopressin (ADH), die im Hypothalamus gebildet werden, werden hier gespeichert.

 

OXYTOCIN:

Das sog. ‚Zärtlichkeitshormon’.

ADH:

Antidiuretisches Hormon; wichtig für unseren ‚Wasserhaushalt’.

 

Der HYPOPHYSENHINTERLAPPEN ist über Nervenfasern mit den NUCLEI SUPRAOPTICI und PARAVENTRICULARES und dem HYPOTHALAMUS verbunden.

 

Im HYPOPHYSENZWISCHEN-LAPPEN wird MSH (= Melanozyten-stimulierendes Hormon) gebildet; es ist v. a. wichtig für die MELANINSYNTHESE aus DOPA.

 

Der HYPOPHYSENVORDERLAPPEN ist über sog. ‚Pfortadergefäße’* der Hypophyse mit dem Zwischenhirn verbunden.

 

*Pfortadergefäße der Hypophyse sind besondere Gefäßverbindungen zwischen dem HYPOTHALAMUS und dem HYPOPHYSENVORDERLAPPEN.

 

 

Tractus tectospinalis

Verläuft vom MITTELHIRNDACH im VORDERSEITENSTRANG* zu den VORDERHORNZELLEN des Rückenmarks im Halsmark.

 

 

 

 

 

Der TRACTUS TECTOSPINALIS leitet optisch und akustisch ausgelöste Flucht- und Abwehrreflexe.

 

Mittelhirndach = TECTUM MESENCEPHALI; enthält die ‚Vierhügelplatte’ mit den COLLICULI SUPERIORES und INFERIORES (den oberen und unteren ‚Hügeln’); sie sind an die Seh- bzw. Hörbahn angeschlossen.

 

Tractus tegmentalis centralis

(Zentrale Haubenbahn)

Fasern aus dem NUCLEUS RUBER und den NUCLEI TEGMENTI verlaufen zu den motorischen Wurzelzellen der Gehirn- und Rückenmarknerven.

 

 

Die Fasern übertragen ‚absteigende’ (= efferente) Impulse.

 

Der NUCLEUS RUBER* liegt in der Mittelhirnhaube (= Tegmentum mesencephali) und ist eine wichtige Schaltstelle im ‚motorischen System’.

 

Die NUCLEI TEGMENTI liegen in der FORMATIO RETICULARIS (= Netz aus ‚grauer und weißer Substanz’) im Bereich der Mittelhirnhaube.

 

Tractus thalamocorticalis

Fasern aus den NUCLEI VENTRALES THALAMI

POSTERIOR und MEDIALIS

(= sog. 'hintere und mittlere Kerngruppen' des Thalamus) verlaufen zur Rinde des GYRUS POSTCENTRALIS.

 

Diese 'Kerngruppen’ sind Schaltstationen für sensible und sensorische Bahnen aus der Peripherie; sie ziehen als TRACTUS THALAMICOCORTICALIS zur ‚Hinteren Zentralwindung’.

 

Die sog. ‚vorderen Kerngruppen’ (NUCLEI VENTRALES THALAMI ANTERIOR) erhalten Impulse vom

Pallidum, Kleinhirn und Nucleus interstitialis

und geben sie an die motorische Rinde weiter.

 

 

NUCLEUS LATERALIS DORSALIS und POSTERIOR haben Verbindungen zu:

Thalamuskernen

Scheitel- und Schläfenlappen

(PARIETAL- und TEMPORALLAPPEN).

 

Die 'Hintere Zentralwindung' (= GYRUS POSTCENTRALIS) enthält das ‚sensible Rindenfeld’ für die Wahrnehmung der Oberflächen- und Tiefensensibilität.

 

 

 

Der NUCLEUS INTERSTITIALIS in der FORMATIO RETICULARIS im Mittelhirn erhält auch Fasern aus den NUCLEI VESTIBULARES, aus der ‚grauen Schicht’ der COLLICULI SUPERIORES (‚obere Vierhügel’; Sehbahn).

Aus diesem Kern entspringt ein Teil der Fasern des FASCICULUS LONGITUDINALIS MEDIALIS*.

 

 

Der Scheitellappen (= PARIETALLAPPEN) ist wichtig für die Wahrnehmung von Tast-, Druck-, Schmerz- und Temperaturreizen.

 

Im Schläfenlappen (= TEMPORALLAPPEN) liegt das RIECHZENTRUM und die HÖRREGION; der Schläfenlappen ist wichtig für die Wort-, Klang- und Geräuscherkennung.

Tractus tuberoinfundibularis

Verbindungsbahn im HYPOPHYSENSTIEL (= Infundibulum)

Verbindet wichtige Kerne des TUBER CINEREUM (= ‚Grauer Höcker’ des Hypothalamus, am Boden des 3. Hirnventrikels).

 

Tractus vestibulospinalis

Vom NUCLEUS VESTIBULARIS LATERALIS zu den VORDERWURZELZELLEN im Rückenmark.

 

Verläuft im VORDERSTRANG.

 

Versorgt die STRECKMUSKELN

(Extensoren).

 

 

 

Anmerkungen:

 

Interneurone

 

Interneurone sind Nervenzellen im ZNS (= Zentrales Nervensystem) für die Erregungssteuerung und Informationsverarbeitung; sie verschalten Leitungsbahnen miteinander:

Erregend (= exzitatorisch) und hemmend (= inhibitorisch).

 

Sie sind auch wichtig für die Verschaltung von sog. 'polysynaptischen Reflexen'.

 

Die Transmitter an ihren Synapsen sind GABA, Glycin und evtl. andere Aminosäuren und Katecholamine.

 

Ihr kurzes Axon (= wegführender Fortsatz) verlässt die ‚Substantia grisea’ NICHT.

 

Motoneurone: Alpha- und Gammamotoneurone

 

Alpha- und Gammamotoneurone liegen in den VORDERHÖRNERN des Rückenmarks (‚VORDERHORNZELLEN’; 2. motorisches Neuron). Alphamotoneurone innervieren die Muskelfasern außerhalb der Muskelspindel (= extrafusal), Gammamotoneurone die Fasern innerhalb der Muskelspindel (= intrafusal). 

 

Muskelspindeln sind ‚Sinnesorgane’ und wichtig für die Wahrnehmung der ‚Tiefensensibilität’ (= Propriozeption; Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum).

 

Frontallappen (Stirnlappen) des Großhirns

 

Er enthält ‚Assoziationsareale’ und das ‚Broca-Sprachzentrum’ (= motorisches Sprachzentrum);

angrenzend liegt das motorische Rindenfeld für die Steuerung willkürlicher Bewegungen; die 'Bewegungsplanung' erfolgt in 'prämotorischen Arealen'.

 

Hinterstrangsystem des Rückenmarks

 

Die ‚Hinterstränge’ sind Teil der ‚weißen Substanz’ (= Substantia alba) des Rückenmarks und wichtig für die Wahrnehmung:

- Von Druck, Berührung, Vibration (= epikritische Reize).

- Der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum (= propriozeptive Reize = Tiefensensibilität).

 

Hinterstrangbahnen sind:

  • Goll-Strang (= Fasciculus gracilis): Besteht aus den Hinterwurzelfasern aus der unteren Körperhälfte (bis Th4; 4. Halswirbel)
  • Burdach-Strang (= Fasciculus cuneatus): Besteht aus den Hinterwurzelfasern aus der oberen Körperhälfte (ab Th4 aufwärts)

Diese ‚aufsteigenden’ Bahnen haben aber auch jeweils kurze ‚absteigende’ Verzweigungen:

  • Fasciculus seminlunaris und Fasciculus interfascicularis im Hals- und Brustmark; sie gehören zum sog. ‚Eigenapparat’ des Rückenmarks (wichtig für die Reflexentstehung; z. B. für Schmerzreflexe)
  • Fasciculus septomarginalis = Flechsig-Bündel

Vorderseitenstrang des Rückenmarks

 

Den ‚Vorder- und Seitenstrang’ des Rückenmarks bezeichnet man meist als ‚Vorderseitenstrang’. Zu den VORDERSEITENSTRANGBAHNEN gehören:

 

- Tractus spinocerebellares

- Tractus spinothalamicus lateralis

- Tractus spinothalamicus anterior

 

Die Fasern dieser Bahnen entspringen jeweils aus HINTERHORNZELLEN im Rückenmark, kreuzen zum größten Teil in der 'Commissura alba' (= weiße Substanz) des Rückenmarks auf die Gegenseite, steigen im VORDERSEITENSTRANG auf und enden:

 

- In der 'grauen Substanz' (= Substantia grisea) des Rückenmarks.

- In der 'Formatio reticularis' des Rauten- oder Mittelhirns*.

- Im Tectum mesencephali (mit den COLLICULI SUPERIORES und INFERIORES*).

- Im THALAMUS.

 

Sie leiten Schmerz-, Temperatur-, Druck- und Berührungsempfindungen (= ‚protopathische Sensibilität’).

 

* Rautenhirn (= Rhombencephalon): Kleinhirn (= Cerebellum), Brücke (= Pons) und Medulla oblongata (= Nachhirn).

 

* Mittelhirn (= Mesencephalon): Tectum mesencephali mit 'Substantia grisea centralis, Colliculi superiores und inferiores (= bilden die 'Vierhügelplatte; Teil der Seh- bzw. Hörbahn), Tegmentum mesencephali (= Mittelhirnhaube), Crura cerebri (= Hirnschenkel).

 

Die 'Mittelhirnhaube' enthält auch die Hirnnervenkerne der Hirnnerven III., IV. und zum Teil V. (N. OCULOMOTORIUS, N. TROCHLEARIS, N. TRIGEMINUS), den NUCLEUS RUBER und die NUCLEI RAPHES.

 

Fasciculus longitudinalis medialis

 

Es ist ein 'auf- und absteigendes’ Fasersystem; verbindet die motorischen Hirnnervenkerne miteinander und den Vestibularapparat mit der Augen-, Hals- und Rumpfmuskulatur.

 

Motorische Hirnnerven bzw. Hirnnerven mit motorischen Anteilen und ihre jeweiligen ‚Versorgungsgebiete’ sind:

 

III. – N. OCULOMOTORIUS:

Äußere Augenmuskeln (4 der 6)

 

IV. – N. TROCHLEARIS:

Oberer schräger Augenmuskel

 

V. – N. TRIGEMINUS; 3. Ast: N. MANDIBULARIS:

Alle Kau- und Mundbodenmuskeln

 

VI. – N. ABDUCENS:

Äußerer gerader Augenmuskel

 

VII. – N. FACIALIS:

Mimische Muskulatur des Gesichts

 

IX. – N. GLOSSOPHARYNGEUS:

Rachenmuskeln

 

X. – N. VAGUS:

Kehlkopfbereich

 

XI. – N. ACCESSORIUS:

Muskeln des Halses

 

XII. – N. HYPOGLOSSUS:

Muskulatur der Zunge

 

-> Siehe auch Nuclei: Hirnnervenkerne

 

Vestibulariskerne (Nuclei vestibulares; Gleichgewichtskerne)

 

Es sind die Endkerne des VIII. Hirnnerven (NERVUS VESTIBULOCOCHLEARIS bzw. NERVUS VESTIBULARIS). Sie liegen im Boden der Rautengrube (Area vestibularis; im 4. Hirnventrikel) und haben Verbindungen zum Rückenmark, zum Kleinhirn und zum FASCICULUS LONGITUDINALIS MEDIALIS.

Man unterscheidet:

 

NUCLEUS VESTIBULARIS MEDIALIS

Er erhält Impulse hpts. aus den drei 'Bogengängen' im Innenohr; hier (und auch im Vorhof des Ohres) liegen die Sinnesrezeptoren des Gleichgewichtsorgans. Die Sinneszellen der Bogengänge reagieren auf Drehbewegungen; die Sinnneszellen im Vorhof auf Schwerkraft und Beschleunigungen.

 

-> Jeder Bogengang ist über den Hirnstamm mit den Augenmuskelkernen verbunden.

 

NUCLEUS VESTIBULARIS LATERALIS

Ursprung des 'Tractus vestibulospinalis'; dieser verläuft im VORDERSTRANG zu den VORDERWURZELZELLEN des Rückenmarks (s. Motoneurone bei 'Tractus A-Z').

 

Er erhält Impulse aus dem Utriculus (-> kontrolliert die waagrechte Lage, v. a. die des Kopfes), aus KLEINHIRN und RÜCKENMARK.

 

NUCLEUS VESTIBULARIS SUPERIOR UND INFERIOR ...

 

Fasern aus dem MEDIALEN und SUPERIOREN (= oberen) Vestibulariskern ziehen zum 'Fasciculus longitudinalis medialis' (s. u.).

 

Der INFERIORE Vestibulariskern erhält Fasern aus den Bogengängen (-> reagieren auf Drehbewegungen), aus Utriculus (-> kontrolliert die waagrechte Lage), aus Sacculus (-> kontrolliert die 'Senkrechte', ist 'klangempfindlich') und aus dem KLEINHIRNWURM.

 

Nucleus ruber

 

Er ist eine wichtige Schaltstelle im ‚motorischen System’.

Er erhält Impulse aus:

  • Kleinhirn
  • Colliculi superiores (= ‚obere Vierhügel’; Teil der Sehbahn)
  • Gyrus precentralis (= ‚vordere Zentralwindung’; enthält das motorische Rindenfeld)
  • Pallidum* (= Zentrum der ‚Trieb- und primitiven Reaktionsbewegungen’ und des ‚unmittelbaren motorischen Ausdrucks’)
  • Thalamus (= ‚Tor zum Bewusstsein’)
  • NUCLEI VESTIBULARES (im Boden der ‚Rautengrube’ = 4. Hirnventrikel)

* Bei einem Ausfall des PALLIDUMS kommt es zu einer erhöhten Muskelgrundspannung (= Hypertonie der Muskulatur) und zu verlangsamten und verminderten willkürlichen Bewegungen (= Hypokinese oder Akinese).

 

Im Zusammenhang mit ‚frühkindlichen Reflexen’ spricht man von auch von der sog. ‚Pallidumeigenschaft’, d. h., dass hier die ‚Antwort’ auf Reize (v. a. auf Reize, die über die Haut und das Labyrinth im Innenohr vermittelt werden) noch recht undifferenziert erfolgt; der Reflexbogen verläuft nicht über das Großhirn, sondern über Thalamus und Pallidum.

 

Die ‚Hintere Zentralwindung’ (= Gyrus postcentralis) enthält das sensible Rindenfeld.

 

Der NUCLEUS RUBER gibt seine Impulse an die ‚Bahnen’:

 

- Tractus rubrospinalis

- Tractus rubroolivaris

- Tractus rubrotectalis

- Tractus rubrothalamicus

 

 

Quellen:

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’, ‚Naturheilpraxis heute’, DocCheckFlexikon

 

Siehe auch:

Wunderwerk Gehirn: Substantia alba, grisea, nigra

 

 

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