Bahnen im Mittelhirn

 

Das Mittelhirn besteht aus:

 

TECTUM MESENCEPHALI

Substantia grisea centralis; COLLICULI SUPERIORES und INFERIORES

 

TEGMENTUM MESENCEPHALI

Mittelhirnhaube mit den Hirnnervenkernen der Hirnnerven III., IV. und Teilen des V. (N. OCULOMOTORIUS, N. TROCHLEARIS, N. TRIGEMINUS)

 

CRURA CEREBRI

Hirnschenkel; durch diese verläuft:

 

- Die PYRAMIDENBAHN (s. Großhirn).

- Der 'Tractus corticopontinus' (s. Großhirn).

- Die 'Fibrae corticuloreticulares'* (= Teil der Pyramidenbahn)

 

* Die Fasern verlaufen bis zu den motorischen Hirnnervenkernen (s. Großhirn).

 

Übersicht:

 

Tractus mesencephali nervi trigemini

Tractus habenulo-interpe-duncularis

Tractus tegmentalis centralis

Tractus rubro-spinalis

Tractus spino-tectalis

Tractus tecto-spinalis

Trigeminusfasern zum NUCLEUS TRACTUS NERVUS TRIGEMINI im Mittelhirn

Von den NUCLEI HABENULARES des Epithalamus (im Zwischenhirn) zum NUCLEUS INTERPE-DUN-CULARIS im Tegmentum mesencephali (= Mittelhirnhaube)

Vom NUCLEUS RUBER und den NUCLEI TEGMENTI zu den motorischen Wurzelzellen der Gehirn- und Rückenmark-nerven

Vom NUCLEUS RUBER zu den VORDERHORN-ZELLEN in der ‚Substantia grisea’ des Rückenmarks

Reflexbahn; verläuft im TRACTUS SPINO-THALAMICUS ANTERIOR(s. Vorder-seiten-strangbahn) zu den COLLICULI SUPERIORES (Sehbahn)

 

Verläuft vom MITTELHIRN-DACH im VORDER-SEITEN-STRANG zu den VORDER-HORN-ZELLEN des Rückenmarks im Halsmark; leitet Flucht- und Abwehr-reflexe

 

 

 

 

Tractus habenulointerpeduncularis

= Fasciculus retroflexus

Von den NUCLEI HABENULARES des Epithalamus (im Zwischenhirn) zum NUCLEUS INTERPEDUNCULARIS im Tegmentum mesencephali (= Mittelhirnhaube).

 

Der EPITHALAMUS ist ein Teil des Zwischenhirns (= Diencephalon). Er besteht aus der HABENULA (= Zirbelstiel) und der EPIPHYSE (= Zirbeldrüse).

 

Der Zirbelstiel besteht aus zwei dünnen Markbündeln; diese verbinden die EPIPHYSE mit den STRIAE MEDULLARES THALAMI (= markhaltiges Faserbündel auf dem THALAMUS).

 

Der NUCLEUS INTERPEDUNCULARIS liegt über der ‚Fossa interpeduncularis’, einer Vertiefung zwischen den HIRNSCHENKELN (= Crura cerebri).

Er leitet Impulse weiter an die FORMATIO RETICULARIS, und er erhält Fasern aus dem EPITHALAMUS und aus dem LIMBISCHEN SYSTEM.

 

Zum 'Limbischen System' gehören v. a.:

 

- Hippocampus

- Amygdala

- Indusium griseum (= Schicht der ‚Substantia grisea’ auf dem Corpus callosum = Balken)

- Septale Kerne

- Nucleus habenularis

- Nuclei anteriores thalami (= Nuclei ventrales anterior)

 

Die NUCLEI VENTRALES ANTERIOR erhalten Erregungen aus dem Pallidum, Kleinhirn und dem NUCLEUS INTERSTITIALIS und geben sie weiter an die Großhirnrinde.

 

Der NUCLEUS INTERSTITIALIS in der FORMATIO RETICULARIS im Mittelhirn erhält auch Fasern aus den NUCLEI VESTIBULARES, aus dem Pallidum und aus der ‚grauen Schicht’ der COLLICULI SUPERIORES (‚obere Vierhügel’; Teil der Sehbahn).

 

Aus diesem Kern entspringt ein Teil der Fasern des FASCICULUS LONGITUDINALIS MEDIALIS.

Er liegt im rückseitigen (= dorsalen) Teil der Brücke; es ist ein ‚auf- und absteigendes’ Fasersystem und verbindet und koordiniert die motorischen Hirnnervenkerne miteinander und den Vestibularapparat mit der Augen-, Hals- und Rumpfmuskulatur, u. a. auch die Kau-, Zungen- und Schlundmuskeln beim Sprechen und Schlucken (s. a. 'Tractus corticopontini').

 

Motorische Hirnnerven bzw. Hirnnervenkerne und ihre jeweiligen ‚Versorgungsgebiete’:

 

III. Hirnnerv

N. OCULOMOTORIUS

Versorgt vier der sechs äußeren Augenmuskeln.

IV. Hirnnerv

N. TROCHLEARIS

Versorgt den oberen schrägen Augenmuskel.

V. Hirnnerv

N. TRIGEMINUS; 3. Ast: N. MANDIBULARIS

Versorgt alle Kau- und Mundbodenmuskeln.

VI. Hirnnerv

N. ABDUCENS

Versorgt den äußeren geraden Augenmuskel.

VII. Hirnnerv

N. FACIALIS

Versorgt die mimische Muskulatur des Gesichts.

IX. Hirnnerv

N. GLOSSOPHARYNGEUS

Versorgt die Rachenmuskeln.

X. Hirnnerv

N. VAGUS

Versorgt den Kehlkopfbereich.

 

Tractus mesencephalicus nervi trigemini

Trigeminusfasern zum NUCLEUS TRACTUS NERVUS TRIGEMINI im Mittelhirn.

 

Der NERVUS TRIGEMINUS hat drei Äste:

1. N. OPHTALMICUS (Augenhöhlennerv):

Versorgt Augenhöhle und Stirn.

2. N. MAXILLARIS (Oberkiefernerv):

Versorgt die Gesichtshaut unterhalb der Augenhöhle, Nasenschleimhaut, Oberlippe und Zähne des Oberkiefers.

3. N. MANDIBULARIS (Unterkiefernerv):

Versorgt Unterlippe, Zahnfleisch und Zähne im Unterkiefer und motorisch alle Kau- und Mundbodenmuskeln.

 

 

Tractus rubrospinalis

Vom NUCLEUS RUBER zu den VORDERHORNZELLEN in der ‚Substantia grisea’ des Rückenmarks.

 

Der NUCLEUS RUBER liegt in der Mittelhirnhaube (= Tegementum mesencephali); er ist Teil des ‚extrapyramidalen Systems’:

 

Zu den ‚extrapyramidalen Bahnen’ zählt man alle 'absteigenden' Bahnen, die nicht zur PYRAMIDENBAHN gehören. Sie verlaufen im VORDERSEITENSTRANG* des Rückenmarks und enden – direkt oder indirekt – an den motorischen VORDERHORNZELLEN. Es sind u. a.:

 

- Tractus rubrospinalis

- Tractus vestibulospinalis

- Tractus reticulospinalis

 

* Den ‚Vorder- und Seitenstrang’ des Rückenmarks bezeichnet man meist als ‚Vorderseitenstrang’.

Zu den VORDERSEITENSTRANGBAHNEN gehören:

 

- Tractus spinocerebellares

- Tractus spinothalamicus lateralis

- Tractus spinothalamicus anterior

 

Das ‚extrapyramidale System’ steuert v. a. unsere ‚unwillkürliche’ Motorik und unseren Muskelgrundtonus. Und es verfeinert die ‚Willkürmotorik’ (Ausdrucks- und Abwehrbewegungen, Gleichgewichtsbewegungen).

Die Kerngebiete dieses Systems sind u. a. ...

 

- Pallidum

- Substantia nigra

- Nucleus ruber

- Nucleus vestibularis lateralis (Ursprung des ‚Tractus vestibulospinalis’)

- Nucleus dentatus (Kleinhirn)

 

… und sie haben Verbindung zu:

 

- Großhirnrinde (indirekt über den THALAMUS)

- Kleinhirn

- visuellem System (‚Colliculi superiores’)

- Gleichgewichtssinn

 

Die VORDERHÖRNER enthalten motorische Nervenzellen (Motoneurone*); sie sind wichtig für die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum (‚Propriozeption’ = Tiefensensibilität).

 

Der NUCLEUS RUBER liegt im Mittelhirn und ist eine wichtige Schaltstelle im ‚motorischen System’.

 

Die Fasern des 'Tractus rubrospinalis' verlaufen im SEITENSTRANG des Rückenmarks, in der 'weißen Substanz' (= Substantia alba) zwischen Vorder- und Hintersäule*.

 

* Die 'Vordersäule' enthält u. a. die Motoneurone (= Alpha- und Gammamotoneurone); die 'Hintersäule' enthält sensible Nervenzellen.

 

Alpha- und Gammamotoneurone liegen in den VORDERHÖRNERN des Rückenmarks (‚VORDERHORNZELLEN’; 2. motorisches Neuron). Alphamotoneurone innervieren die Muskelfasern außerhalb der Muskelspindel (= extrafusal), Gammamotoneurone die Fasern innerhalb der Muskelspindel (= intrafusal). 

Muskelspindeln sind ‚Sinnesorgane’ und wichtig für die Wahrnehmung der ‚Tiefensensibilität’ (= Propriozeption; Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum).

 

Der TRACTUS RUBROSPINALIS versorgt die BEUGEMUSKELN (Flexoren).

 

 

Tractus spinotectalis

Reflexbahn; verläuft im TRACTUS SPINOTHALAMICUS ANTERIOR

(Vorderseitenstrangbahn*) zu den COLLICULI SUPERIORES.

 

Die COLLICULI SUPERIORES sind die ‚oberen Vierhügel’ der ‚Vierhügelplatte und an die Sehbahn angeschlossen.

 

* Den ‚Vorder- und Seitenstrang’ des Rückenmarks bezeichnet man meist als ‚Vorderseitenstrang’. Zu den VORDERSEITENSTRANGBAHNEN gehören:

 

- Tractus spinocerebellares

- Tractus spinothalamicus lateralis

- Tractus spinothalamicus anterior

 

Die Fasern der VORDERSEITENSTRANGBAHNEN entspringen jeweils aus HINTERHORNZELLEN im Rückenmark, kreuzen zum größten Teil in der 'Commissura alba' (= weiße Substanz) des Rückenmarks auf die Gegenseite, steigen im VORDERSEITENSTRANG auf und enden:

 

- In der 'grauen Substanz' (= Substantia grisea) des Rückenmarks.

- In der 'Formatio reticularis' des Rauten- oder Mittelhirns*.

- Im Tectum mesencephali (COLLICULI SUPERIORES und INFERIORES*).

- Im THALAMUS.

 

Sie leiten Schmerz-, Temperatur-, Druck- und Berührungsempfindungen (= ‚protopathische Sensibilität’).

 

* Zum Rautenhirn (= Rhombencephalon) gehören: Kleinhirn (= Cerebellum), Brücke (= Pons) und Medulla oblongata (= Nachhirn).

 

* Das Mittelhirn (= Mesencephalon) besteht aus: Tectum mesencephali mit 'Substantia grisea centralis, Colliculi superiores und inferiores (= bilden die 'Vierhügelplatte; Teil der Seh- bzw. Hörbahn), Tegmentum mesencephali (= Mittelhirnhaube), Crura cerebri (= Hirnschenkel).

 

Die 'Mittelhirnhaube' enthält auch die Hirnnervenkerne der Hirnnerven III., IV. und zum Teil V. (N. OCULOMOTORIUS, N. TROCHLEARIS, N. TRIGEMINUS), den NUCLEUS RUBER und die NUCLEI RAPHES.

 

 

Tractus tectospinalis

Verläuft vom MITTELHIRNDACH im VORDERSEITENSTRANG zu den VORDERHORNZELLEN des Rückenmarks im Halsmark.

 

Der TRACTUS TECTOSPINALIS leitet optisch und akustisch ausgelöste Flucht- und Abwehrreflexe.

 

Mittelhirndach = TECTUM MESENCEPHALI: Es enthält die ‚Vierhügelplatte’ mit den COLLICULI SUPERIORES und INFERIORES (= den oberen und unteren ‚Hügeln’); sie sind an die Seh- bzw. Hörbahn angeschlossen.

 

 

Tractus tegmentalis centralis (Zentrale Haubenbahn)

Vom NUCLEUS RUBER und den NUCLEI TEGMENTI zu den motorischen Wurzelzellen der Gehirn- und Rückenmarknerven.

 

Die Fasern übertragen ‚absteigende’ (= efferente) Impulse.

 

Der NUCLEUS RUBER liegt in der Mittelhirnhaube (= Tegmentum mesencephali) und ist eine wichtige Schaltstelle im ‚motorischen System’.

 

Die NUCLEI TEGMENTI liegen in der FORMATIO RETICULARIS* im Bereich der Mittelhirnhaube.

 

* Formatio reticularis = Netz aus 'grauer und weißer Substanz'; verläuft von der Medulla oblongata bis ins Zwischenhirn und abwärts bis zu den motorischen VORDERHORNZELLEN des Rückenmarks; vermittelt lebenswichtige reflektorische Erregungen, steuert vegetative Funktionen, koordiniert Reflexe zu Bewegungsabläufen und verarbeitet 'aufsteigende' Erregungen als 'Informationen' für die Großhirnrinde.

 

 

Quellen und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch ‚Pschyrembel’ und ‚Naturheilpraxis heute’

 

 

Siehe auch:

Wunderwerk Gehirn etc.

 

 

 

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