Hörbahn

 

Sie ist eine sog. 'afferente' (= zuführende) Leitungsbahn - d. h., sie leitet akustische Erregungen aus der 'Peripherie' zum ZNS (= Zentrales Nervensystem = Gehirn und Rückenmark).

 

-> Schallwellen lösen 'Endolymphbewegungen' aus (Endolymphe = Flüssigkeit im häutigen Labyrinth = Innenohr). Die Haarzellen im Corti-Organ (-> Gehörschnecke) übersetzen diese Schallwellen in Signale und leiten sie weiter - u. a. über den Nervus vestibulocochlearis zur 'primären Hörrinde'.

(-> Die meisten Fasern ... ziehen zur Gegenseite ...).

 

"Das auditive System zeichnet sich durch viele neuronale Schaltstationen auf Hirnstammniveau aus und ist somit in seiner Neuronalstruktur komplexer als das visuelle."

Dr. Brita Schirmer

 

Stichworte:

 

1. Neuron - 2. Neuron - Pars cochlearis - Nuclues cochlearis - Corpus trapezoidum - ventraler und ipsilateraler Anteil - Striae medullares der Rautengrube - Kerne des Trapezkörpers - laterale Schleife (Lemniscus lateralis) - Verbindung zum Colliculus caudalis der Vierhügelplatte - 3. Neuron - über Brachium colliculi caudalis - Corpus geniculatum mediale - letztes Neuron - Hörstrahlung (Radiatio acustica) - primäre akustische Rindenfelder im Schläfenlappen - Umschaltungen in den medialen Kniehöckern - Kollateralen für Reflexe auf akustische Reize - Parallelschaltung der Neurone (Nervenzellen) der Formatio reticularis* mit den afferenten (= zuführenden) Abschnitten

 

* Formatio reticularis = System markhaltiger Fasern und 'Nervenknoten'; verläuft von der Medulla oblongata bis ins Zwischenhirn. Dieses System ermöglicht die Vermittlung lebenswichtiger reflektorischer Erregungen, die Steuerung vegetativer Funktionen (= Funktionen, die nicht unserem Willen und Bewusstsein unterliegen), die Koordination von Reflexen zu Bewegungsabläufen und die Verarbeitung 'zuführender' Erregungen - als Informationen für die Großhirnrinde.

 

Hörzentrum

 

Es besteht aus dem akustischen Wahrnehmungsfeld in beiden Schläfenlappen (-> eine Zerstörung führt zur sog. 'Rindentaubheit') und aus dem akustischen Erinnerungsfeld. Dieses steht in enger Verbindung mit dem 'sensorischen Sprachzentrum' (= Wernicke-Zentrum) - dem Zentrum für das Sprachverständnis.

 

Eine Schädigung des Hörzentrums führt zu 'akustischer Agnosie' und zu 'kortikaler sensorischer Aphasie' (-> siehe Glossar).

 

 

Die Gehörknöchelchenkette

 

Es gibt drei 'Gehörknöchelchen' in der 'Paukenhöhle'.

-> Die Paukenhöhle ist eine kleine, luftgefüllte Knochenhöhle im 'Felsenbein'; das Felsenbein enthält das Innenohr*.

Die Gehörknöchelchen heißen:

Hammer, Amboß und Steigbügel

 

* Das Innenohr (= sog. 'Labyrinth') besteht aus zwei Anteilen:

Dem knöchernen Labyrinth und dem häutigen Labyrinth.

Im häutigen Labyrinth liegen:

- Schnecke

- Corti-Organ (zur 'Schallaufnahme')

- Sacculus, Utriculus und die drei 'Bogengänge' für die 'Gleichgewichtsempfindung'

 

Der Utriculus

-> Kontrolliert die waagrechte Lage, v. a. die des Kopfes.

 

Der Sacculus

-> Ist wichtig für die 'Senkrechte', für die 'Vertikalität'.

-> Ist klangempfindlich, kann allerdings Klänge nicht 'analysieren'.

 

Die Bogengänge

-> Bestimmen die 'Lage im Raum'.

-> Jeder Bogengang ist über den 'Hirnstamm' mit den Augenmuskelkernen verbunden.

 

Die sog. 'Gehörknöchelchenkette' wandelt Luftschwingungen, die auf dem Trommelfell eintreffen, in die sog. 'Knochenschwingung' um.

 

Diese 'Kette' dämpft starke Trommelfellschwingungen, damit das Innenohr nicht geschädigt wird durch extreme Vibrationen oder starken Lärm:

  • Der 'Trommelfellspanner' (Musculus tensor tympani) kontrolliert die Spannung des Trommelfells.
  • Der 'Steigbügelmuskel' (Musculus stapedius; ein STRECKMUSKEL!) beeinflusst die Beweglichkeit der Gehörknöchelchenkette und damit die 'Feineinstellung': Durch den sog. 'Stapedius-Reflex'.

Der Stapedius-Reflex (Stapediusreflex)

 

Bei großem 'Lärm' spannt sich der 'Steigbügelmuskel' reflexartig an, versteift die Gehörknöchelchenkette und schützt das Innenohr vor lautem 'Schall'. Die Schwingungsübertragung auf die Perilymphe im Innenohr wird abgeschwächt ...

 

-> Dieser Reflex wird also normalerweise durch lauten Schall ausgelöst ...

 

Der 'Musculus stapedius' wiederum wird versorgt vom 'Nervus stapedius', einem Ast des 'Nervus facialis' (= VII. Hirnnerv; Gesichtsnerv -> siehe Hirnnerven).

 

Der Nervus facialis kann leicht durch äußere Einflüsse geschädigt werden. Und bei einer Schädigung dieses Nervs - und damit des Nervus stapedius - kann es zu einer erhöhten Schallempfindlichkeit (= Hyperakusis) - wie sie ja viele 'Menschen im Autismus-Spektrum' haben - kommen ...

 

-> Siehe auch 'Fragen, Fragen, Fragen - Schreckstarre'; 'Wunderwerk Mensch - Reflexe'; 'Wunderwerk Gehirn - Hirnsinus' etc.

 

 

VIII. Hirnnerv - Nervus vestibulocochlearis

Hör- und Gleichgewichtsnerv

 

Er ist ein sog. rein 'sensorischer Nerv'.

(-> Sensorische Nerven leiten die Empfindungen aus den Sinnesorganen zum Gehirn)

 

Der Hör- und Gleichgewichtsnerv leitet die Erregungen aus dem Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) und dem Hörorgan im Innenohr (Schnecke) zum Thalamus; von dort weden die Erregungen an die Großhirnrinde und an weitere Hirngebiete übermittelt.

 

Er verläuft vom Innenohr durch den inneren Gehörgang ins Schädelinnere; zusammen mit den Blutgefäßen, die die Ohren 'versorgen'.

 

 

Hör- und Gleichgewichtsprüfungen

 

Gehörprüfung

 

-> Eine Hörstörung kann auch vorliegen, ohne dass der Betroffene sich dessen bewusst ist!

 

Hinweise auf eine Hörstörung können z. B. sein:

Der Betroffene versteht schlecht, wenn man sich beim Ansprechen abwendet oder wenn mehrere Personen gleichzeitig reden.

Der Betroffene antwortet nicht in einer angemessenen Lautstärke, sondern oft zu laut.

 

Einfache Hörprüfungen:

 

Jeweils seitengetrennt (-> ein Ohr wird zugehalten):

Zahlen flüstern

 

Und die sog. 'Stimmgabelprüfungen' als erste orientierende Prüfungen des Hörvermögens:

 

Weber-Versuch - Prüfung der Knochenleitung

 

Wenn man eine Stimmgabel (440Hz) auf der Kopfmitte aufsetzt, so hört ein Gesunder den Ton gleich laut auf beiden Ohren. Bei einer Störung der Schalleitung wird der Ton im 'kranken' Ohr gehört, bei einer Störung der Schallempfindung (Innenohrschädigung) wird der Ton im 'besser' hörenden Ohr wahrgenommen.

 

Rinne-Versuch - Vergleich zwischen Luft- und Knochenleitung

 

 

Die Stimmgabel wird auf den 'Warzenfortsatz' (-> hinter der Ohrmuschel) aufgesetzt. Nachdem der Ton verklungen ist, wird die Stimmgabel vor das Ohr gehalten: Gesunde - und auch Innenohrschwerhörige - hören den Ton über die 'Luftleitung' wieder. Bei einer Schalleitungsschwerhörigkeit hört man den Ton länger über die 'Knochenleitung' (= Schalleitung über die Schädelknochen zum Innenohr).

 

Gleichgewichtsprüfung

 

Tretversuch

 

 

'Auf der Stelle treten', ca. eine Minute lang: Wenn eine einseitige Störung des Gleichgewichtsorgans vorliegt - oder Kleinhirnstörungen -, so dreht sich die 'Körperachse' dabei um mehr als 45 Grad zur kranken Seite.

 

Stehversuch

 

 

Mit geschlossenen Füßen stehen, zunächst mit offenen Augen, dann die Augen schließen:

Wenn dann der Stand 'unsicher' wird und eine 'Fallneigung' nach einer Seite auftritt, so ist dies ein Hinweis auf eine gleichseitige Störung des Gleichgewichtsorgans - oder auf eine Störung des Kleinhirns.

 

-> Kleinhirn: Ist verbunden mit der Medulla oblongata (= verlängertes Mark), dem Mittelhirn und - über die Brücke (Pons) - mit dem Großhirn und dem Gleichgewichtsorgan. Das Kleinhirn arbeitet als 'koordinierendes motorisches Zentrum'. Es reguliert die 'Grundspannung' der Muskeln, stimmt Bewegungen aufeinander ab. Durch die Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan steuert es die Körperpositionen zur 'Aufrechterhaltung des Gleichgewichts'. Es bekommt ständig Informationen über Muskel- und Gelenkstellungen (über 'aufsteigende Kleinhirnbahnen' des Rückenmarks). Und es ist mit der 'absteigenden Pyramidenbahn' verbunden - um 'beabsichtigte Bewegungen' zu kontrollieren ...

 

 

Quelle und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch 'Pschyrembel', 'Naturheilpraxis heute', Wikipedia - und z. B. Sarah Neef - 'Im Rhythmus der Stille'  und Alfred Tomatis - 'Der Klang des Universums'

 

-> Siehe auch: 'Hormone & Co.: Vitamine, Enzyme ...'; 'Zum Nachdenken: Cholin, Projektionsbahnen' etc.

 

 

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