Blogbuch-Gedanken …

 

 

Selbstbezogenheit

 

 

… und ein bisschen auch ein „Offener Brief“ an den Verein „Autismus verstehen e. V.“ anlässlich des Berichts im Reutlinger General-Anzeiger vom 28.10.2017: „Ein Leben unter der Glasglocke“ - zur Bildunterschrift:

  • „Autismus bedeutet Selbstbezogenheit und extreme Sensibilität. Oft ist für die Betroffenen der soziale Rückzug die Konsequenz.“

 

Diesem Begriff „Selbstbezogenheit“ würde ich gerne andere „Selbst“-Begriffe gegenüberstellen, Begriffe, die einerseits die „Autismus-Problematik“ näher erklären und dabei auch wichtige Zusammenhänge aufzeigen, und die andererseits aber auch nicht den Eindruck entstehen lassen, …

  • … als säßen Temple Grandin, Liane Holliday Willey, Jasmine Lee O’Neill, Donna Williams, Rudy Simone, Gunilla Gerland, Susanne Schäfer, Sabine Kiefner, Christine Preißmann - und viele andere - in einem (übrigens symbolträchtig: von außen verschlossenen!) Glas und würden nur selbstbezogen um sich selbst kreisen,

  • … und wäre diese Selbstbezogenheit nicht, so wären sie auch nicht sozial isoliert.   

 

Deshalb:

Zum Nachdenken …

 

Es wäre …

 

 

… hilfreich, wenn im Zusammenhang mit Autismus nicht von „Selbstbezogenheit“ die Rede wäre, sondern stattdessen von „Selbst“-Schutz und damit auch von einem Rückzug, um sich selbst zu schützen: Als Reaktion auf ein Nicht-verstanden-, Nicht-wertgeschätzt-Werden; aus Unsicherheit, Ängstlichkeit; wenn die Kraft nicht mehr reicht, die Sprache fehlt, der Schmerz zu groß wird, das Ausgelacht-, Angeschrieen-Werden zu laut etc.

 

 

… hilfreich, im Zusammenhang mit Autismus auch das „Selbst“-Bewusstsein „Betroffener“ zu betrachten und danach zu fragen, wie sie „sich erkennen und Vertrauen in die eigene Persönlichkeit“ [Definition Selbstbewusstsein lt. Wikipedia] aufbauen können, wenn sie - mehr oder weniger - ständig negatives „Feedback“ bekommen, ihnen vermittelt wird, dass sie nicht „richtig“ sind, nicht „richtig“ denken, „richtig“ handeln etc.

 

 

… hilfreich, auch von einem sich auf sich „selbst“ konzentrieren müssen, um überhaupt (motorisch, sensorisch) funktionieren zu können, zu reden.

 

 

Und auch hiervon zu reden wäre hilfreich:

  • "Wir haben keine emotionale Haut, die uns beschützt. Wir sind allem direkt ausgesetzt, deshalb verstecken wir uns.“

[Liliana in Tony Attwood: „Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom“; TRIAS 2007/08; S. 217]

  • Ja. Und irgendwann wollen wir uns dann vielleicht auch gar nicht mehr finden lassen …?!

 

Bei Autismus also grundsätzlich von einer „Selbstbezogenheit“ auszugehen, ist ebenso oder ebenso wenig zutreffend, als es dies auch bei Nicht-Autismus wäre - und ohne Blick vor allem auf „neurologische Zusammenhänge“ ist Autismus nicht verstehbar.

 

Vielleicht wäre ja auch ein Verein „Nicht-Autismus verstehen e. V.“ hilfreich und könnte dazu beitragen, dass sich „beide Seiten“ besser verstehen und austauschen können - und dieser Vorschlag ist durchaus ernst gemeint.

 

 

Danke fürs „Zuhören“. Und bitte nicht einfach „zerreden“.

Und Glückwunsch zum „Leuchtturm-Preis 2017“!

 

 

 

Zum Weiterlesen bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbewusstsein

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Identität

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstwert

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Egozentrik

https://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus 

 

 

Und siehe auch:

Blogbuch - Archiv

Diskussionsseite – Zuschreibungen

Nachtrag, Noch ein Nachtrag

Zum Nachdenken – PDA, Tantrums, Theory of Mind

Was uns nicht hilft, Was uns hilft

Etc.

 

Und:

Interview der Woche im Reutlinger Wochenblatt vom 25.10.2017: „Autismus verstehen“

 

 

03.11.2017

 

 

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