Parasympathikus

 

Der Parasympathikus wird eingeteilt in einen kranialen, sakralen und spinalen Teil.

 

Seine ‚Ursprungszentren’ liegen:

 

Im Kopfbereich (kranialer Teil):

 

Im Mesencephalon (= MITTELHIRN; s. u.) -> Nervus oculomotorius:

 

Er versorgt motorisch und parasympathisch den Lidheber und vier der sechs (äußeren) Augenmuskeln

(-> Radix oculomotoria über das Ganglion ciliare*).

 

*Das ‚Ganglion ciliare’ ist ein parasympahtisches Ganglion; es liegt knapp hinter dem Augapfel.

Hier werden PRÄganglionäre Fasern aus dem Nervus oculomotorius (-> Radix oculomotoria) auf das POSTganglionäre Neuron umgeschaltet.

 

OHNE Umschaltung ziehen durch dieses Ganglion:

 

POSTganglionäre Sympathikusfasern aus dem Plexus caroticus internus (= sympathisches Nervengeflecht um die 'Arteria carotis communis internus' und deren Äste).

 

AFFERENTE (= zuführende) Fasern der Radix nasociliaris (-> aus dem ‚Augapfel’, u. a. für den Kornealreflex zuständig) aus dem Nervus ophtalmicus (= oberster Ast des Nervus trigeminus; er versorgt sensibel Augenhöhle und Stirn).

 

Im TEGMENTUM PONTIS (= Brückenhaube; s. u.) -> Nervus facialis:

 

Er versorgt parasympathisch die Tränen-, Unterkiefer- und Unterzungendrüse, Geschmacksfasern der vorderen zwei Drittel der Zunge und Teile des äußeren Gehörgangs.

 

In der MEDULLA OBLONGATA* - > Nervus glossopharyngeus:

 

Er versorgt parasympathisch die Ohrspeicheldrüse, Drüsen des Zungengrunds, Wangendrüsen, Ebner-Spüldrüsen* und den Karotissinus*.

 

Er versorgt sensibel u. a. die Paukenhöhle und Ohrtrompete, Tonsillen, Gaumenbögen und das hintere Drittel der Zunge.

 

* Medulla oblongata (= verlängertes Mark); weiße Substanz mit auf- und absteigenden Bahnen vom und zum Rückenmark.

 

* Die ‚Ebner-Spüldrüsen’ reinigen die Geschmacksknospen auf der Zunge.

 

* Der ‚Karotissinus’ ist die Erweiterung an der Teilungsstelle der rechten und linken ‚Arteria carotis communis’ (= Karotisgabelung am oberen Kehlkopfrand); hier teilen sie sich weiter auf in die ‚Arteria carotis externa und interna’.

 

-> Siehe auch Hypophyse

 

 

Im Brust- und Bauchraum -> Nervus vagus

 

Er versorgt parasympathisch:

  • Dura mater (= harte Hirn- und Rückenmarkhaut)
  • Zungenwurzel-, Gaumen- und Rachendrüsen
  • Hals-, Brust- und Bauchorgane (bis zur linken ‚Dickdarmbiegung’)

Er versorgt sensorisch u. a.:

  • Dura mater der hinteren Schädelgrube
  • Innenseite der Ohrmuschel
  • Teile des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells

Im Sakralbereich des Rückenmarks entspringen dünne, markhaltige Fasern (= weiße Substanz) zur Versorgung des unteren Bauchraumes und des Beckens.

 

Sie wirken:

 

-  Gefäßerweiternd.

-  Schweißhemmend.

-  Pilomotorisch (= Aufrichten der Haare bei Berührung, Kälte oder emotionellen Reizen).

 

Der Parasympathikus versorgt also:

  • Musculus sphincter pupillae (-> Verengung der Pupille)
  • Musculus ciliaris (-> Nah- und Fernakkomodation)
  • Tränendrüse
  • Speicheldrüsen
  • Schweißdrüsen
  • Rachen
  • Kehlkopf
  • Herz
  • Lungen
  • Magen-Darm-Trakt (vom Ösophagus bis zum Cannon-Böhm-Punkt des Colon transversum; ‚Grenze’ zwischen den Versorgungsgebieten des Nervus vagus* und des Parasympathikus)
  • Leber
  • Pankreas (= Bauchspeicheldrüse)
  • Niere
  • Colon descendens (= absteigender Teil des Dickdarms)
  • Rektum (= Mastdarm)
  • Anus
  • Blase
  • Harnröhre
  • innere und äußere Geschlechtsorgane

* Der Nervus vagus ist der Hauptnerv des parasympathischen Systems mit überwiegend parasympathischen Fasern, die einen Teil der Halsorgane, die Brust und Baucheingeweide versorgen; motorisch und sensibel versorgt er den Kehlkopfbereich.

 

Er leitet Impulse von den Organen zum ZNS (afferent = zuführend) und Impulse an die ‚glatte Muskulatur’ und für die Sekretion an innere Organe (efferent = wegführend); der Gegenspieler ist hier der Sympathikus.

 

'Glatte Muskulatur' arbeitet unabhängig von unserem Willen; sie findet sich in den Wänden von Hohlorganen (Magen, Darm, Gallenblase, Blutgefäße, Haarbälge, Augen).

 

 

Zum Nachdenken ...

Im Parasympathikus erfolgt die Umschaltung ‚Organ-nah’, meist erst in der Wand des ‚Zielorgans’, und daher ist das PRÄGANGLIONÄRE Neuron lang und das POSTGANGLIONÄRE kurz.

Im Sympathikus erfolgt die Umschaltung ‚Wirbelsäulen-nah’; das PRÄGANGLIONÄRE Neuron ist dadurch kurz, und das POSTGANGLINÄRE Neuron lang.

 

 

Anatomie …

 

Im MITTELHIRN liegen das TECTUM MESENCEPHALI mit der Substantia grisea centralis (= ‚zentrales Höhlengrau’), das TEGMENTUM MESENCEPHALI (= Mittelhirnhaube) mit der Vierhügelplatte (= Colliculus superior und inferior; angeschlossen an die Hör- und Sehbahn), und die HIRNSCHENKEL (= Crus cerebri).

 

Die MITTELHIRNHAUBE enthält die Hirnnerven:

 

III. = Nervus oculomotorius = Augenmuskelnerv; er versorgt motorisch mit parasympathischen Anteilen:

 

- Den Lidhebermuskel.

- Vier der sechs quergestreiften* (äußeren) Augenmuskeln.

 

* Quergestreifte Muskulatur = willkürlich steuerbar.

 

IV. = Nervus trochlearis = Augenmuskelnerv; motorischer Nerv, er versorgt:

 

- Den äußeren geraden Augenmuskel.

 

V. = Nervus trigeminus (Teile) = sog. Drillingsnerv; er versorgt jeweils sensibel:

 

- Augenhöhle und Stirn.

- Unterhalb der Augenhöhle Gesichtshaut, Nasenschleimhaut, Oberlippe und Zähne des Oberkiefers.

- Bereich des Unterkiefers (Unterlippe, Zahnfleisch und Zähne)

 

Und motorisch alle Kau- und Mundbodenmuskeln.

 

Die Mittelhirnhaube enthält auch den Nucleus ruber und die Nuclei raphes.

 

Die Mittelhirnhaube liegt zwischen der Substantia nigra und auf der Höhe des Aqueductus mesencephali (= Verbindung zwischen 3. und 4. Hirnventrikel).

 

-> Siehe auch: Mittelhirn, Substantia nigra, Hirnventrikel

 

In der BRÜCKENHAUBE liegen außerdem ein Teil der FORMATIO RETICULARIS (= weiße Substanz) und die motorischen Ursprungskerne einiger Hirnnerven (V., VI. und VII.):

 

V. = Nervus trigeminus = sog. Drillingsnerv; s. o.

 

VI. = Nervus abducens = Augenmuskelnerv; er versorgt den äußeren geraden Augenmuskel (motorisch).

 

VII. = Nervus facialis = Gesichtsnerv; er versorgt:

 

- Die mimische Muskulatur des Gesichts (motorisch).

- Tränen-, Unterkiefer- und Unterzungendrüse (parasympathisch).

 

 

Er ist auch 'zuständig' für unsere Geschmacksempfindungen in den vorderen zwei Dritteln der Zunge: Er leitet sie weiter zum Hirnstamm, und von dort werden sie weitergeleitet an die Großhirnrinde (sensorisch).

 

-> Siehe auch: Hirnnerven, Substantia alba; Diplomarbeiten etc.: Nervensystem

 

Quellen und zum Weiterlesen:

Klinisches Wörterbuch 'Pschyrembel' und 'Naturheilpraxis heute'

 

 

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