Blogbuch-Interviews …

 

 

Interview mit mir selbst

18.12.2018

 

 

Thema heute:

Vor allem ‚Schizophrenie‘. - Deshalb erst einmal zur Erinnerung ... 

 

 

LEITSYMPTOME der Schizophrenie nach Eugen Bleuler und Kurt Schneider:

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E. Bleuler

(1857 – 1939)

 

 

K. Schneider

(1887 – 1967)

 

 

GRUNDSYMPTOME:

  • Störungen des Denkens (v.a. Zerfahrenheit, Störung der Assoziationen)
  • Störungen der Affektivität (v.a. Autismus)
  • Störungen des Antriebs
  • Ambivalenz

 

BEGLEITENDE SYMPTOME

(AKZESSORISCHE SYMPTOME):

- Wahn

- Halluzinationen

- Katatone Erscheinungen

 

 

SYMPTOME 1. RANGES:

  • Dialogisierende akustische Halluzinationen, kommentierende Stimmen
  • Ich-Störungen (v.a. Gedankenlautwerden, -eingebung, -ausbreitung, -entzug)
  • Wahnwahrnehmung

 

SYMPTOME 2. RANGES:

- Sonstige Halluzinationen

- Wahneinfall

- Affektveränderungen

 

 

[Quelle: Elvira Bierbach (Hrsg.): „Naturheilpraxis heute“; Urban & Fischer 2000;

S. 1231]

 

 

Mehr Infos bei Wikipedia – bitte lesen:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Symptome_und_Diagnose_der_Schizophrenie

https://en.wikipedia.org/wiki/Diagnosis_of_schizophrenia

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F: Du bist auch sehr dafür, dass der Schizophrenie-Begriff abgeschafft wird. Warum?

 

 

 

A:

 

 

Dafür gibt es viele Gründe. Und nicht nur ich bin ja dieser Meinung.

Bitte lesen:

 

„Es gibt keine Schizophrenie“ – Sinngebung und neue Ideen für psychische Gesundheitsfürsorge

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/es-gibt-keine-schizophrenie/

 

APA: Drop the Stigmatizing Term “Schizophrenia”

https://www.madinamerica.com/2017/12/apa-drop-stigmatizing-term-schizophrenia/

 

ISPS Australia’s Response to Schizophrenia Awareness Week: Drop the Label! (by Matt Ball)

https://www.madinamerica.com/2018/05/isps-australias-response-to-schizophrenia-awareness-week-drop-the-label/

 

Thomas Insel: Rethinking Schizophrenia

https://zenodo.org/record/1233313#.W6ZvEPaYTv8

 

Renaming schizophrenia: benefits, challenges and barriers

https://www.cambridge.org/core/journals/epidemiology-and-psychiatric-sciences/article/renaming-schizophrenia-benefits-challenges-and-barriers/860D2B49DA734C9A4AEB5455D0061984/core-reader

 

 

Unabhängig von einer Umbenennung oder einer Abschaffung des Begriffes fände ich es sowieso sehr viel hilfreicher (und zwar für Patient und Arzt/Therapeut; s. auch nächste Frage), wenn statt des Begriffes ‚Schizophrenie‘ einfach deutlich benannt werden würde, was denn genau als „Störung“ beim jeweiligen Patienten angesehen wird, und somit eine gute Ausgangsbasis für die weitere Therapie - und insbesondere für Gespräche - gegeben wäre.

Wenn also …

 

  • … jemand Stimmen* hört, dies auch so zu benennen: Patient hört Stimmen.
  • … jemand Halluzinationen* hat, dies auch so zu benennen: Patient hat Halluzinationen, und zwar (bitte genau benennen: visuelle, auditorische …).
  • … sich jemand ‚verfolgt‘/abgelehnt/nicht verstanden fühlt, dies auch so zu benennen: Patient fühlt sich ‚verfolgt‘**/abgelehnt/nicht verstanden.

 

[Und aus einem Wunschdenken oder aus einem ‚sich nicht gut mitteilen können‘ sollte nicht ein ‚Wahndenken‘ konstruiert werden.]

 

* Stimmenhören oder Halluzinationen kenne ich selbst nicht, bin aber überzeugt davon, dass es auch hierfür jeweils ‚physiologische‘ Erklärungen gibt …

 

** … und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sog. ‚Wahn/Wahneinfälle‘ etwas zeigen, etwas verdeutlichen wollen, was im Moment nur noch nicht richtig durchschaut und in Worte gefasst werden kann.

 

Und man möge doch bitte auch beachten, dass dieses ‚Diagnose-Etikett‘ entstanden ist in einer Zeit, als noch nicht/noch wenig auf physiologische Zusammenhänge geachtet wurde, Medikamente auch oft nur ‚zufällig‘ und eigentlich zunächst für Anderes entwickelt wurden - und seither doch so viel mehr an Wissen über den Menschen und das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele vorhanden ist - und dieses Wissen doch auch angewandt werden sollte.

 

Erst vor ein paar Tagen wurde wieder einmal in einem Artikel deutlich, dass Schizophrenie nach wie vor wohl DIE WICHTIGSTE KRANKHEIT DER PSYCHIATRIE ÜBERHAUPT ist …

 

  • … dabei liegt die Häufigkeit des Vorkommens aber gerade mal bei 0,5 - 1 % der Bevölkerung!

 

Zum VERGLEICH …

Die Häufigkeiten von Autismus, Depressionen, Angst- und Schlafstörungen (lt. Wikipedia):

·        Autismus 2 – 3 %,

·        Depressionen 5 – 12 % (Männer), 10 – 25 % (Frauen)

·        Angststörungen 11 – 13 % 

·        Schlafstörungen 20 – 30 %

 

Warum wird denn nur immer wieder der Eindruck erweckt, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt (für Psychiater) als die ‚Schizophrenie‘?

 

Ich denke, die Psychiatrie hätte dringendere Probleme zu lösen, was auch heute (12.12.2018) wieder sehr deutlich wird, wenn ich lesen muss, dass es zunehmend suizidale und gewaltbereite Kinder gibt bei uns und auch psychische Erkrankungen bei Arbeitnehmern zunehmen.

 

Es hilft niemandem weiter (außer denen natürlich, die daran verdienen …) – und schon gar nicht unseren Kindern und Jugendlichen -, wenn jeweils immer nur Einzelne als „krank“ abgestempelt werden, und nicht auch die „Krankheiten einer Gesellschaft“ insgesamt betrachtet und ‚behandelt‘ werden!

 

 

Siehe auch:

Blogbuchgedanken

Diskussionsseite

Was ist Autismus, was ist Schizophrenie: Begriffsentstehung, Zuschreibungen 

Nachtrag, Noch ein Nachtrag

Das Autismus-Spektrum

Angst

Depressionen

Schlafstörungen

Gedankensplitter – Arztgelöbnis

Etc.

 

Bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Depression

https://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafst%C3%B6rung (Schlafstörung)

 

 

F: Hast Du einen Vorschlag für eine Umbenennung?

 

 

 

A:

 

 

Ja, den hätte ich …

Ich fände es hilfreich, wenn statt ‚Schizophrenie‘ die Begriffe oder vielmehr die Konzepte der  Anpassungs-/Angststörung und der Akuten Belastungsreaktion verwendet werden würden, da mit diesen Begriffen und Konzepten auch die damit verbundenen (vorübergehenden) körperlichen (Neurotransmitter-)Reaktionen logisch und schlüssig erklärt wären.

 

Begründen möchte ich diesen Vorschlag vor allem mit dem – leider immer noch viel zu wenig beachteten – Vulnerabilitätskonzept und dem Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Belastungen und ihren Auswirkungen auf den Hirnstoffwechsel.

 

Und weil mit diesen Begriffen/Konzepten verdeutlicht werden würde, dass …

1. es sich um Krisensituationen handelt, die therapiebar sind;

2. auch das jeweilige Umfeld eine sehr wichtige Rolle spielt und einbezogen werden muss.

 

Bei Elvira Bierbach heißt es:

  • „Je höher die Vulnerabilität eines Menschen ist, desto geringere zusätzliche Belastungen können zum Ausbruch der Erkrankung führen.“

 

[Elvira Bierbach (Hrsg.) – „Naturheilpraxis heute“; Urban & Fischer 2000; S. 1230]

 

Und ich möchte ergänzen:

Man wird nicht ‚schizophren‘ geboren, aber gegebenenfalls mit einer erhöhten ‚Vulnerabilität‘. Und das heißt für mich, dass es (unabhängig davon, was ‚Schizophrenie‘ nun tatsächlich ist oder sein soll) vorrangig (oder eigentlich einzig und allein) wichtig ist, um diese Vulnerabilität zu wissen – um für sich selbst gut sorgen zu können.

 

 

Siehe dazu auch:

Blogbuchgedanken –

Frühgeborene, Psychiatrie, Schlafparalyse, Testosteron, ‚Versuchskaninchen‘

Diskussionsseite – Migrälepsie

Dopamin & Co. – Ein Anfang, Die Stressreaktion, Dopaminhypothese

Zum Nachdenken – Mimik, Schockerlebnisse, Tantrums  

Etc.

 

Bitte lesen bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Anpassungsst%C3%B6rung (Anpassungsstörung)

https://en.wikipedia.org/wiki/Adjustment_disorder

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung (Angststörung)

https://en.wikipedia.org/wiki/Anxiety_disorder

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Akute_Belastungsreaktion

https://en.wikipedia.org/wiki/Acute_stress_reaction

 

[https://de.wikipedia.org/wiki/Stressreaktion

https://en.wikipedia.org/wiki/Fight-or-flight_response]

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Diathese-Stress-Modell

https://en.wikipedia.org/wiki/Diathesis%E2%80%93stress_model (Diathesis-stress modell)

 

 

Und vielleicht wäre es zudem hilfreich, den Neurose-Begriff auch weiterhin bzw. wieder mehr zu beachten.  

Bei Wikipedia heißt es dort u. a.:

 

  • „Zwangsstörungen (z. B. „Waschzwang“), Hysterien, Hypochondrien, Phobien (z. B. Sozialphobie), Angststörungen, schizoide und paranoide Störungen werden zu den Neurosen gezählt.
  • Als differentialdiagnostisches Kriterium zur Abgrenzung von der Psychose gilt unter anderem auch, dass die Neurotiker ihre Probleme als in ihnen selbst liegend zu erkennen vermögen, während die von einer Psychose Betroffenen im akuten Fall an dem Unvermögen leiden, ihre innere Situation (‚Stimmen hören‘ u. Ä.) von der sie umgebenden Realität zu differenzieren. …
  • Befürworter [des Neurosebegriffes] sehen zudem einen hohen praktischen und wissenschaftlichen Wert in dem Begriff; das Konzept vielfältiger Neurosen sei gleichzeitig als ein Konzept für die Vielfältigkeit von Persönlichkeitsstrukturen zu werten.“

 

Bitte lesen – WICHTIG:

https://de.wikipedia.org/wiki/Neurose

https://en.wikipedia.org/wiki/Neurosis

 

https://en.wikipedia.org/wiki/Positive_disintegration

 

 

F: Erkennst Du so etwas wie einen ‚roten Faden‘ in Deinem Leben?

 

 

A:

 

Ja, schon. Es ist nach wie vor sehr schwierig für mich, Menschen zu verstehen und auch mich selbst verständlich zu machen, und mir wird mehr und mehr bewusst, wie sehr dieses Nicht-Verstehen und auch Nicht-verstanden-werden mein Leben überschattet.

 

Es ist so oft immer wieder dieses Gefühl des - etwas überspitzt formuliert - „Du bist nicht richtig, Du denkst nicht richtig – geh weg“, was ich wahrzunehmen glaube, wie mich meine Mitmenschen (oft) sehen.

Man spürt ja schon, ob man willkommen und wertgeschätzt ist oder eher nicht.

 

Ich beneide Oliver Sacks sehr darum, dass er - wie er in seinem Buch „On The Move“ erzählt - über viele, viele Jahre einen Ansprechpartner hatte, mit dem er über alles reden konnte, und zwar ohne dazu in eine „psychiatrische Diagnose-Schublade“ gesteckt zu werden. 

 

[… ich frage mich sowieso zuweilen, wie mein Leben wohl verlaufen wäre als Mann …]

 

 

F: Kannst Du ‚trotzdem‘ glücklich sein?  

 

 

A:

 

Ja, oft. Es gibt vieles, was mich glücklich macht:

Bücher und Musik zum Beispiel.

Wikipedia.

Freundliche Menschen.

 

Und Sprüche …

Ich liebe Sprüche, weil man so viel aus ihnen lernen kann oder sich auch oft in seinen Ansichten bestätigt fühlt. - Ein Spruch, der sehr gut zum Thema passt, wäre zum Beispiel dieser hier:

 

  • „Es gibt zwei Arten von Männern: Die einen mögen Frauen, die anderen wollen nur Macht über sie haben.“

 

[… sagt Pierce Brosnan im Film ‚Mamma Mia! Here We Go Again‘ zu seiner (möglichen) Filmtochter.]

 

Ja. Und diesen Satz kann man, denke ich, auch ganz gut auf Psychiater und auf Menschen ganz allgemein anwenden:

 

  • Es gibt zwei Arten von Psychiatern/Menschen: Die einen mögen ihre Patienten/mögen Menschen, die anderen wollen nur Macht über sie haben. 

 

[… und dann gibt es natürlich auch noch die, denen es nur ums Geld geht oder nur um Geld und Macht … :-(]

 

 

F: Hast Du einen Weihnachtswunsch?

 

 

A:

 

Ja, natürlich - siehe oben … 

 

 

 

 

Danke fürs 'Zuhören'.

 

 

 

Und zum Weiterlesen, Nach- und ‚Querdenken‘

noch einmal die Beiträge von oben ...  

 

 

Es gibt keine Schizophrenie – Sinngebung und neue Ideen für psychische Gesundheitsfürsorge

https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/es-gibt-keine-schizophrenie/

 

 

APA: Drop the Stigmatizing Term “Schizophrenia”!

https://www.madinamerica.com/2017/12/apa-drop-stigmatizing-term-schizophrenia/

 

 

ISPS Australia’s Response to Schizophrenia Awareness Week: Drop the Label!

https://www.madinamerica.com/2018/05/isps-australias-response-to-schizophrenia-awareness-week-drop-the-label/

 

 

Thomas Insel: Rethinking Schizophrenia

https://zenodo.org/record/1233313#.W6ZvEPaYTv8

 

 

Renaming schizophrenia: benefits, challenges and barriers

https://www.cambridge.org/core/journals/epidemiology-and-psychiatric-sciences/article/renaming-schizophrenia-benefits-challenges-and-barriers/860D2B49DA734C9A4AEB5455D0061984/core-reader

 

 

... und:

 

 

“They also highlight that schizophrenia perhaps should not be considered as a stand-alone diagnosis; something that is beginning to be realised across various different behavioural labels …”

https://questioning-answers.blogspot.com/2018/11/hypovitaminosis-d-is-frequent-schizophrenia-associated-depression-anxiety.html

 

 

Autism spectrum disorders, schizophrenia and diagnostic confusion

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2928288/

 

 

The social ties between autism and schizophrenia

https://www.spectrumnews.org/features/deep-dive/social-ties-autism-schizophrenia/

 

 

Is schizophrenia on the autism spectrum?

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006899310025448

 

 

Schizophrenia prevalence may be threefold higher in people with autism

https://www.spectrumnews.org/news/schizophrenia-prevalence-may-threefold-higher-people-autism/

 

 

“Individuals with autism spectrum disorder (ASD) appear to be at increased risk of non-affective psychotic disorder (NAPD) and bipolar disorder (BD).”

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30460888

 

 

Autoimmune encephalitis with psychosis: Warning signs, step-by-step diagnostics and treatment

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30513253

 

 

Researchers Suggest Traumatic Experiences May Cause Psychotic Symptoms

https://www.madinamerica.com/2018/11/researchers-suggest-traumatic-experience-may-cause-psychotic-symptoms/

 

 

Rethinking Psychiatry Teaches about Despair, Resilience, and the Great Turning

https://www.madinamerica.com/2016/01/rethinking-psychiatry-teaches-about-despair-resilience-and-the-great-turning/

 

 

Mortification of the Self: The Impact of Stigma on Identity

https://www.madinamerica.com/2018/11/impact-stigma-identity/

 

 

What Should We Really Call Psychiatric Drugs? – “Neurotoxin”

https://www.madinamerica.com/2018/01/what-really-call-psychiatric-drugs/

 

 

The Madness of Our Mental Health System

https://www.madinamerica.com/2018/12/madness-mental-health-system/

 

 

 

Danke fürs Lesen, für Nach- und Mitdenken ... ♥

 

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