Blogbuch-Interviews …

 

 

Interview mit mir selbst

 

 

07.11.2018

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F: Du hast Dich im Beitrag ‚Blogbuchgedanken – Hans Asperger und Psychopharmaka‘ gefragt, wie sich eine solch lebensferne Psychiatrie entwickeln konnte.

 

 

 

A: Ja, ich frage mich das, weil wir doch – schon vor 40 Jahren etwa – eigentlich auf einem so guten Weg waren mit

- Friedensbewegung

- Umweltschutz

- ökologischer Landwirtschaft

- vollwertiger Ernährung

- Bildung …

 

Auch auf angenehme, gesunde (sprich: natürliche und hautfreundliche) Stoffmaterialien wurde großer Wert gelegt.

 

Jutetaschen waren angesagt: Jute statt Plastik …

 

Psychotherapie* war ‚in‘, man hat sich hinterfragt, war bereit, zu lernen, seinen ‚Horizont‘ zu erweitern. Vor allem auch Gruppentherapien* waren üblich, man sprach miteinander, übte sich in Vergangenheitsbewältigung, Konfliktlösung und einem ‚guten Miteinander‘ …

 

Und dann kamen …

Globalisierung und Privatfernsehen.

 

[Dazu ein Lesetipp, #Zeitdokument:

wiwo.de/politik/deutschland/digitalpolitik-altkanzler-schmidt-wollte-glasfaser-spitzenreiter-werden/20811640.html]

 

Privatfernsehen war ja am Anfang ganz interessant, und gerade ich als großer Columbo-Fan habe mich zunächst auch sehr darüber gefreut.

In den Anfängen gab es nur eine Werbeunterbrechung während eines Films. Als es dann aber 4 (in Worten: vier!) Unterbrechungen wurden, und der letzte Werbeblock etwa zwei Minuten vor Ende des Films (und damit kurz vor der Auflösung des jeweiligen Falles) platziert wurde, war es vorbei mit dieser Freude, und ich schaue seither auch kein Privatfernsehen mehr, und nur sehr, sehr selten nehmen wir einen Film auf und bringen so die Werbeblöcke mittels Vorspulen möglichst schnell hinter uns – aber mit Filmgenuss hat das wirklich nichts mehr zu tun.

 

  • „Heute gehört Deutschland mit gerade mal 2,7 Millionen Haushalten, die direkt an Glasfasernetze angeschlossen sind, zu den Schlusslichtern unter den Industrieländern.“

[Ebd.]

 

Oft schon habe ich mich gefragt, ob viele unserer (gesellschaftlichen) Probleme vielleicht (auch) darauf zurückzuführen sind, dass Menschen einfach vieles schnell wieder vergessen und noch dazu vielleicht auch nie so richtig in (größeren) Zusammenhängen denken - mit der Folge, dass Probleme nicht gelöst und auch nicht zumindest gebessert werden, sondern sich nur immer „weiterdrehen“.

 

So auch in der Psychiatrie: Schnelle, einfache Problemlösung durch Pillen?  

Ich hoffe inständig auf ein Umdenken in der Psychiatrie und auf ein ‚Rückbesinnen‘ darauf, wie wertvoll und wichtig Gespräche sind - und hoffe, dass dies auch unsere Krankenkassen (wieder) erkennen und bereit sind, die Zeit, die für eben diese hilfreichen Gespräche nötig ist, auch entsprechend zu honorieren.

 

* Psychotherapie, Gruppentherapie: Nein, ich habe (leider …) nicht daran teilgenommen. Zu der Zeit war ich noch mit Lernen, Lernen, Lernen und ‚Karriereplanung‘ beschäftigt (in diese Zeit fielen auch meine ersten beiden ‚Total-Crashs‘) - wobei aber ‚Karrieremachen‘ nie mein Ziel war, sondern ich schon immer „nur einfach“ etwas Sinnvolles arbeiten wollte. Und wenn ich jetzt so zurückblicke, bin ich doch eigentlich – trotz alledem - all das geworden, was ich immer werden wollte in meinem Leben, aber letztlich ganz anders, als ursprünglich gedacht.

 

Anders, als ursprünglich gedacht, ja. Als Grundschulkind wollte ich Lehrerin werden. Ich habe nach der Schule immer geübt, für mich alleine (ich war ja sowieso viel alleine als Einzelkind), und habe vor einer imaginären Klasse geübt. Ich hatte auch eine große Tafel, um „Schule“ zu spielen.

 

Später dann wollte ich zur Kriminalpolizei. Aber nicht als Kommissarin, sondern eher als Assistentin; animiert dazu hat mich das ‚Rehbeinchen‘ aus der Serie „Der Kommissar“. Diese Rolle des ‚Rehbeinchens‘ fand ich hochinteressant und faszinierend: Jemand, der im Büro bleibt und dafür sorgt, dass ‚die Männer draußen‘ ihre Arbeit machen können – eine Arbeit, die ich mir nicht zutrauen würde, aber diese Arbeit zu unterstützen, ja, das fand ich sehr sinnvoll. Und ‚Rehbeinchen‘ wurde sehr geschätzt von ihrem Chef und auch von den weiteren Mitarbeitern. Und überhaupt, dieses Zusammenarbeiten hat mich fasziniert. -  Diesen Berufswunsch habe ich leider vergessen aufgrund der weiteren Ereignisse meines Lebens …

 

Stattdessen, und wohl bedingt durch eben diese Lebensereignisse, kam dann der große Wunsch bei mir auf, Psychologie zu studieren, mit dem Ziel, Betriebspsychologin zu werden.  Betriebspsychologie war damals sehr angesagt (heute wohl leider nicht mehr?).

 

Und schreiben wollte ich eigentlich auch schon immer: Ein Buch schreiben, in aller Ruhe, fernab von allem Getöse und mit einem schönen Ausblick …

 

Nicht beabsichtigt war natürlich, dass ich am Ende nur noch allein zu Hause sitze, aber vielleicht ist es für mich letztlich doch eine gute Lösung: Mich nicht mehr ‚da draußen‘ beweisen zu müssen, und dennoch hier in meinem sicheren Heim die Möglichkeit zu haben, auch einen ‚Beitrag‘ zu dieser Gesellschaft leisten zu können.

 

Schade finde ich, dass Hausarbeit (die nun einmal dazugehört) – und insbesondere das Kochen - so abgewertet wurde in früheren Jahren und auch heute noch wird. Ich esse gern und koche deshalb auch gern, dies natürlich auch, weil ich aufgrund meiner Migräne- und Kopfschmerzanfälligkeit nicht einfach alles essen kann, sondern immer ganz genau wissen möchte, was in einem Essen so drinsteckt (und wenn ich selbst koche, so weiß ich es wirklich ganz genau …).

Im Gegensatz dazu gehört natürlich Putzen nicht zu meinen großen Leidenschaften, aber auch ich möchte es einigermaßen sauber und ordentlich haben und gestalte Putzarbeiten daher möglichst rationell - und wenn ich gerade Wichtigeres zu tun habe, so kann es eben auch einmal etwas staubig und unaufgeräumt sein.* Und aufgrund meiner beeinträchtigten Kontrastwahrnehmung sehe ich auch so manches einfach nicht. Und körperlich bin ich auch nicht so leistungsfähig, dafür kann ich aber stundenlang am Schreibtisch sitzen und (geistig) arbeiten.

 

[*Apropos: Bei einem Mann würde man eine solche Situation als selbstverständlich betrachten und würde ihn selbst deshalb nicht ‚abwerten‘ …]

 

Infos zur Serie „Der Kommissar“ gibt es bei Wikipedia.

 

 

F: Wie geht es Dir damit, jetzt also dreißig Jahre lang nicht berufstätig gewesen zu sein? Wärest Du es gerne gewesen?

 

 

 

A: Oh je, das ist schwer zu sagen. Ja, doch, als Betriebspsychologin oder im IT-Bereich hätte ich mich schon gerne eingebracht. Als jemand, der das Zehn-Finger-Schreiben noch auf einer mechanischen Schreibmaschine gelernt hat, der noch rechnen und auszählen musste, wenn es darum ging, eine Tabelle zu erstellen oder auch nur beim Einmitten einer Überschrift … Zehn Jahre lang etwa war ich ja berufstätig (nebst Fort- und Weiterbildung), und ich war von Anfang an fasziniert von Computern und all den Möglichkeiten und Arbeitserleichterungen, die dadurch gegeben waren.

 

Aber: Bei meinem großen ‚Glück‘, das ich immer habe in meinem Leben, wäre ich vermutlich auch nur wieder ‚untergegangen‘* im Berufsalltag, weil mir das entsprechende Wissen einfach fehlt/immer gefehlt hat, weil ich mir Menschen und Situationen logisch herleite/herleiten muss, was aber leider oft nicht ‚funktioniert‘, weil sich Menschen oft nicht ‚logisch schlüssig‘ verhalten (nach meinem Verständnis, meiner ‚Logik‘ …) und mir auch einfach Erfahrungswerte (vor allem positive Erfahrungen …) fehlen, da ich nie groß die Möglichkeit hatte, mich in sozialen Kontakten zu üben, und weil mein Gehirn wohl sehr langsam arbeitet (weil vielleicht auch die Festplatte inzwischen sehr voll ist?), und ich dadurch große Schwierigkeiten habe oder immer wieder bekomme, wenn es darum geht, Menschen und/oder Situationen schnell genug einzuschätzen und entsprechend reagieren zu können …

 

[Apropos ‚logisches Verhalten‘ …

Dass sich Menschen oft einfach ‚unlogisch‘ verhalten, sieht man ja zum Beispiel auch daran, dass sie immer noch nicht so ganz ‚aufgewacht‘ sind und entsprechend handeln angesichts von immer deutlicher sich zeigenden Klima- und sonstigen menschengemachten Katastrophen und wenn es darum geht, diese Erde zu schützen und zu bewahren. :-(]

 

[Apropos: Menschen einschätzen …

Ich gehe eigentlich grundsätzlich bei jedem Menschen davon aus, dass er/sie „edel, hilfreich und gut“ ist, und sollte es wider Erwarten nicht so sein, so muss man mich erst vom Gegenteil überzeugen. :-(]

 

… und vor allem möchte ich durch meine ‚Langsamkeit‘ niemandem schaden und denke inzwischen sowieso, dass ich aufgrund meiner anderen Denk- und Empfindungsweise – wenn überhaupt - nur dadurch helfen kann, dass ich von meinen Erfahrungen berichte, die dann – vielleicht – für andere hilfreich sein können.

 

* … weil auch jetzt erst – dank Auticon, SAP, Specialisterne etc. – so nach und nach mehr Verständnis für Menschen wie mich Einzug in der Arbeitswelt hält (eine Entwicklung, die mich natürlich sehr erfreut!).

 

* … und vielleicht gibt es ja tatsächlich so etwas wie eine ‚Vorsehung‘, einen (göttlichen) Plan für jedes Menschenleben – und so hat dieser eben anderes für mich vorgesehen …

Es ist mir bewusst, dass diese Äußerung für Menschen in unerträglichen Lebenssituationen sehr zynisch klingen mag, ich bin aber davon überzeugt, dass – falls es diese Vorsehung tatsächlich geben mag – es bestimmt nicht in deren Sinne ist, dass Menschen leiden müssen. Und abgesehen von Naturkatastrophen und unglücklich verlaufenden Unfällen, die großes Leid verursachen können, ist es doch leider so, dass Menschen leiden lassen – manchmal vielleicht auch unabsichtlich und unbewusst, oft aber ganz bewusst und voller Absicht ...

 

Was mir natürlich – unabhängig davon, ob es nun eine Vorsehung gibt oder nicht - sehr fehlt, ist ein eigenes Einkommen. Und nicht nur das, so langsam mache ich mir auch immer mehr Gedanken darüber, was das bevorstehende ‚Rentenalter‘ anbetrifft. Mein Ehemann ist/war all die Jahre allein- und auch ‚normalverdienend‘, was heißt, dass wir auch immer nur ein Einkommen hatten - und auch nur eine Rente* haben werden, und d. h., dass ich schon mit etwas Sorge auf die kommenden Jahre blicke (auch wenn wir natürlich, so gut es ging, privat etwas Vorsorge getroffen haben).

 

 

* Eine ‚nennenswerte‘ Rente, möchte ich ergänzen; die Höhe meiner Regelaltersrente liegt lt. aktuellem Rentenbescheid vom 13.11.2018 bei 234,66 EURO (ab 01.11.2024). [Ergänzt am 22.11.2018]

 

Menschen, die bereits in Armut und auch Altersarmut feststecken oder mit Altersarmut konfrontiert sind, haben mein vollstes Mitgefühl, und ich hoffe und wünsche, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft alles daransetzen und Sorge dafür tragen werden, diesen Missstand zu beseitigen. – Die Schere zwischen Arm und Reich ist schon viel zu weit auseinander geraten, und die, die sowieso schon viel haben, bekommen – oft ohne weiteres Zutun – noch mehr dazu, und die, die nichts haben, werden auch weiterhin nichts oder nicht genug haben …

 

[Apropos, ein Vorschlag …

Keine prozentualen Lohn- oder Rentenerhöhungen, sondern stattdessen gerechterweise eine Erhöhung durch einen Festbetrag für alle - damit nicht auch nur wieder diejenigen, die sowieso schon mehr haben, auch mehr dazubekommen, und die, die wenig haben, auch nur wieder wenig mehr bekommen.]

 

 

 

 

 

- Wird fortgesetzt. –

 

 

 

Danke fürs ‚Zuhören‘.

 

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