Blogbuch-Gedanken …

 

FND

Functional Neurological [Symptom] Disorder

 

- Neu im ICD-11 (2017) –

 

 

Dazu gehören:

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- Functional neurological symptom disorder

- Conversion disorder (CD)

- Psychogenic movement disorder / non-epileptic seizures (NES)

 

 

- Funktionelle Störungen mit neurologischen Symptomen

- Konversionsstörung

- Psychogen verursachte Bewegungsstörungen / nicht-epileptische Anfälle

 

 

 

Eine neue Diagnose im ICD-11 (= International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, für medizinstatistische Zwecke entwickeltes Verzeichnis der Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen der WHO), das demnächst erscheint.

 

 

Eine sehr hilfreiche Diagnose: In vielen der genannten Symptome bzw. „Mechanismen“ kann ich mich wiederfinden, und vieles, was im Zusammenhang mit Autismus geschildert wird, lässt sich hiermit auch gut erklären.

 

 

ÜBERSICHT:

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FND

Functional Neurological Disorder

Funktionelle neurologische Störungen

CD

Conversion Disorder

Konversionsstörung

NES

Nicht-epileptische Anfälle  

Physiologische und psychogene Anfälle (Dissoziative Anfälle, Panikattacken)

 

Auslöser:

- Akuter Schmerz

- Körperliche Verletzung

- Körperliches Trauma

- Manchmal auch Stress

Auslöser:

- Psychologischer Stressor

 

Auslöser:

- Körperliche Zustände, die den Blutzucker- und Sauerstoffgehalt und die Blutzufuhr zum Gehirn beeinflussen

- Schwere mentale und emotionale Traumen

- Migräne

- Narkolepsie

 

SYMPTOME:

- Funktionelle Bewegungsstörungen

- Schwäche der Gliedmaßen

 

SYMPTOME:

Ähnlich wie bei

- Schlaganfall

- Multipler Sklerose

- Epilepsie

- Hyperkaliämischer periodischer Lähmung

 

SYMPTOME:

- Psychogen verursachte Bewegungsstörungen

- nicht-epileptische Anfälle mit z. B.:

 

Beißen der Zungenspitze, Zucken in Armen oder Beinen (länger als 2 Minuten), Kopfbewegungen von einer Seite zur anderen, Weinen und/oder Schreien

 

 

[Conversion Disorder (CD) und nicht-epileptische Anfälle (NES) werden jeweils näher erläutert bei:

Blogbuchgedanken – FND, Unterpunkte CD und NES]

 

 

Zunächst ein paar Stichworte dazu, übersetzt aus der englischen Wikipedia:

 

 

Die Kernsymptome betreffen motorische oder sensorische Funktionen und Episoden* mit verändertem Bewusstsein/veränderter Wahrnehmung.

 

* Episode ist die psychologische Bezeichnung für eine vorübergehende, rückbildungsfähige psychische Störung. [Pschyrembel]

 

 

Wichtige SYMPTOME:

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Limb weakness or paralysis

 

Schwäche der Gliedmaßen oder Lähmungen

 

Blackouts (also called dissociative or non-epileptic seizures/attacks) – these may look like epileptic seizures or faints

 

Blackouts (auch: Dissoziative oder nicht-epileptische Anfälle, die epileptischen Anfällen oder einer Ohnmacht gleichen)

 

Movement disorders including tremors, dystonia (spasms), myoclonus (jerky movements)

 

Bewegungsstörungen einschl. Zittern, Spasmen (Krämpfen), Muskelzuckungen

 

Visual symptoms including loss of vision or double vision

 

Visuelle Symptome einschl. Sehverlust oder Doppeltsehen (Auftreten von pathologischen Doppelbildern)

 

Speech symptoms including dysphonia (whispering speech), slurred or stuttering speech

 

Sprachstörungen einschl. Dysphonie (Störung der Stimm- und Lautbildung mit Veränderung des Stimmklangs und Einschränkung der Stimmleistungsfähigkeit), undeutlichem Sprechen und Stottern

 

Sensory disturbance including hemisensory syndrome (altered sensation down one side of the body)

 

Sensorische Störungen einschl. hemisensorischem Syndrom (veränderte Empfindungen in einer Körperhälfte)

 

 

 

WICHTIG:

Patienten mit FND neigen vermehrt zu Depressionen und Angst, dies oft auch aufgrund von langjährigen Fehldiagnosen und Verdächtigungen gegen sie, sie würden nur simulieren.

 

 

Positive Zeichen:

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Hoover’s sign

= weakness of hip extension, which normalizes with contralateral hip flexion

 

Hoover’s Zeichen

= Schwäche beim Strecken der Hüfte, die sich normalisiert bei kontralateraler Hüftbeugung

Thigh abductor sign

= weakness of thigh abduction, which normalizes with contralateral thigh abduction

 

Oberschenkel-Abduktions-Zeichen

= Schwäche bei der Abduktion des Oberschenkels, die sich normalisiert bei kontralateraler Oberschenkel-Abduktion

 

Signs of functional tremor

= include entrainment and distractibility

 

Zeichen eines funktionellen Zitterns

- S. u.: Test* -

Signs of functional dystonia

= inverted ankle or clenched fist

 

Zeichen einer funktionellen Dystonie

- S. u.: Erklärung* -

Positive features of dissociative or non-epileptic seizures

= prolonged motionless unresponsiveness, long duration episodes (> 2 min.), symptoms of dissociation prior to the attack

 

Positive Zeichen dissoziativer oder nicht-epileptischer Anfälle

= länger andauernde regungslose Ansprechbarkeit, Vorfälle halten länger an als 2 Minuten, Dissoziations*-Symptome vor dem Anfall

 

 

-> Siehe dazu auch: Blogbuchgedanken – Streckmuskeln und ‚vortriebswirksame Arbeit‘

 

 

Erläuterungen zu den *-Begriffen aus der Tabelle:

 

* Ein Test zur Prüfung auf funktionellen Tremor:

Man bittet den Patienten, rhythmische Bewegungen nachzumachen, mit einer Hand oder einem Fuß.

Zeigt daraufhin der Tremor der anderen Hand denselben Rhythmus, stoppt dieser oder hat der Patient überhaupt Probleme, eine einfache Bewegung nachzuahmen, so kann dies auf einen funktionellen Tremor hinweisen.

 

 

* Dystonie – Erklärung aus dem Pschyrembel:

1. Allgemein: Fehlerhafter Tonus, z. B. von Muskeln und Gefäßen.

2. Neurologisch: Extrapyramidale Bewegungsstörung mit lang anhaltenden, unwillkürlichen tonischen Muskelkontraktionen, die zu verzerrenden Bewegungen, abnormer Körperhaltung oder Fehlstellungen von Körperteilen führen.

URSACHE:

Wahrscheinlich Störung des Dopamin-Stoffwechsels in den Basalganglien, pathologisch-anatomisch mit unterschiedlichen morphologischen Veränderungen im Putamen und anderen Kerngebieten.

Eingeteilt wird die Dystonie in I. nach der Ätiologie (Ursachen) und II. nach dem Manifestationszeitpunkt (Zeitpunkt des Auftretens der Symptome), III. nach dem Verteilungsmuster der betroffenen Muskelgruppen; mit jeweiligen Formen.

[Zum Nachdenen …: Zu den Dystonien gehören u. a.:

Tardive Dystonie -> sie ist meist medikamentös versursacht, z. B. durch Neuroleptika und andere Dopamin-Antagonisten

Oromandibuläre Dystonie -> betrifft die mimische, Kiefer- und Zungenmuskulatur]

 

 

* Dissoziation – Erklärung aus dem Pschyrembel:

= Anteilige oder vollständige Abspaltung 

- von psychischen Funktionen (z. B. Bewusstsein, Gedächtnis),

- eigener Gefühle und Körperempfindungen (z. B. Schmerz, Hunger, Durst, Angst),

- der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung.

 

 

* Poriomanie = syn. Dromomanie, Wanderdrang; Erklärung aus dem Pschyrembel:

Bezeichnung für impulsives, unvermittelt auftretendes Weglaufen oder Umherirren.

VORKOMMEN:

Z. B. bei Kindern in Konfliktsituationen, bei Depression, Epilepsie oder als Zwangshandlung.

 

 

- Hierzu bitte auch weiterlesen bei ‚Unterpunkt‘ CD -

 

 

Noch einmal …

Die Symptome der funktionellen Bewegungsstörungen und der Schwäche der Gliedmaßen können also ausgelöst werden durch:

- Akuten Schmerz

- Körperliche Verletzung

- Physisches Trauma

Manchmal auch durch Stress.

 

 

WICHTIG:

Patienten mit FND haben oft vorher weitere Erkrankungen wie z. B.:

- Reizdarmsyndrom

- Chronische Hüftschmerzen

- Fibromyalgie

 

 

Alternative Diagnosen

FND kann andere Beschwerden imitieren; dazu gehören z. B.:

 

- Hemiplegische Migräne (‘halbseitige’ Migräne)

- Multiple Sklerose

- Motoneuron-Krankheit (dazu gehört u. a. die Amyotrophe Lateralsklerose)

- Parkinson

- Autoimmunerkrankungen

- Ehlers-Danlos-Syndrom (Krankheitsbilder mit Kollagenfehlbildungen)

- Schlaganfall

- Vitamin-B12-Mangel oder perniziöse Anämie

- Myasthenia gravis

 

 

Siehe auch:

Blogbuch – Schlafparalyse, Streckmuskeln  

Diskussionsseite – Epileptoide Krankheiten, Migrälepsie

Wahrnehmung

Fragen, Fragen, Fragen – Epilepsie, Hirnlokales Syndrom

Glossar – Bindegewebe, Fibrillen (und Kollagen)

Zum Nachdenken – Myasthenie, Myotonie, Vitamin B12

 

 

Und hier habe ich noch ein paar Dinge aufgelistet/übersetzt, die ich auf weiteren Internetseiten zum Thema gefunden habe, und ich hoffe sehr, dass ich – auch hier – keine Copyright-Rechte verletze.

 

 

Quelle:

FND HOPE

 

„Diese Funktionsstörungen führen zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität, die ähnlich und in manchen Aspekten sogar schlimmer ist als bei Parkinson und Multipler Sklerose (MS).“

 

Parkinson und MS zeigen einige ähnliche Symptome wie FND/CD.

 

 

SYMPTOME, die FND HOPE anführt, sind:  

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- Bladder and Bowel Changes

- Chronic Pain

- Cognitive Changes

- Gait and Balance Problems

- Headaches and Migraines

- Involuntary Movements

- Paralysis and Weakness

- Seizures*

- Sensory Changes

- Sleep Disturbances*

- Speech Problems

- Visual Changes

 

 

- Blasen- und Darmveränderungen

- Chronische Schmerzen

- Kognitive Veränderungen

- Gang- und Gleichgewichtsstörungen

- Kopfschmerzen und Migräne

- Unwillkürliche Bewegungen

- Lähmungen und Schwäche

- Anfälle*

- Sensorische/sensible Veränderungen

- Schlafstörungen*

- Sprachprobleme

- Veränderungen des Sehens

 

 

 

WICHTIG:

Diese funktionellen Symptome können nicht bewusst herbeigeführt werden.

 

 

* Anfälle: Geschätzt haben etwa bis zu 30 % der Patienten mit FND gemischte Anfälle:

Epileptische und nicht-epileptische Anfälle

 

 

Epileptische und nicht-epileptischen Anfälle zu unterscheiden, ist nicht einfach, da sie sich sehr ähneln. Bei einem epileptischen Anfall sind größere Nervenzellgruppen über-erregbar (hyper-excitable) und über-synchronisiert (hyper-synchronised), was sich normalerweise gut in einem EEG zeigt (bis auf Ausnahmen). Nicht-epileptische Anfälle führen zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Selbstkontrolle mit mehr oder weniger ausgeprägten motorischen, sensorischen und mentalen (geistig-seelischen) Erscheinungen.

 

 

Wichtige Unterscheidungsmerkmale sind z. B.:

- Die Anfallsdauer.

- Die Bewegungen von Kopf und Gliedmaßen, falls diese auftreten.

- Die Dauer der Nicht-Ansprechbarkeit.

- Die Dauer der ‚Vorwarn-Zeit‘.

 

 

Bei nicht-epileptischen Anfällen (NES) werden zwei Formen unterschieden:

Physiologische und psychogene Anfälle

 

- Hierzu bitte weiterlesen bei Unterpunkt: NES -

 

 

Zurück zu den allgemeinen Symptomen …

 

* Erschöpfung und Schlafprobleme sind sehr verbreitet bei Patienten mit FND.

Da Schlafprobleme inzwischen auch weltweit zu einem großen Problem geworden sind, möchte ich hier noch kurz auf zwei Formen eingehen, die auch bei FND HOPE näher erläutert werden:

Insomnie und Hypersomnie

 

 

Insomnie

= Schlaflosigkeit und/oder häufiges Aufwachen während des Schlafs

 

SYMPTOME, die sich in der Folge ausbilden können, sind:

- Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme

- Depressionen

- Reizbarkeit

- Angst

- Erhöhte Unfallneigung, z. B. beim Autofahren

 

 

Hypersomnie

= Schlafstörung mit erhöhtem Schlafbedürfnis und erhöhter Einschlafneigung am Tag.  

Diese Müdigkeit fühlt sich anders an als die Müdigkeit, die durch zu wenig Schlaf entsteht.

 

SYMPTOME, die sich durch Hypersomnie ausbilden können, sind: 

- Reizbarkeit

- Energielosigkeit

- Ruhelosigkeit

- Verlangsamtes Denken

- Langsame Sprache

- Appetitverlust

- Halluzinationen

- Gedächtnisprobleme

 

 

Link zum Weiterlesen:

https://fndhope.org

 

 

Und bitte auch lesen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Functional_weakness

 

 

Quelle:

FND Dimensions

 

„Es ist nicht einfach, FND klar zu definieren …“. Professor Mark Edwards

 

 

SYMPTOME, die auf dieser Internetseite angegeben werden, sind:  

 

Bewegungs- oder motorische Symptome,

z. B. Schwäche, Zittern, Muskelkrämpfe.

 

Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen,

z. B. Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen.

 

Kognitive Symptome,

z. B. Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwäche, Benommenheit.

 

Anfälle mit ungewöhnlichen Bewegungen und Bewusstseinsstörungen,

die epileptischen Anfällen gleichen.

 

Manche Menschen erfahren mehrere dieser Symptome, manche auch nur eines davon, und auch jeweils in unterschiedlichen Schweregraden.

 

 

URSACHE:

 

Das zugrundeliegende Problem bei FND ist die Art und Weise, wie das Gehirn Informationen, die das Fühlen, Denken und Bewegen betreffen, aufnimmt/kontrolliert.

 

 

Es unterscheidet sich damit von den meisten anderen Ursachen für neurologische Symptome, die das „Basic Wiring of the Nervous System*“ schädigen, was bei FND jedoch nicht der Fall ist und sich dadurch zeigt, dass Symptome bei FND nur kurz und vorübergehend auftreten, was bedeutet, dass der zugrundeliegende „Grund-Mechanismus“ normal funktionieren kann.

 

 

* „Grund-Verdrahtung“ im Nervensystem …

 

 

Die Symptome bei FND werden verursacht durch ein „Blockieren“ des normalen (Signal-)Weges, auf dem der Körper durch das Gehirn kontrolliert wird und über den das Gehirn Informationen aus dem Körper erhält.

 

 

Da die Ursachen für FND abweichen von denen anderer neurologischer Symptome, muss auch die Behandlung anders sein und sich auf Rehabilitation und „Wieder-Erlernen“ normaler Funktionen konzentrieren, und somit auch auf die Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen, einschl.

Neurologie

Neuropsychiatrie

Physiotherapie

Psychologie

Beschäftigungstherapie

Sprachtherapie

Behandlung von Schmerzen und Erschöpfung

u. a., jeweils abgestimmt auf den Patienten.

 

 

Bei manchen Patienten kommt es zu keiner Verbesserung, bei manchen bilden sich die Symptome auch spontan wieder zurück.

 

 

Risikofaktoren für die Ausbildung von FND sind emotionale Traumen und Stress. Daher kann eine Trauma- und Stressbehandlung für Menschen, die solches erlebt haben/erleben, hilfreich sein.

 

 

Kognitive und psychologische Behandlung kann für Patienten ohne Trauma- und Stresserfahrung hilfreich sein, um spezifische Symptome/Probleme zu behandeln.

 

 

FND kommt übrigens häufiger vor als MS und Parkinson!

 

 

Link zum Weiterlesen:

http://fnddimensions.org

 

 

Bitte auch lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_(Psychologie)

 

 

Und siehe auch:

Angst

Depressionen

Schlafstörungen

Dopamin & Co. – Ein Anfang, Die Stressreaktion

Fragen, Fragen, Fragen – Schreckstarre

Zum Nachdenken – Angst-Aussagen, Schockformen

Etc.

 

 

Und bitte auch lesen:

Blogbuch – Frühgeborene, LBD/Parkinson, Propriozeption, Streckmuskeln, Testosteron

 

 

25.05.2018

 

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