Aus meinem „Archiv“ (Juni 2008; aktualisiert und mit kleinen Korrekturen):

 

Mein erster Schreib-/“Geh“-Versuch bzw. eine Zusammenstellung all dessen, was mir zum Thema Autismus wichtig erschien, was ich vermitteln wollte - und auch heute noch vermitteln möchte. Ursprünglich als Brief gedacht, aus der Sicht „Betroffener“ für am Thema Interessierte und aus dem Wunsch heraus, „Betroffenen“ eine Stimme zu geben.

 

Ich hätte mir damals sehr ein "Zuhören“ gewünscht.

Und ein behutsames Aufeinander-Zugehen.

 

Wenn es inzwischen besser zu verstehen ist, so würde es mich sehr freuen.

 

„Angst, Wut und Depressionen …“

 

 

Gedanken zu „Autismus und Asperger-Syndrom“

Gedanken zur Diagnose

 

Auf die drei Punkte – Angst, Wut und Depressionen -  möchte ich die Aufmerksamkeit ganz besonders lenken, gerade im Zusammenhang mit Autismus. V. a. auf das Thema Angst, da „Angst, ihre Ursachen und ihre Auswirkungen“ - nach meiner Erfahrung und meinen Beobachtungen (und nicht nur im Zusammenhang mit „Autismus“) – oft noch zu wenig beachtet wird.

 

„Angst“ als ganz großes Thema des „Menschseins“, die nicht wirklich wahrgenommen oder als solche immer nur von Wenigen erkannt wurde und größere Beachtung fand und in „Zusammenhänge“ gebracht wurde …

 

Angst wird also - wenn überhaupt und dann auch erst im Erwachsenenalter – beachtet, bemerkt, thematisiert …

 

Spezifische und unspezifische Ängste

 

Wenn es sich um eine konkrete, benennbare Angst handelt (z. B. Höhenangst, Flugangst), wird in einer Therapie versucht, dass der Betroffene besser mit seiner Angst umgehen kann und damit leben kann, also sich z. B. trotz Flugangst in ein Flugzeug setzen und fliegen kann.

 

Was aber, wenn man gar nicht weiß, dass man Angst hat, weil die Angst ganz tief „vergraben“ ist? Man nur immer und immer wieder dieselben Probleme hat, aber man diese nicht konkret benennen kann - was dann?

 

Hier wird es schwierig - und dabei bräuchte gerade hier ein „Betroffener“ dringend Hilfe und Begleitung. Jemanden, der ihm hilft, nach seiner „Wahrheit“ zu suchen.

Auch Erwachsene. Und ganz besonders natürlich Kinder.

 

Und wenn nun schon Erwachsene u. U. Probleme damit haben, ihre Angst zu erkennen und zu benennen und überhaupt als solche wahrzunehmen, um wieviel mehr dann ein Kind ...

 

Wie kann man also bei einem Kind erkennen, dass es Angst hat?

 

Wenn es eine Angst vor einem bestimmen Objekt ist und sich diese Angst vielleicht sogar unmittelbar beobachten lässt, ist es relativ einfach; schwieriger wird es auch hier bei „unspezifischen“ Ängsten.

 

Hilfreich kann es sein, „Angst“ zunächst einmal näher zu benennen, z. B. als:

  • Trennungs- und Verlustangst

  • phobische Angst durch bestimmte Gegenstände oder Situationen

  • soziale Angst durch Gehänselt- oder Ausgegrenztwerden, Nicht-Dazu-Gehören, finanzielle oder materielle „Einschränkungen“ etc.

  • Angst vor körperlicher Verletzung

 

usw.

 

Gerade die Trennungs- oder Verlustangst findet sich sehr häufig im Autismus-Spektrum. Diesen Punkt in eine noch dringend nötige Erörterung über „Ursachen und Wirkungen“ aufzunehmen, wäre dringend erforderlich.

 

Oft werden „autismusspezifische“ Ängste und daraus resultierende, oft unverständliche Verhaltensweisen, ausgelöst durch:

  • sensorische Überladung

  • Versagen oder vermeintliches Versagen

  • Änderungen oder Unterbrechung von Ritualen

  • Dinge, die nicht in erwarteter Weise ablaufen und eintreffen

 

Wenn solche Ängste oder Reaktionen auf Situationen bei einem Kind auftreten, sollte man unbedingt an das „Autismus-Spektrum“ als mögliche Diagnose denken und in dieser Richtung weiter nachforschen.

 

Oft führen Kinder dann „Rituale zur Angstverminderung“ durch. Das ist vielleicht nicht leicht zu erkennen, aber wenn man weiß, dass man auch in dieser Richtung nachfragen und nachforschen sollte, kann man die Angst und das daraus resultierende – oft sehr unverständliche – Verhalten eher erkennen.

 

Essstörungen lassen sich auch oft auf Angst zurückführen:

  • Untergewicht („Alarmsignal“ bei Babies und Kleinkindern!)

  • Anorexia nervosa

  • Bulimia nervosa

 

Bei jungen Männern(!) sind gravierende Essstörungen im Zunehmen begriffen. Dahinter verbergen sich oft Trauma-bedingte seelische Verletzungen. Auch bei jungen Müttern, die nach der Geburt ihres Kindes an schweren Essstörungen erkranken und dringend der Hilfe bedürfen, zeigt sich eine Zunahme der Häufigkeit.

 

Wenn man Angst nun auch versteht als Reaktion auf ein – seelisches oder körperliches – Trauma oder als Reaktion auf belastende Lebenssituationen, so muss man auch noch unbedingt einen Punkt in Erwägung ziehen:

  • Sprachlosigkeit

 

Und vielleicht ganz allgemein:

  • Sprachstörungen (z. B. Stottern)

 

Ole Sylvester Jorgensen schrieb bereits 1994 (im Original) bzw. 1998 (auf Deutsch), dass einige Kinder mit Asperger-Syndrom wiederkehrende Angst vor ganz bestimmten Dingen oder Situationen zeigen, die Angst aber vermutlich immer ihre Wurzel in einem konkreten angsterregenden Erlebnis hätte.

 

Dies schnellstmöglich zu erkennen und die entstandene Angst zu bannen und nicht weiterwachsen zu lassen, müsste oberste Priorität haben für alle, die mit Kindern zu tun haben - und Angst ist nicht nur bei Autismus-Kindern ein Thema, sondern bei vielen Kindern …

Und letztlich auch noch bei Erwachsenen.

 

Eine Welt, die immer schneller und schneller, noch bunter und noch greller und noch schriller, lauter und immer noch lauter wird, und in der tiefe Gefühle und Empfindungen, Staunen und Wundern und Fragen und Innehalten und Langsamkeit nicht mehr gefragt sind, wird letztlich auch immer bedrohlicher. Und die Seelen werden verletzt. Aber keiner spürt es mehr, weil es ja als „normal“ gilt …

 

 

Zitate von Hans Asperger zum Thema „Kind und Angst“:

  • „Wir sagten schon, die Kindheit und besonders das Kleinkindesalter sei eine Zeit besonderer Angstbereitschaft.“

 

  • „Gleichermaßen können aber auch Vorgänge in der Umwelt als unheimlich erlebt werden, das Geschehen in der Natur, Gewitter, besonders natürlich das Dunkel und die bei Finsternis so anders wirkenden schwachen Gesichts- und Gehörseindrücke (etwa das Knistern der Möbel), das Zusammentreffen mit Tieren, mit Hunden oder Insekten, weiter unverstandene technische Abläufe, z. B. (sehr häufig) das Rauschen des Wasserklosetts.“

 

  • „Die größte Bedeutung als Angstursache hat jedoch nach unsrer Überzeugung das Fehlen oder der Verlust richtiger emotionaler Beziehungen.“

 

  • „Mit der wachsenden Bewusstheit wächst auch die Erkenntnis der Größe, Gefährlichkeit und Unheimlichkeit der Welt, aus verschiedenen Erlebnissen und aus aufblitzender Erkenntnis von den Abgründen des Lebens – und all dies kann eine Quelle von Angst sein.“

 

Auch Tony Attwood schreibt über (hochbegabte) Kinder mit Asperger-Syndrom, dass diese sich „Sorgen machen über Dinge, an die andere Kinder keinen Gedanken verschwenden“. Und dass solche Kinder weniger Bewältigungsmechanismen zur Verfügung haben, um mit ihrer gesteigerten Angst, die durch eben die erhöhten intellektuellen Fähigkeiten entsteht, fertig zu werden.

 

Hans Asperger sah folgende Formen der Angst:

  • Weinszenen

  • Flucht vor Situationen, die vom Kind nicht bewältigt werden können

 

Organsymptome:

  • Einnässen, Einschmutzen (häufig bei Angstkindern)

  • Erbrechen (regelmäßig in bestimmten Situationen)

  • Herzsensationen

  • Appetitstörungen

  • Zittern

  • Schmerzzustände (besonders Kopfschmerzen)

  • Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Pavor nocturnus, also nächtliche Angstzustände, die im Zusammenhang stehen mit aktuellen Angstereignissen)

  • schlechtes Gedeihen (durch dauernde Angstsituationen)

 

  • Aggressionen aus Angst (besonders bei Kleinkindern)

  • Kurzschlussreaktionen (Davonlaufen, Selbstmord)

 

Schulsituation:

  • „Nicht selten kommt die Angst gerade in der Schulsituation dramatisch zum Ausbruch und macht schwere Probleme.“

 

Hans Asperger hat diese Kinder sehr genau beobachtet und sah:

  • Kontaktempfindliche Kinder, die diese „Umbruchphase“ als besonders krisenhaft und „unheimlich“ erleben

  • Kinder mit starken Insuffizienzgefühlen

  • Kinder, die durch ein schwieriges häusliches Milieu vorbelastet und verstärkt angstbesetzt sind

 

 

Viele „Betroffene“ erzählen auch immer von ihrem Gefühl bzw. Denken, vor allem in ihrer Kindheit:

  • „Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich bin anders.“

 

Und dies kann soweit führen, dass sie sich „minderwertig“ fühl(t)en.

 

Allein von diesem Aspekt her zeigt es sich, wie wichtig es ist, über das „Anderssein“ informiert zu sein, Bescheid zu wissen, um „besser“ damit umgehen zu können.

Um sich selbst besser zu verstehen. Und um lernen zu können, seine Stärken wahrzunehmen und diese in den Vordergrund zu rücken, und die Schwächen möglichst „abzumildern“ durch entsprechende Hilfen und Maßnahmen. Damit der Betroffene mit sich selbst besser klarkommt und mit seiner „Umwelt“ – und seine „Umwelt“ mit ihm:

 

 

Wissen. Akzeptieren. Tolerieren.

Gemeinsamkeiten entwickeln.

 

 

Zurück zur „Angst“:

 

Wie bewältigt ein Kind Angst? Warum wird ein Kind wütend? Warum traurig, depressiv? Unter Umständen sogar aggressiv? Solch ein Verhalten zeigt auf alle Fälle, dass etwas „schiefläuft“ – und Erwachsene sind hier gefordert, nach den Ursachen zu forschen und dem Kind zu helfen, aus „Angst, Wut, Ohnmacht und Traurigkeit“ wieder herauszufinden bzw. es nach Möglichkeit gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

 

Ein Kind hat ein Recht auf Freude und Wohlergehen. Ein Kind hat ein Recht darauf, ein „gesundes Fundament“ für seine weitere Zukunft zu bekommen!

 

Und dafür zu sorgen, dass es dies bekommt – in jeder Hinsicht - liegt an uns.

An uns allen. Gemeinsam.

Und darum bitte ich Sie, dass Sie daran mitarbeiten.  

Danke.

 

 

Juni 2008

 

 

Diagnose Autismus bzw. Asperger-Syndrom

 

Diagnose in der frühen Kindheit bis zum Schulalter

 

Auf www.autismus-darmstadt.de z. B. gibt es detaillierte Checklisten zur Früherkennung von Autismus, jeweils abgestimmt auf die Untersuchungen beim Kinderarzt – U1 bis U9, also bis zum Schulalter.

Diese Listen wurden speziell für Kinderärzte entwickelt.

 

Abgefragt werden die Bereiche Wahrnehmung, Sozialverhalten, Motorik, Sprache, Ess- und Trinkverhalten. Ausdrücklich wird aber gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass alle aufgeführten Verhaltensmerkmale auch bei „normalen“ Kindern auftreten können und diese jeweils genau analysiert werden müssen.

 

Auch auf www.autismus-etcetera.de finden sich weitere Diagnose-Listen, auch die beiden „offiziellen Manuals“ ICD10 und DSM IV, jeweils für Frühkindlichen Autismus und Asperger-Syndrom, und die Kriterien von Gillberg und Gillberg für das Asperger-Syndrom.

 

Zwei Punkte finde ich aus meiner Erfahrung sehr wichtig, bei deren Auftreten unbedingt genau hingeschaut werden sollte:

  • Seh- und Hörstörungen bzw. -beeinträchtigungen

  • motorische bzw. „muskuläre“ Auffälligkeiten – z. B. auch solche im Mundbereich, die sich durch Sprechschwierigkeiten (z. B. Nicole Schuster) oder auch eine „falsche Zungenlage“ zeigen können – s. a. „Nonverbale Lernstörung“

 

 

Diagnose während der Schulzeit

 

Verhaltensauffälligkeiten und Lernprobleme

 

„Kinder sind anders und fallen durch ihr ganzes Wesen aus der Herde heraus.“

(Hans Asperger)

  • Ausgegrenzt und gehänselt werden, nicht dazugehören, abseitsstehen

  • Unwohlfühlen in Gruppensituationen

  • Probleme mit sozialen Kontakten

  • Angst vor neuen Situationen

  • Versagensängste

  • soziale „Naivität“

 

  • Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität, motorische Unruhe

 

  • Probleme mit exekutiven Funktionen: Organisation und Planung, Zeitmanagement, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle, Selbstreflexion, Selbstkontrolle

 

  • Introvertiertheit

  • Bedürfnis nach Ruhephasen und Phasen des Alleinseins, z. B. in den Pausen

 

  • Probleme bei der visuellen und/oder auditiven Wahrnehmung

 

  • Prosopagnosie

 

  • Linkshändigkeit(?)

  • Dyskalkulie, Legasthenie

 

  • Probleme mit der Handschrift: „verkrampfte Hand“, schlecht leserlich, braucht lange, häufiges radieren

 

  • Nonverbale Lernstörung

 

Diese soll hier näher beschrieben werden. Es zeigen sich Probleme bei (nach Tony Attwood):

  • visuell-räumlich-organisatorischen Fähigkeiten

  • komplexen psychomotorischen Fähigkeiten und taktiler Wahrnehmung

  • Anpassung an ungewohnte Situationen

  • Zeitwahrnehmung

  • mechanischem Rechnen

  • sozialer Wahrnehmung und Fähigkeiten der sozialen Interaktion

 

Stärken:

  • auditive Wahrnehmung

  • Worterkennung, Auswendiglernen von Wörtern

  • Buchstabieren

 

Evtl. liegen der Nonverbalen Lernstörung eine Fehlfunktion der rechten Gehirnhälfte und Schädigungen der weißen Hirnsubstanz zu Grunde. Zusammenhänge und eine evtl. Überlappung mit dem Asperger-Syndrom werden derzeit von Spezialisten intensiv erforscht. (Tony Attwood)

 

 

Diagnose über „Umwege“

 

Diagnose von den Stärken her

  • Loyalität

  • Unvoreingenommenheit

  • Offenheit

  • Vertreten eigener Theorien und Meinungen

  • Enthusiasmus für bestimmte Ideen

  • Wortgewandtheit

  • Detailgenauigkeit

  • Kreativität

  • gutes Gedächtnis

  • Beharrlichkeit

  • Ordnungsliebe

  • Verständnis ...

 

 

Diagnose von einer „Komorbidität“ her

  • AD(H)S

  • Lernstörungen (z. B. Legasthenie, Dyskalkulie)

  • Nonverbale Lernstörung

  • (reaktive) Depressionen bis hin zu Selbstmord

  • Angst- und Panikerkrankungen

  • Selbstverletzendes Verhalten

  • Sprach-, Sprechstörungen

  • Tics (mimisch, motorisch, vokal, verhaltensmäßig), Tourette-Syndrom

  • Zwangsstörungen

  • Wutanfälle, evtl. Missbrauch von Gegenständen

  • Sucht (v. a. Alkohol, Nikotin)

  • Schlafstörungen

  • nächtliche Angst (Pavor nocturnus)

  • Essstörungen (z. B. Untergewicht, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)

 

 

Diagnose von den Kompensations- und Anpassungsstrategien her

 

Wenn man diese kennt, kann man „Rückschlüsse“ ziehen auf Autismus bzw. Asperger-Syndrom. Folgende Strategien nennt Tony Attwood:

  • Reaktive Depression

  • Flucht in die Phantasie

  • Leugnen und Überheblichkeit

  • Nachahmen

 

 

Anmerkung:

 

Besonderheiten bei Asperger-Mädchen und Asperger-Frauen

 

Hier ist besonders wichtig zu wissen, dass Mädchen oder auch bislang undiagnostizierte Frauen oft nicht auffallen, da sie sich eher – im Gegensatz zu Jungs und Männern – in Passivität flüchten oder einfach gelernt haben, ihre Schwierigkeiten zu überspielen.

 

Mädchen lernen soziale Fertigkeiten vielleicht eher als Jungen, und zwar v. a. durch Beobachtung und Nachahmung. Sie neigen eher nicht dazu, zu stören und Ärger zu verursachen. Sie fallen also insgesamt weniger auf. Wenn sie Glück haben, werden sie von anderen Mädchen sogar bemuttert und beschützt.

 

Asperger-Mädchen haben oft ein besonderes Interesse an Tieren, klassischer Literatur und Schauspielerei.

 

Besonderheiten bei Asperger-Jungen und Asperger-Mädchen

 

Leider gibt es auch noch ein anderes Verhalten, das Asperger-Kindern gegenüber oft an den Tag gelegt wird - meist eher Jungs, aber auch Mädchen gegenüber:

Tony Attwood nennt es „Predatory Behaviour“, sog. „Raubtierverhalten“, also besonders rücksichtsloses Verhalten - und nicht nur bei Kindern kommt dieses Verhalten vor, sondern auch bei Erwachsenen.

 

„Raubtierverhalten“

 

Oft kommt es dazu in Situationen, wenn sich eine Person – ob nun Elternteil, Lehrer oder Lehrerin, Arbeitskollege oder -kollegin etc. - durch eine Äußerung, die i. d. R. aber nicht negativ oder als Kritik, sondern als Hilfe oder als „Gedankenanstoß“ gemeint war und als solche/r geäußert wurde, kritisiert und angegriffen fühlt und sehr heftig mit „Abwehr“ reagiert.

 

Hierbei sollte sich aber jeder darüber im Klaren sein, dass solch eine Reaktion das Selbstwertgefühl und Vertrauen eines Kindes (und auch eines Erwachsenen) massiv untergräbt.

 

 

Diagnose durch die Diagnose eines nahen Verwandten oder eines Geschwisters

  • 46 % der Verwandten ersten Grades zeigen ähnliche Fähigkeits- und Verhaltensprofile

 

 

Diagnose im Erwachsenenalter von den auftretenden Schwierigkeiten her

  • Probleme im Berufsleben

  • Probleme in der Partnerschaft

  • Probleme bei der Kommunikation und Interaktion ...

 

Konflikte, die bislang nicht erkannt und verarbeitet wurden oder auch alte Traumen, Negativerlebnisse usw. können jederzeit an die „Oberfläche“ kommen und Ängste und Konfliktpotentiale weiter verschlimmern.

 

So können viele Menschen mit Asperger-Syndrom in gewohnten Situationen nicht auffällig erscheinen, aber wenn „alte Wunden“ oder Konflikte durch entsprechende Erlebnisse reaktiviert werden oder sonstige unerwartete Krisen im Alltag auftreten, können sie „de-kompensieren“ - d. h. es können

  • psychoseartige Chaos- und Verwirrtheitszustände

  • schwere Panikzustände

 

auftreten. Halten belastende Situationen länger an, so kann sich dies sehr negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken. Oft kommt es auch reaktiv zu

  • Depressionen bis hin zu Selbsttötungsgedanken und Suizidversuchen bzw. Suiziden

 

Eine „aktuelle belastende Situation“, die einen Asperger-Betroffenen „völlig aus der Bahn wirft“, hat ihre Ursachen in konfliktbesetzten, angstbesetzten Erlebnissen aus der Kindheit, die durch das erneute Erleben ähnlicher Situationen in der Gegenwart „reaktiviert“ werden. Hier nach den Ursachen zu spüren und zu fragen, ist für einen Betroffenen von großer Wichtigkeit – da diese „Urangst“ sich nicht einfach „auflöst“ oder in Vergessenheit gerät, sondern sich eher sogar vergrößert.

 

 

 

Verwendete Literatur, Internetseiten:

 

Autismusepidemie, Tony Attwood

Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom, Tony Attwood

Asperger’s and Girls, Tony Attwood, Temple Grandin etc.

Zwangsphänomene bei Autismus, Tanja Jungmann

Der Arzt als Detektiv, Prof. Dr. Reinhard Plassmann

Asperger - Syndrom zwischen Autismus und Normalität, Ole Sylvester Jorgensen

Heilpädagogik, Hans Asperger

Zartbesaitet, Georg Pawlow

Lerntypen und –störungen, Sebastian Dern

Ein guter Tag ist ein Tag mir Wirsing, Nicole Schuster

Aspies e. V. zur Podiumsdiskussion „Autismus im schulischen Alltag“, 07.06.2007, Berlin

Die Entdeckung des Aspie, Matroids Matheplanet

 

 

Juni 2008

 

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Bitte hierzu insb. auch lesen:

Diskussionsseite – Begriffsentstehung

Ein Nachtrag

Noch ein Nachtrag

Angst, Angst und Autismus, Angst-Symptome

Dopamin & Co. – Ein Anfang, Die Stressreaktion

Zum Nachdenken – Kontrastwahrnehmung, PDA, Tantrums

 

 

 

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