Autismus und Schizophrenie

 

Begriffsentstehung

 

Am Anfang waren die Worte Demenz und Idiotie - Dementia and Idiocy ...

 

1896

Emil Kraepelin und seine ‚Dementia praecox’ (S. 30*)

 

Er prägte den Begriff Dementia praecox (= ‚vorzeitige Verblödung’).

Dies ist auch die veraltete Bezeichnung für Schizophrenie.

 

Seine Einteilung der ‚adult mental illness’ (‚Geistesgestörtheit bei Erwachsenen’):

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Catatonia

Form der Schizophrenie mit Krampfzuständen der Muskulatur

 

Hebephrenia

Form der Schizophrenie in der Pubertät

 

Simple deterioration

Einfache ‚Entartung’

 

Paranoia

Form der Psychose mit Wahnvorstellungen

 

 

- S. dazu auch u.: Autismus- und Schizophreniebegriff heute (lt. Pschyrembel) –

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“He (Kraepelin) believed that psychosis was an organically based degenerative condition, involving the metabolic or central nervous system.” (S. 30*)

 

„Er glaubte, dass eine Psychose ein organisch bedingter degenerativer Zustand sei, an dem auch das metabolische (‚stoffwechselbedingte’) System oder das Zentrale Nervensystem (‚Gehirn und Rückenmark’) beteiligt sind.“

 

 

[* Die Zitate – mit der entsprechenden Seitenangabe – stammen jeweils aus:

Sheila Spensley – ‘Frances Tustin - Makers of Modern Psychotherapy’, Routledge]

 

ANMERKUNG: Degeneration im medizinischen Sinne bezeichnet die sog. Entartung zellulärer Strukturen oder Funktionen infolge einer Schädigung der Zelle. [Pschyrembel]

 

Zu Emil Kraepelin bitte weiterlesen bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Kraepelin

 

 

1911

Eugen Bleuler und seine ‚vier großen A’ der Schizophrenie (S. 31*)

 

Bleuler ersetzte den Begriff ‚Dementia praecox’ durch den Begriff ‚Schizophrenie’ bzw. ‚Gruppe der Schizophrenien’. Er distanzierte sich von Kraepelins Blick auf Psychose und sah sie nicht als einen organischen, ‚entarteten’ Zustand.

 

Bleuler, der sehr durch Sigmund Freud beeinflusst war, legte sein Hauptaugenmerk auf die Merkmale der psychotischen Symptome:

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“His understanding of the psychotic* manifestations as having both defensive and adaptive functions added a new dimension of clinical insight.” (S. 31*)

 

„Sein Verständnis der psychotischen Erscheinungen sowohl als Abwehr-  und auch als Anpassungsfunktionen, führte zu einer völlig neuen klinischen Einsicht.“

„Bleuler brought to the incomprehensible world of insanity the idea that there might be structure and meaning in psychotic symptoms, but it is striking that he, too, disregarded entirely the pathology of children.” (S. 31*)

 

„Bleuler brachte in die völlig unvorstellbare Welt der Geisteskrankheit die Idee ein, dass es Struktur und Bedeutung in psychotischen Symptomen geben könnte, aber es ist auffallend, dass auch er gänzlich das Krankheitsbild der Kinder nicht beachtete.“

 

 

* Psychose ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ‚Irresein’; es ist die allgemeine Bezeichnung für ‚psychische Störung mit strukturellem Wandel des Erlebens’. Einteilung:

  • Organische (körperlich begründbare) und nichtorganische Psychose (s. u.)

 

Seine ‚vier großen A’ für die Diagnose einer Schizophrenie (S. 31*):

  • Affective disturbance
  • Autistic withdrawal
  • Ambivalence
  • Associative (thought) disorder

.

 

Affektstörung

Veränderung in Stimmung und Antrieb.

 

Autistisches Sichzurückziehen

Vgl. dazu:

“... extreme aloneness ...” (Kanner; S. 32*; s. u.).

 

Ambivalenz

Nebeneinander gegensätzlicher Vorstellungen, Wünsche oder Absichten, u. U. mit nachfolgender Handlungsunfähigkeit.

 

Störungen der Assoziation

Assoziation (im psychologischen Sinne) ist das Verknüpfen von Gedächtnisinhalten - z. B. von Ideen, Vorstellungen, Gefühlen, Bewegungen.

 

Definition lt. DUDEN:

„Verknüpfung von Vorstellungen, von denen die eine die andere hervorgerufen hat.“

 

 

 

Zum Weiterlesen, Nachdenken, ‚Querdenken’ ...

„Ich erlebe es so, dass viele Details in meinem Wahrnehmungsfokus, eine Tasse etwa, der Klang eines Wortes, das Geräusch eines Autos etc. jeweils eine Kaskade von assoziativen Gedankenbildern auslöst, die miteinander interferieren und sich zu Mustern in meinen Gedanken verbinden. ... Sprache und Denken [bei autistischen Menschen] sind immer getrennt, Sprechen heißt immer Übersetzen und Denken findet immer in assoziativen Zusammenhängen statt.“

[Hajo Seng – Beitrag ‚Autismus und Kreativität’ in Ludger Tebartz van Elst (Hrsg.):

„Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter“, S. 357;

Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft]

 

 

1933

Howard W. Potters Kriterien für ‘Kindheits-Schizophrenie’ (S. 31*)

 

Für Potter war es wichtig, auf den Beginn und den Verlauf der Erkankung zu achten.

Seine Kriterien für eine ‚Kindheits-Schizophrenie’ waren:

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Gerneralised rectraction of interest from the environment.

 

Allgemeiner Rückgang des Interesses an der Umwelt.

Disturbances of thought, manifested in blocking, symbolisation, condensation*, perseveration, and incoherence.

 

 

* Condensation is an unconscious process, whereby two ideas or images combine into a single symbol, especially in dreams.

[Quelle: www.thefreedictionary.com]

 

Störungen des Denkens, die sich zeigen als (Gedanken-)Sperre, Symbolisierung, Kondensation*, Perseveration* und Inkohärenz (Zusammenhanglosigkeit).

 

* Kondensation ist ein unbewusster Prozess, bei dem zwei Ideen oder Vorstellungen zu einem einzigen Symbol kombiniert werden, besonders in Träumen.

 

* Perseveration ist das sog. ‚Haftenbleiben’ an Vorstellungen bzw. das beharrliche Wiederholen von Bewegungen oder Wörtern. Es kommt vor z. B. beim hirnlokalen Syndrom oder bei Epilepsie.

 

Disorders in language function sometimes with mutism.

Störungen der Sprachfunktion, manchmal mit Mutismus*.

 

* Mutismus = Stummheit bzw. Nichtsprechen bei intaktem Sprachvermögen und intakten Sprachorganen; Vorkommen z. B. bei depressivem Syndrom, akuter Schreckstarre, Negativismus oder Stupor.

 

[Stupor = Zustand der Reglosigkeit ... bei wachem Bewusstsein; Vorkommen z. B. bei Katatonie (s. u.), psychotischer Depression, Dissoziation, Epilepsie oder Intoxikationen.]

 

Diminution*, rigidity and distortion of affect.

 

 

* Diminution - flat affect: Absence of or diminution in the amount of emotional tone or outward emotional reaction (e.g., facial expression, posture) typically shown by oneself or others under similar circumstances; may include lack of vocal expression; often a symptom of mental disorders; a milder form is termed blunted affect.

[Quelle:

medical-dictionary.thefreedictionary.com

flat+affect]

 

 

Diminution*, Rigidität* und Störung des Affekts*.

 

* Diminution – ‚flacher Affekt’: Abwesenheit oder eingeschränkter emotionaler Ausdruck oder eingeschränkte emotionale Reaktion (z. B. Mimik, Gestik), die sich typischerweise unter den gleichen Umständen zeigen; evtl. auch mit einem Mangel an stimmlicher Ausdrucksfähigkeit; ist oft ein Symptom bei einer geistigen/psychischen Störung. Eine milde Form wird als Anhedonie (s. u.) bezeichnet.

 

* Rigidität (psychologisch): Unfähigkeit, sich wechselnden Bedingungen schnell anzupassen. [DUDEN]

 

* Affekt: Heftige Erregung, Zustand einer außergewöhnlichen seelischen Angespanntheit. [DUDEN]

 

Excessive or inhibited motility, leading to incessant activity or reaching the point of immobility.

Übermässige oder eingeschränkte Motilität*, die zu einer unablässigen Aktivität oder auch zu einem Punkt der Immobilität führt.

 

* Motilität = Bewegungen, die reflektorisch (→ über Reflexe) oder vegetativ (→  über das vegetative Nervensystem) reguliert werden.

 

Zum Nachdenken ...

Katatonie ist ein Erkrankungszustand mit psychomotorischen Störungen (Sperrungs- und/oder Erregungszustand).

Vorkommen:

Bei katatoner Schizophrenie, organischen Erkrankungen oder schweren Depressionen.

 

Kataplexie (syn. affektiver Tonusverlust) ist ein anfallartiger, kurz andauernder (→ weniger als 2 Minuten) Tonusverlust der Kopf- oder der gesamten Körpermuskulatur, ausgelöst durch einen starken Affekt (z. B. Erschrecken, sog. Schrecklähmung).

Vorkommen z. B. bei Narkolepsie.

 

Zum Vergleich ...

Absence bei einem epileptischen Anfall: Bewusstseinsstörung mit evtl. zusätzlichen milden motorischen Begleitsymptomen (z. B. Lidzucken, Änderung des Muskeltonus) und ‚vegetativen Phänomenen’. [Pschyrembel]

 

Bizarre mannerisms with a tendency to perseveration or stereotypy.

Bizarre Eigenheiten mit der Tendenz zur Perseveration (sog. ‚Haftenbleiben’; s. o.) oder Stereotypie*.

 

* Stereotypien sind verbale Äußerungen oder Bewegungen und Handlungen, die oft über lange Zeit und immer in der gleichen Weise wiederholt oder beibehalten werden.

Dazu gehören z. B.:

  • Echolalie
  • Logoklonie (bei Erkrankungen des extrapyramidalen Systems)
  • Palialie (z. B. bei postenzephalitischem Syndrom, Parkinson-Syndrom, Demenz)
  • Verbigeration (oft zur Selbstversicherung eines innerlich isolierten Menschen)
  • Automatismen, z. B. im epileptischen Anfall

 

[Pschyrembel 1994]

 

 

[Howard W. Potter – ‚Schizophrenia in Children’; 01.05.1933(!):

„It is necessary to bear in mind that children cannot be expected to exhibit psychopathology with all the elaborations of the adult. It must be remembered that the level of intellectual development and the life experiences oft the child are limited in comparision with those of the adult.”

Quelle: http://ajp.psychiatryonline.org/article.aspx?articleID=140620]

 

Zum Nachdenken ...

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“Blunted affect can be symptomatic of schizophrenia, depression, posttraumatic stress disorder, or brain damage.”

 

[Quelle und zum Weiterlesen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Blunted_affect]

 

“Blunted affect/Anhedonie kann ein Symptom der Schizophrenie, der Depression, der posttraumatischen Belastungsstörung oder eines Hirnschadens sein.”

 

 

 

 

 

-> Siehe dazu auch: Wunderwerk Mensch – Reflexe; Fragen, Fragen, Fragen – Epilepsie, Hirnlokales Syndrom, Schreckstarre; Glossar – Plexus (... und vegetatives Nervensystem: Sympathikus, Parasympathikus, enterisches Darmwandnervensystem); Zum Nachdenken – Agnosie, Simultanagnosie, Apraxie; Gedankensplitter - 'Layer to layer' etc.

Bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anhedonie; http://en.wikipedia.org/wiki/Anhedonia

http://de.wikipedia.org/wiki/Überlebenden-Syndrom etc.

 

 

1943

Leo Kanner und das ‚Kanner-Syndrom’ bzw. der ‚frühkindliche Autismus’ (S. 32*)

 

Leo Kanner war ein Psychiater in Baltimore.

Der frühkindliche Autismus manifestiert sich meist vor dem 3. Lebensjahr als ‚tiefgreifende Entwicklungsstörung’.

SYMPTOME:

  • Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion, der Kommunikation und Sprache.
  • Repetitive, restriktive und stereotype Verhaltensmuster.
  • Intellektuelle Behinderung in 50 – 75 % der Fälle.
  • Oft zusätzlich: ADHS, Tics, Aggressivität, Selbstverletzung.

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„Most of the children had been brought to his institution in Baltimore with the assumption that they were feeble-minded and their low scores on psychometric testing seemed to confirm this.” (S. 20*)

 

“Die meisten der Kinder wurden zu ihm in sein Institut in Baltimore gebracht in der Annahme, sie wären dümmlich, und die niedrigen Ergebnisse in ihren psychometrischen Tests schienen dies zu bestätigen.“

 

[Psychometrie = Wissenschaft von der Messung psychischer Erscheinungen (DUDEN)]

 

 

 

1938 bzw. 1944

Hans Asperger und das ‚Asperger-Syndrom’

 

Hans Asperger gilt als zeitgenössischer Wiener Pädagoge*. Nach ihm ist das Asperger-Syndrom benannt, eine Form des Autismus, die sich meist im Schulalter manifestiert.

 

[* Im 'Eifer des Gefechts' habe ich übersehen, dass die Abkürzung "Päd." hier natürlich bedeutet: Pädiater (Kinderarzt).]

 

Kriterien für das ‚Asperger-Syndro

  • Kontaktstörung.
  • Eingeschränktes Repertoire an Interessen und sich in gleicher Weise wiederholenden Aktivitäten und Verhaltensweisen.
  • Vorkommen v. a. bei Jungen.

Im Gegensatz zum ‚frühkindlichen Autismus’ keine schwerwiegende Verzögerung der gesprochenen oder rezeptiven Sprache und/oder der kognitiven Entwicklung.

[Pschyrembel]

 

„Am einfachsten versteht man das Asperger-Syndrom, wenn man es als die Beschreibung einer Person betrachtet, die die Welt anders als andere wahrnimmt und begreift.“

[Tony Attwood – ‚Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom’, S. 15; TRIAS]

 

„Jeder Mensch ist ein einmaliges, unwiederholbares, unteilbares Wesen (‚In-dividuum’), darum auch letztlich unvergleichbar mit anderen.“ Hans Asperger

[Ludger Tebartz van Elst (Hrsg.) – ‚Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter’, S. 107; Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft]

 

 

Asperger-Syndrom (AS) und Nonverbale Lernstörung (NLS/NLD)

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“One of the major areas where AS and NLD differ is in the degree to which visual information processing is affected.“

 

„Einer der Hauptbereiche, in denen sich das Asperger-Syndrom und die Nonverbale Lernstörung unterscheiden, ist das Maß der Beeinträchtigung der visuellen Informationsverarbeitung.“

 

 

[Janet Price & Jennifer Engel Fisher – ‘Take Control of Asperger’s Syndrome’, S. 11; Prufrock Press Inc.]

 

In diesem Buch gibt es eine sehr gute Übersicht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider ‚Störungsbilder’ (S. 13):

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NLS

 

Gemeinsamkeiten

AS

Probleme mit visuellen Aufgaben und/oder auditorischen Prozessen.

 

Evtl. verzögerte Sprachentwicklung, manchmal aufgrund einer verzögerten Entwicklung der Feinmotorik.

 

Jedes Intelligenzniveau ist möglich.

 

Probleme, Freundschaften einzugehen und aufrechtzuerhalten.

 

Schwierigkeiten, Körpersprache zu verstehen und selbst anzuwenden.

 

Schwierigkeiten mit Blickkontakt.

 

Grob- und feinmotorische Probleme.

 

Schwarz-Weiß-Denken.

 

Schwierigkeiten beim Ändern von Routinen.

 

Beeinträchtigte sog. ‚exekutive Funktion’.

 

Allgemein gut bei visuellen Aufgaben; oft visuelle Denker.

 

Stereotypien.

 

Keine Verzögerung der Sprachentwicklung.

 

Starkes Interesse an Objekten oder an Details dieser Objekte.

 

Normale bis überdurchschnittliche Intelligenz.

 

 

-> Siehe dazu auch: Autismus, Asperger-Syndrom, Nonverbale Lernstörung; Essen & Co. – Phenylalanin/Tyrosin (Hans Asperger); Was ich noch (Februar 2013)

 

 

Und zum Nachdenken, ‚Querdenken’ - Frances Tustin ...

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... describes autism as a defence against unpredictability ... (S. 27*)

 

... beschreibt Autismus als eine Abwehr- oder Schutzmaßnahme gegen Unvorhersehbares, Unberechenbares ...

 

... saw autism (and psychosis) as an extreme reaction to trauma. (S. 36*)

 

... sah Autismus (und Psychose) als eine extreme Reaktion auf ein Trauma.

 

 

Definition TRAUMA lt. WHO (Weltgesundheitsorganisation):

  • Ein psychisches Trauma ist ein kurz- oder langanhaltendes Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß. Traumatische Erlebnisse beinhalten üblicherweise Lebensgefahr, tatsächliche oder drohende schwere Körperverletzung oder sexuelle Gewalt. Die körperliche Bedrohung kann dabei gegen die eigene Person oder gegen andere Personen gerichtet sein.

[Quelle und zum Weiterlesen:

Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung; Hogrefe]

  • Ein körperliches Trauma entsteht akut durch äußere Einflüsse (mechanisch, thermisch, chemisch, strahlenbedingt); es kommt zur Zerstörung von Gewebestrukturen oder zu Funktionsstörungen. [Pschyrembel]

 

[* Die Zitate – mit der entsprechenden Seitenangabe – stammen jeweils aus:

Sheila Spensley – ‘Frances Tustin - Makers of Modern Psychotherapy’, Routledge]

 

Siehe auch:

Zum Nachdenken – Tantrums; Was ich noch ...

Spurenelemente – Eisen (... und Anmerkung zu Dorothea Buck ♥)

www.dorothea-buck.de

 

 

Autismus- und Schizophreniebegriff  heute - lt. Psychrembel:

 

Autismus

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Kontaktstörung mit Rückzug auf die eigene Vorstellungs- und Gedankenwelt und Isolation von der Umwelt.

Vorkommen z. B. bei Schizophrenie.

 

Kontaktstörung mit qualitativen Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion, der Kommunikation und Sprache sowie repetitiven, restriktiven und stereotypen Verhaltensmustern.

 

Pschyrembel 1994

Pschyrembel 2007

 

 

 

Schizophrenie – veraltete Bezeichnung: Spaltungsirresein, Dementia praecox

(Kraepelin; s. o.)

 

Zum Nachdenken ...

Die Einteilung der Schizophrenie erfolgte im Pschyrembel 1994 noch nach Verlauf, Symptomatik und Ersterkrankungsalter in Borderline-Syndrom, Hebephrenie, Katatonie, Paranoia, Paraphrenie und schizoaffektive Psychose:

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Borderline-

Syndrom

Psychische Störung, bei der abwechselnd Symptome einer Neurose und Psychose auftreten; es fehlen echte paranoid-halluzinatorische Episoden, katatone Symptome und schizophrene Denk- und Ich-Störungen.

 

Hebephrenie

Bezeichnung für eine Form der Schizophrenie, die im Jugendalter beginnt.

SYMPTOME: Inkohärenz, flach und unangemessen wirkende Gefühle, Fehlen eines systematisierten Wahns.

 

Katatonie

Psychische Erkrankung, bei der Störungen der Willkürmotorik im Vordergrund stehen (Sperrungs- oder Erregungszustand; s. o.).

 

Paranoia

Frühere Bezeichnung für eine allgemeine Geistesstörung oder die paranoide Verlaufsform der Schizophrenie (sog. Paraphrenie); heute ist es die Bezeichnung für eine Erkrankung mit systematisiertem Wahn, die nicht auf Schizophrenie, sondern als paranoide Entwicklung auf einer Charakterstörung beruht ...

 

Paraphrenie

Bezeichnung für eine im Alter auftretende Psychose mit Wahn und ausgestalteten (akustischen) Halluzinationen mit insgesamt gut erhaltener Persönlichkeit; wird z. T. als chronische Verlaufsform der Schizophrenie angesehen.

 

Schizoaffektive

Psychose

Bezeichnung für eine Form der Psychose, bei der sich Symptome der schizophrenen und der affektiven Psychose mischen.

 

 

 

-> Siehe dazu auch: Fragen, Fragen, Fragen – Autismus, Schizophrenie, Borderline-Störungen; Gedankensplitter – Neuroleptika, Psychosen, Neurosen, Katatonie etc.

 

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Nach M. Bleuler bedeutet Schizophrenie „in den meisten Fällen die besondere Entwicklung, den besonderen Lebensweg eines Menschen unter besonders schwerwiegenden inneren und äußeren disharmonischen Bedingungen, welche Entwicklung einen Schwellenwert überschritten hat, nach welchem die Konfrontation der persönlichen inneren Welt mit der Realität und der Notwendigkeit zur Vereinheitlichung zu schwierig und zu schmerzhaft geworden ist und aufgegeben worden ist.“

 

 

Nach ICD und DSM nichtorganische Psychose* mit charakteristischen, jedoch vielgestaltigen Störungen der Persönlichkeit, des Denkens, der Wahrnehmung, der Realitätskontrolle und der Affektivität ohne Beeinträchtigung der Klarheit des Bewusstseins, ohne erkennbare hirnorganische Erkrankung und ohne Einwirkung von Psychedelika.

 

* Psychose ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ‚Irresein’; es ist die allgemeine Bezeichnung für ‚psychische Störung mit strukturellem Wandel des Erlebens’; Einteilung:

  • Organische (körperlich begründbare) und nichtorganische Psychose

 

 

 

SYMPTOME:

Denkstörungen

Antriebsstörungen

Wahn

Halluzinationen

Psychomotorische Störungen

Affektstörungen

Ich-Erlebensstörungen

 

 

SYMPTOME:

Denkstörungen

Wahn

Sinnestäuschungen (v. a. akustische Halluzinationen)

Ambivalenz

Autismus

Psychomotorische Störungen (evtl. auch als Stupor* oder Katatonie*)

Störungen der Affektivität

Ich-Erlebensstörungen

 

* Stupor = Zustand der Reglosigkeit ... bei wachem Bewusstein; Vorkommen z. B. bei Katatonie, psychotischer Depression, Dissoziation, Epilepsie, Intoxikationen.

 

* Katatonie = Erkrankungszustand, bei dem psychomotorische Störungen im Vordergrund stehen:

  • Sperrungszustand mit Hemmung der Motorik
  • Erregungszustand mit psychomotorischer Erregung

 

Vorkommen:

Bei katatoner Schizophrenie, organischen Erkrankungen und bei schwerer Depression.

- S. o. bei ‚Potter’ -

 

Pschyrembel 1994

Pschyrembel 2007

 

 

Und zum Nachdenken, ‚Querdenken’ ...

... noch einmal Hajo Seng zum Thema ‚Sprache und Denken bei autistischen Menschen’ (s. o. bei ‚Bleuler’):

  • „Ich erlebe es so, dass viele Details in meinem Wahrnehmungsfokus, eine Tasse etwa, der Klang eines Wortes, das Geräusch eines Autos etc. jeweils eine Kaskade von assoziativen Gedankenbildern auslöst, die miteinander interferieren und sich zu Mustern in meinen Gedanken verbinden. ... Sprache und Denken [bei autistischen Menschen] sind immer getrennt, Sprechen heißt immer Übersetzen und Denken findet immer in assoziativen Zusammenhängen statt.“

[Hajo Seng – Beitrag ‚Autismus und Kreativität’ in Ludger Tebartz van Elst (Hrsg.):

„Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter“, S. 357;

Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft]

 

... und noch einmal Frances Tustin - zum Thema ‚Wahrnehmung’:

„Wahrnehmung - Sehen und Hören – zwei wichtige Sinne:

  • Mit den Augen können wir die Welt ‚erkunden’, entdecken.
  • Mit unseren Ohren können wir andere Menschen (und Lebewesen) wahrnehmen.“

[Nach Frances Tustin; s.o.; S. 3]

 

... und damit zurück zu meiner Ausgangsfrage:

  • Was ist Autismus? Was ist Schizophrenie?
  • Wäre es möglich, diese Definitionen/Beschreibungen zu überdenken und Definitionen/Beschreibungen zu finden, die v. a. auch nach Ursachen fragen - und die damit letztlich zu einem besseren Verständnis und auch zu einer ‚Hilfe ohne Stigmatisierung’ führen könnten?

Danke!

 

Siehe auch:

Autismus, Asperger-Syndrom, Nonverbale Lernstörung

Essen & Co. – Phenylalanin/Tyrosin (Hans Asperger); Spurenelemente – Jod/Iod

Wahrnehmung

Lernprobleme - Hören und Lernen - Sehen und Lernen - ... zum Weiterlesen

Wunderwerk Gehirn – Kommissurenbahnen etc.

Fragen, Fragen, Fragen – Autismus/Schizophrenie, Epilepsie, Hirnlokales Syndrom

Glossar -  Fossa cranii

Zum Weiterlesen

Zum Nachdenken - Tantrums

Gedankensplitter – Neuroleptika, Neurosen und Psychosen, Katatonie

Was ich noch ...

Etc.

 

[11.01.2014]

 

 

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